Ski Alpin
Daniel Albrecht wird nach viertem Nuller Europacup und FIS-Rennen fahren

Der Walliser Daniel Albrecht will zurück an die Weltspitze. Doch der Weg dahin ist schwierig. Nach dem vierten Nuller in Serie wird Albrecht wohl Europacup- und FIS-Rennen fahren.

Richard Hegglin, Alta Badia
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Hat sich Daniel Albrecht (hier beim ersten Weltcup-Riesenslalom in Sölden) aus dem Weltcup gebremst?

Hat sich Daniel Albrecht (hier beim ersten Weltcup-Riesenslalom in Sölden) aus dem Weltcup gebremst?

Keystone

Daniel Albrecht, auf einer ihrer Lieblingsstrecken schieden Sie schon vor der ersten Zwischenzeit aus, der vierte Nuller in Serie – woran fehlts?

Daniel Albrecht: Es ist schwierig zu erklären, warum es nicht geht. Im Training lief es mir gut. Was mir fehlt, sind das Renngefühl und die Renneinstellung. Daran muss ich noch viel arbeiten.

Wie macht man das?

Einfach Rennen um Rennen fahren. Doch im Weltcup wird es schwierig. Durch die Ausfälle geht die Sicherheit verloren. Am Start fehlt die Spannung, unterwegs die Lockerheit. Wenn dir während der Fahrt alles Mögliche durch den Kopf schiesst, kann es nicht funktionieren. Ich muss wieder ganz unten anfangen.

An Europacup- oder FIS-Rennen?

Letzte Saison schloss ich das aus, weil es keinen Sinn machte. Doch jetzt scheint es das Vernünftigste. Ich bin momentan zu weit weg von den Besten.

Dann wird man Sie am Riesenslalom in Adelboden im Januar nicht mehr sehen?

Ich habe mich noch nicht entschieden. Ich muss überlegen, wie es weitergehen soll. Es kann sein, dass man mich im Weltcup irgendwann wieder sieht. Ich komme zurück und werde vorne mitfahren. Die Frage ist nur, wann.

Auch der geplante Start in einer Abfahrt ist nun hinfällig?

Die einzige Möglichkeit wäre Bormio, weil dort einige auf den Start verzichten werden und es so freie Startplätze gibt. Sonst müsste ich mich qualifizieren – eine schwierige Situation.

Sie selbst wünschten, behandelt zu werden wie jeder andere Athlet.

Ich will keinen Startplatz beanspruchen, wenn drei, vier junge Fahrer schneller sind als ich. Ich brauche einfach noch Zeit und benötige noch länger Unterstützung, als aufgrund des Verletztenstatus auf dem Papier steht. Ich hatte ja auch keine normale Verletzung.

Wie kommen Sie mit dem neuen Material zurande – ein Wechsel, den fast niemand verstanden hat?

So etwas braucht immer viel Zeit und Geduld, auch bei Top-Athleten. Trotzdem war der Wechsel ein guter Entscheid. Es fehlt noch an der Feinabstimmung – aber vor allem im Kopf und am Selbstvertrauen.

Wie schaffen Sie das?

Wenn ich zurückblicke, was ich seit meinem Unfall schon alles erreicht habe, bin ich sehr zufrieden – es ist ja fast medaillenreif ... Doch im Sport zählt nur der Erfolg. Aber je schwieriger es ist – und es ist sehr, sehr schwierig –, umso stärker werde ich. Wir Walliser haben ja harte Schädel.

... und sture?

Eine gewisse Sturheit ist mir in die Wiege gelegt worden. Diese werde ich nicht mehr los.

Die Rennen in Lake Louise und Beaver Creek schlugen Ihnen gleichwohl aufs Gemüt.

Ich war «down» und am Überlegen. Was soll ich machen? Wie geht es weiter? Zum ersten Mal fiel ich in ein Loch. Ich ging davon aus, dass es mir schwerfällt, daraus herauszukommen. Es brauchte viel Kopfarbeit. Leute aus meinem Umfeld haben mich stark unterstützt. Ich war überrascht, wie zügig diese kritische Phase vorbeiging. Auch skifahrerisch machte ich einen weiteren Schritt vorwärts.

Was stimmt Sie so positiv?

Wenn ich die Videobilder sehe, wenn ich richtig überzeugt Ski fahre, dann sieht das gut aus. Ich bin sehr schnell, aber leider selten über einen ganzen Lauf. Mit mehr Selbstbewusstsein sollte auch das möglich sein. Wahrscheinlich brauchte ich fünf Jahre, um wieder dorthin zu kommen, wo ich einst war. Auch Stephan Eberharter war ja einst ganz unten und fünf Jahre später wieder ganz oben – ohne eine solche Verletzung. Bis jetzt stand man hinter mir. Ich hoffe, dass man das weiterhin tut.