Der Heim-Weltcup in Davos hat für die Schweizer Langläufer eine spezielle Bedeutung. Nach dem in jüngster Vergangenheit oft durchwachsenen Saisonstart im hohen Norden ist es der Moment, eine erste Duftmarke zu setzen. Den Aushängeschildern Dario Cologna und Nathalie von Siebenthal gelang dies im letzten Dezember mit den Rängen zehn beziehungsweise sechs einigermassen.

Luft nach oben hat das Duo nicht nur im Vergleich zum Vorjahr. Als durchzogen mit positivem Grundtenor muss man den Auftritt der zwei Schweizer Olympiatrümpfe in den ersten Weltcuprennen in Finnland und Norwegen bezeichnen. Beide liessen ihre Klasse aufblitzen, kämpften jedoch mit altbekannten Problemen.

Wieder einem eine Verletzung 

Dario Cologna hindert wieder einmal eine Verletzung daran, konstant 100 Prozent seines Leistungsvermögens abzurufen. Diesmal ist es nicht die Wade, diesmal zwickt es an der Achillessehne. Auch diese durch intensives Training hervorgerufene Reizung ist für ihn nicht neu. Cologna kämpfte bereits im Sommertraining des Vorjahres damit. Nur verschwanden die Probleme damals mit dem Wechsel auf Schnee.

Strebt am Sonntag in Davos einen Podestplatz an: Dario Cologna,

Strebt am Sonntag in Davos einen Podestplatz an: Dario Cologna,

Diesmal schmerzten beide Unterschenkel auch auf den Langlaufski. Der Bündner will die Verletzung nicht dramatisieren und betont, dass die Sehnen im Wettkampf durch das Adrenalin im Körper deutlich weniger schmerzen als im Training. Dort muss Cologna vorderhand auf Jogging und Sprünge verzichten.

Auch der Schweizer Olympiaarzt Patrik Noack will dieser Einschränkung nicht übermässig Gewicht geben. Es sei viel weniger gravierend als die Wadenverletzung der letzten beiden Winter. Noack ist sich sicher, dass Colognas Beschwerden bis zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang abgeklungen sind.

Nicht Colognas Lieblingsstrecke

Am gestrigen Medientreffen mit den Schweizer Langläufern waren sie auf jeden Fall noch ein zentrales Thema. Schliesslich reiste Dario Cologna nach dem Auftakt in Kuusamo nicht mit dem Weltcup-Tross weiter nach Lillehammer, sondern zurück an seinen Wohnort Davos. Mit der Heimloipe im Flüelatal pflegt er allerdings ein ambivalentes Verhältnis.

Lange wurde er mit der einzigartigen Topografie beim Davoser Weltcuprennen nicht warm. Der langgezogene Aufstieg und die nicht sehr steile Abfahrt, auf welcher man ständig arbeiten muss und es nicht laufen lassen kann, gehören nach wie vor nicht zu seinen Lieblingsstrecken.

Aber mit bislang drei zweiten Rängen hat der 31-Jährige nach harzigem Beginn bewiesen, dass er auch in Davos reüssieren kann. «Ich habe hier schon alles erlebt. Es fehlt eigentlich nur noch der Sieg», sagt Dario Cologna. Er fühlt sich in der Form, am Sonntag um diesen mitzulaufen.

Auch Nathalie von Siebenthal hat der doppelte Einfluss von Davoser Höhenlage und extrem kräftezehrender Flüelaloipe schon ausgebremst. Um zu reüssieren, muss sie gegen das eigene Naturell ankämpfen und das Rennen kontrolliert und dosiert beginnen. Dabei möchte sie ihrer Wesensart gehorchend am liebsten vom ersten Meter an auf Tutti gehen.

«Sobald ich im Rennmodus bin, will ich zu schnell zu viel.»

Nathalie von Siebenthal

«Sobald ich im Rennmodus bin, will ich zu schnell zu viel.»

Selbst wenn es wie bei Cologna letztlich die Beine sind, die nicht machen, was sie sollten, ist von Siebenthals wiederkehrendes Problem doch in erster Linie eine Kopfsache. Sie hat beim Saisonauftakt in Kuusamo einsehen müssen, dass ihre Schwäche in Klassikrennen mit Einzelstart noch nicht eliminiert ist.

«Sobald ich im Rennmodus bin, will ich zu schnell zu viel. Dann stehe ich nicht sauber auf dem Ski und verpuffe beim Laufen viel zu viel Kraft», sagt die 24-Jährige, der so mancher Szenekenner in diesem Winter eine nochmalige Steigerung zutraut.

Lösung noch nicht in Sicht

Während ihr Trainer Peter von Allmen glaubt, dass es eine Frage der Zeit ist, bis auch dieses Manko abgehakt werden kann, sieht von Siebenthal noch nicht unbedingt Land in Sicht. «Wenn ich wüsste, wie ich es besser machen könnte, dann hätte ich es schon lange korrigiert.»

So kommt es beiden Schweizer Teamleadern entgegen, dass die Wettkämpfe in Davos in der Skating-Technik ausgetragen werden. Für das heutige Sprintrennen haben sich Cologna und von Siebenthal hingegen unterschiedliche Strategien ausgesucht.

Dario Cologna

Dario Cologna

Während die Berner Oberländerin den Sprint trotz wenig Erfolgsaussichten als Einstieg in ihr Wochenendprogramm nutzt, verfolgt der dreifache Olympiasieger dieses Rennen in seiner Wohnung am Fernseher.

Kalte Temperaturen und trockene Luft sind Gift für sein Asthma. «Bisher darf ich zwar sehr zufrieden sein, aber ich will es nicht herausfordern», sagt Dario Cologna.