Langlauf
Colognas Geheimnis: Davoser Sonne statt WM-Rummel

Dario Cologna eröffnet heute seine Jagd nach WM-Medaillen in der erklärten Paradedisziplin Skiathlon. Nach dem krankheitsbedingten Aus von Weltcupleader Martin Johnsrud Sundby werden die Karten neu gemischt.

Johannes Kaufmann, Falun
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Dario Cologna ist bereit für neue Grosstaten.

Dario Cologna ist bereit für neue Grosstaten.

KEYSTONE

Bewusst spät ist Dario Cologna am Donnerstag im WM-Ort eingetroffen. Nach dem WeltcupWochenende in Östersund wählte er statt der direkten Weiterreise ins ebenfalls in Schweden gelegene Falun lieber einen viertägigen Kurztrip heim nach Davos. «Ich ersparte mir dadurch eine fünfstündige Busfahrt und genoss drei Tage Sonne», sagt Cologna zum auf den ersten Blick überraschenden Schritt, der indes bei weiterer Betrachtung durchaus Sinn ergibt.

Die Schweizer Langläuferinnen und Langläufer logieren in Falun direkt neben dem Zielraum. Es ist unmöglich, sich dem WM-Rummel zu entziehen. Folgerichtig droht bei einem Aufenthalt von zwei Wochen zwangsläufig der Lagerkoller. Dem trug Dario Cologna Rechnung. Er will bis zum Schlusstag, wenn über die «Königsdisziplin» 50 Kilometer die Medaillen verteilt werden, seine Form konservieren. Auch der zweite Schweizer im heutigen Skiathlon, Jonas Baumann, wählte die Variante Cologna. Der 24-Jährige kehrte ebenfalls temporär nach Davos zurück.

Strecke wurde entschärft

Falun ist erfolgreiches Terrain für Dario Cologna. «Dieser Ort war meistens gut für mich», sagt er. Hier vollendete er an den Weltcup-Finals 2009, 2011 und 2012 seine drei Gesamtsiege. «Und vor allem der erste Sieg ist noch sehr präsent», erinnert sich der 28Jährige. Er geriet damals in einem epischen Duell mit dem Dauerrivalen Petter Northug vermeintlich aussichtslos ins Hintertreffen, ehe Cologna das Blatt in extremis noch wenden konnte. 2013 schaffte der Norweger Northug die späte Revanche.

Trotzdem herrscht nicht nur eitel Sonnenschein im Cologna-Lager vor dem heutigen WM-Beginn in der Paradedisziplin Skiathlon (14.30 Uhr). Ein Stimmungsdämpfer ist die auf das letzte Jahr – Cologna war nicht am Start – eingeführte Streckenänderung. Der berüchtigte «Mördarbacken», die brutalste Steigung, wurde durch eine Neuanlegung des Parcours entscheidend entschärft.

«Es ist kein Geheimnis», erläutert Dario Cologna, «dass ich lieber auf der alten Strecke gelaufen wäre.» Der Hintergrund: Cologna pflegte im Skiathlon in der jüngeren Vergangenheit mit einer Tempoverschärfung in einem möglichst steilen Anstieg kurz vor dem Ziel eine Selektion herbeizuführen. Das war beim WM-Sieg 2013 in Val di Fiemme ebenso wie an den Olympischen Winterspielen in Sotschi vor Jahresfrist, als bloss der Schwede Marcus Hellner mithielt. Diese Taktik wird in Falun heute aber nicht funktionieren. Der «Mördarbacken» ist zu weit weg vom Ziel. Der Blick in die Statistik macht Cologna indes Mut: In den letzten sechs Skiathlons war er immer zumindest Zweiter.

Northug rückt in den Fokus

Die Nachricht des Tages kam gestern vom norwegischen Team. Es wurde bekannt gegeben, dass der souveräne Führende im Gesamtweltcup, Martin Johnsrud Sundby, krankheitsbedingt nicht starten kann. Der 30-Jährige leidet an einer Atemweginfektion. Es ist unklar, ob und wann er ins WM-Geschehen eingreifen kann. Der grundsolide Arbeiter Johnsrud Sundby, keiner trainiert mehr als er, war im Vorjahr Skiathlon-Dritter in Sotschi und vor zwei Jahren in Val di Fiemme Skiathlon-Zweiter direkt hinter Cologna.

Auf einen Titel an grossen Meisterschaften wird Johnsrud Sundby somit weiterhin warten müssen. Das Forfait des Weltcupführenden wird nicht ohne Auswirkungen auf den Rennverlauf bleiben. Dario Cologna verliert auf dem Weg zu einer weiteren Medaille zwar einen seiner härtesten Konkurrenten, aber eben auch den Garanten für ein schwieriges Rennen. Sowohl Johnsrud Sundby als auch Cologna verfügen nicht über die Endschnelligkeit von Petter Northug.

Der 29-jährige Norweger rückt nun plötzlich noch mehr in den Fokus, erst recht nach dem Sprinttriumph am Donnerstag. Im norwegischen Team gibt es nur noch einen Teamleader. «Northug ist in Form, das ist kein Geheimnis», sagt Cologna. Er ist gewappnet für ein weiteres Duell gegen den Dauerrivalen.

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