Ski alpin
Das Rezept(-Buch) von Patrick Küng

Patrick Küng erklärt nach seinem Sieg am Lauberhorn die Geheimnisse seines Erfolgs. Der 30-Jährige zählt auf sein persönliches Rezeptbuch. Dieses soll verhindern, dass er Fehler wiederholt.

Martin Probst, Wengen
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Im Mittelpunkt: Patrick Küng ist nach seinem Sieg am Lauberhorn ein gefragter Mann.

Im Mittelpunkt: Patrick Küng ist nach seinem Sieg am Lauberhorn ein gefragter Mann.

Keystone

Sie haben ungelesene Nachrichten. Als Patrick Küng nach einer langen Nacht schon um 9 Uhr morgens im Hotel Belvédère in Wengen den zahlreichen Journalisten gegenübersitzt, blinkt sein Handy. Bisher hatte der 30-Jährige nicht die Zeit, die vielen SMS zu lesen. Es sind dies die schönen Probleme eines Schweizer Lauberhornsiegers.

«Pirmin Zurbriggen hat mich angerufen und mir gratuliert», erzählt der Glarner. Das hat ihn besonders gefreut. Und auch mit seiner Mutter, die sich zu Hause von einer Operation erholt und beim grössten Erfolg ihres Sohnes nicht live dabei sein konnte, hat er gesprochen. Vater Georg hingegen war dabei. Als er seinem Sohn im Zielraum um den Hals fiel, flossen bei Patrick Küng die Tränen. «Das war ein sehr emotionaler Moment. Es ist schön, meinen Eltern, die so viel für mich getan haben, etwas zurückzugeben.»

Es war dies aber nicht der einzige Moment, der Küng für kurze Zeit den Atem raubte. An der Siegerehrung auf dem rappelvollen Dorfplatz von Wengen geriet er bei der Nationalhymne plötzlich ins Stocken. «Eigentlich kenne ich ja den Text, doch ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob Aksel Lund Svindal und Hannes Reichelt meine Gesangskünste gefallen», sagt er lachend.

Ein spätes Debüt

2006 war die Karriere von Küng schon fast zu Ende. Er brach sich bei einem Sturz das Schienbein am einen und das Wadenbein am anderen Bein. Weil er nicht mehr laufen konnte, musste er ein paar Tage im Rollstuhl verbringen. In dieser schweren Zeit hatte er Rücktrittsgedanken, doch sein Wille brachte ihn zurück auf die Piste.

Zu seinem Weltcup-Debüt kam er erst mit 25 Jahren – in der Superkombination von Wengen 2009. Seither führt er über die Rennen Buch. Handschriftlich macht er sich Notizen über die Schlüsselstellen, das Material und andere Erkenntnisse zur jeweiligen Piste. «Ein Tagebuch ist es aber nicht», sagt Küng.

Vielmehr ist es sein persönliches Rezeptbuch. Wenn er an einen Ort zurückkommt, kann er das Buch hervorholen und so verhindern, dass er Fehler aus den Vorjahren wiederholt. «Ich brauche das Buch aber weniger als früher. Schliesslich bin ich jetzt doch schon fünf Jahre im Weltcup dabei und kenne die Strecken ziemlich gut.»

Er will Französisch lernen

In der zweiten Saison nach seinem Kreuzbandriss sorgt Küng im Team von Cheftrainer Walter Hlebayna für die Glanzpunkte. Die Siege im Super-G von Beaver Creek und in der Abfahrt am Lauberhorn machten ihn zum Leader des Teams. «Eine solche Rolle kann man nicht übernehmen. In eine solche Rolle wächst man mit den Erfolgen hinein», sagt Küng, der die Aufmerksamkeit nicht als Hindernis sieht.

Dass er nun auch in Sotschi an den Olympischen Spielen zu den Favoriten zählen wird, berührt ihn noch nicht. «Ich lerne noch nicht Russisch», sagt er und fügt lachend an: «Zuerst sollte ich wohl sowieso mein Französisch verbessern.»