Nur zehn Jahre nach dem letzten Mal finden die Titelkämpfe der Nordischen wieder im Trentino statt. Für Ammann stand die WM 2003 unter keinem günstigen Stern. Ein Jahr nach seinem Doppel-Olympiasieg von Salt Lake City kam der Toggenburger damals nicht über die Ränge 10 und 17 hinaus. «Wenn ich damals etwas mehr Wettkampfglück gehabt hätte, wäre mir in den folgenden Jahren wohl vieles leichter gefallen», sagt Ammann im Rückblick auf seine längere Durststrecke nach seinem kometenhaften Aufstieg zum Skisprung-Star.

Grosse Fangemeinde von Dario Cologna

Eine aussergewöhnliche Beziehung zum Val di Fiemme hat auch Dario Cologna. Mit dem erstmaligen Gewinn der Tour de Ski, die jeweils im Dolomitental zu Ende geht, feierte der Langläufer 2009 seinen ersten grossen Triumph - und schaffte damit den Durchbruch an die Weltspitze. Rund zwei Autostunden vom Val Müstair entfernt, wo er aufgewachsen ist, kann der inzwischen dreimalige Toursieger stets auch auf die Unterstützung einer grossen Fangemeinde zählen.

Dank seiner italienischen Wurzeln geniesst Cologna auch bei den einheimischen Sportfans zahlreiche Sympathien - erst recht, wo Italiens Langläufer im Moment nicht mehr so erfolgreich sind wie auch schon. «Ich bin hier als Bub schon einmal gelaufen», sagt Cologna, der wie Ammann immer wieder gern zurückkehrt. «Auch wegen der italienischen Küche», wie er anfügt.

Ammann und Cologna sind an der WM, an der es morgen mit dem Sprintrennen der Langläufer zur ersten Entscheidung kommt, die beiden grossen Hoffnungsträger im Schweizer Team. Zwei Medaillen will Swiss-Ski gemäss offizieller Zielsetzung im Val di Fiemme gewinnen. Dafür zu sorgen, liegt an den beiden Aushängeschildern der Nordisch-Abteilung - allenfalls noch mit Unterstützung von Mannschaftskollegen in den Teamwettbewerben. Obwohl der Verband an die grosszügige Selektionspraxis bei den alpinen Titelkämpfen angeknüpft und 22 Athletinnen und Athleten aufgeboten hat, von denen weniger als die Hälfte die WM-Limite gänzlich erfüllt hat, kommt neben Ammann und Cologna kaum jemand für eine Einzelmedaille infrage.

Unterschiedliche Ausgangslage

Für die beiden Olympiasieger präsentiert sich die Ausgangslage unterschiedlich. Cologna reist als Weltcupleader ins Trentino und gehört bei jedem seiner voraussichtlich fünf Einsätze am Lago di Tesero zu den Favoriten. Alles andere als ein Medaillengewinn wäre für den 26-Jährigen eine Enttäuschung. Erst recht, zumal ihm WM-Edelmetall in seinem Palmarès noch fehlt. Durfte er an seiner ersten WM vor vier Jahren in Liberec mit einem 4. und einem 6. Rang als Ausbeute noch zufrieden sein, musste der Bündner 2011 in Oslo eine empfindliche Niederlage einstecken. Eine Krankheit in der Vorbereitung, vor allem aber gravierende Materialprobleme hinderten den damals schon heissen Medaillenkandidaten am Holmenkollen an der Entfaltung seines Potenzials.

Simon Ammann hingegen gewann seit 2007 an allen Grossanlässen mindestens eine Medaille. Vor sechs Jahren holte er in Sapporo je einmal Gold und Silber. 2009 und 2011 reichte es ihm jeweils zu Bronze, und dazwischen lag sein zweiter Doppel-Olympiasieg in Vancouver. Nach seinem bisherigen Saisonverlauf geht Ammann auf der Schanze von Predazzo nicht als Topfavorit an den Start. Vielmehr könnte man den 31-Jährigen, der gestern zusammen mit seinem Teamkollegen Gregor Deschwanden als Passagier eines Privatflugzeugs von Mollis nach Bozen flog, als aussichtsreichen Aussenseiter bezeichnen.

Nach einer völlig missratenen Vierschanzentournee zeigte Ammanns Formkurve zuletzt wieder aufwärts. Es wäre zudem nicht das erste Mal, dass er an einem Grossanlass zu einer Steigerung fähig wäre. Und auch Ammanns Alter sollte noch kein Grund sein, auf Erfolg zu verzichten. Sein Konkurrent Noriaki Kasai steht schliesslich bereits vor seiner dritten WM im Val di Fiemme. Der 40-jährige Japaner war bereits 1991 mit dabei.