Nach der verpassten Medaillenchance von Lara Gut sollen Didier Cuche und Co. im Super-G der Männer den WM-Bann brechen. Doch ausgerechnet Cuche meldet Bedenken an: «Im Super-G werden die Besten mit ihren hohen Startnummern bestraft.»

Der Neuenburger liefert den Beweis: «In den bisherigen fünf Rennen dieser Saison hat nur ein einziges Mal einer aus der Top-7-Gruppe den Sieg errungen – Michael Walchhofer in Val Gardena.» Sonst setzten sich immer «Aussenseiter» mit tiefen Nummern durch – Ivica Kostelic in Kitzbühel mit der 3, Georg Streitberger mit der 6, Tobias Grünenfelder mit der 8 und Hannes Reichelt mit der 10.

Walchhofer trug bei seinem Sieg die Nr. 21. Für Nicht-Skisport-Experten: Die besten sieben müssen mit den Startnummern 16 bis 22 antreten, wenn oft die Rennen schon
(vor-)entschieden sind. Das beginnt Cuche zu ärgern: «In der Formel 1 starten die Besten auch zuvorderst und müssen nicht mit einem Handicap antreten.»

Schon 2007 gab es Diskussionen in Garmisch

«Man versucht die ganze Saison, schnell zu fahren, und wird dann dafür bestraft», schimpft Cuche. «Andere lassen Rennen aus, damit sie in der Weltrangliste zurückfallen. Deshalb sollte man für eine WM eine Ausnahme-Regelung finden.» Der Sieg eines Favoriten sei zwar nicht ausgeschlossen, findet Cuche, «aber diese müssen eine derart gute Leistung bringen, wie sie fast nicht möglich ist».

Schon einmal löste Garmisch eine Startnummern-Diskussion aus. Es war im Frühling 2007, als Cuche sich mit Aksel Lund Svindal und Benjamin Raich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gesamtweltcup lieferte.

Zwei Abfahrten standen an. Cuche landete hoffnungslos im Hintertreffen und kam in seiner Paradedisziplin über den 20. Platz nicht hinaus – mit der Startnummer 30 war er chancenlos. Die Besten starteten damals in umgekehrter Reihenfolge mit der 30, 29, 28 etc.

Komplizierter Modus

Darauf änderte man ein weiteres Mal den Modus. In Absprache mit den Athleten und den Trainern kreierte man die jetzige Formel, in der die Fahrer der stärksten Gruppe zwischen 16 und 22 starten, jene der zweitbesten zwischen 8 und 15 und jene der drittbesten zwischen 1 und 7 sowie 23 bis 30 – kompliziert, aber fairer. Und doch nicht fair genug. «Ich will jetzt nicht weiter darüber reden», blockt Cuche ab. «Ich kanns ja an dieser WM nicht mehr ändern. Aber später muss man darauf zurückkommen.» Ganz zurück zur uralten Regelung, wonach die Besten am Anfang starten, will weder FIS noch das Fernsehen, weil sonst das Spannungsmoment verloren geht.

Cuche muss sich arrangieren – und tut es auch: «Meine Chancen stehen im Super-G genau so gut wie in der Abfahrt. Bisher ist mir noch kein Rennen ohne Fehler gelungen, trotzdem war ich meistens vorne dabei. Es wird ein enger, harter Kampf um die Medaillen geben.»

In Val d’Isère wurde Cuche ältester Super-G-Weltmeister der Ski-Geschichte. Und in Garmisch? «...bin ich nochmals zwei Jahre älter», flachst der 36-Jährige. Und weist darauf hin, dass er auf der Kreuzeck-Piste schon oft gut gefahren ist. Schon 21-mal trat er hier an, sechsmal stand er auf dem Podest, je dreimal in Abfahrt und Super-G und einmal als Sieger.

Ein Sieger, der nicht hadert

Nach jenem Cuche-Sieg 2004 dauerte es über 1000 Tage, ehe wieder mal ein Schweizer ein Weltcup-Rennen gewann – Marc Berthod bei seinem historischen Triumph mit der Startnummer 60 in Adelboden!

Einer, der nicht mit der Startnummer-Regelung hadert, ist Tobias Grünenfelder, der einzige Schweizer Super-G-Sieger in diesem Winter.

Der Glarner schaffte in Garmisch die beiden ersten Podestplätze seiner Karriere – beide Male mit tiefen Nummern. Und jetzt ist er ausgerechnet in Hinterstoder mit seiner missglückten WM-Hauptprobe aus der ersten Gruppe gefallen – und kann deshalb wieder mit einer tiefen Nummer starten.