Langlauf

Cologna verpasst seine zweite Chance auf eine Medaille

Der Schweizer Olympiasieger kommt im 30-km-Rennen nicht über Rang 24 hinaus und verpasst damit auch seine zweite Chance auf eine Medaille. Die nächste Chance, Petter Northug zu schlagen, bietet sich am Dienstag.

Im langen Aufstieg gut zwei Kilometer vor dem Ziel hatte Dario Cologna seinen Angriff auf eine WM-Medaille lancieren wollen. Eine Vorentscheidung im Massenstartrennen über 30 Kilometer in gemischter Technik fiel an jener Stelle tatsächlich, eine allerdings, die dem Plan des Schweizer Olympiasiegers exakt entgegenlief: Das Tempo in der Spitzengruppe erhöhten andere, Cologna konnte nicht mitziehen und verlor Position um Position.

Dass er dann im steilsten Abschnitt auch noch für einen Moment die Balance verlor und fast stehen blieb, besiegelte sein Schicksal in diesem Rennen definitiv. Ohne am Ende noch alles zu geben, beendete er den Wettkampf auf Rang 24.

Am Ende fehlte die Kraft

«Ich bin enttäuscht, dass es für mich wieder nicht aufgegangen ist», sagte Cologna, der bereits mit Rang 9 im Sprint vom Donnerstag unter seinen Erwartungen geblieben war. Gestern schien der Bündner das Geschehen zwar 27 Kilometer lang unter Kontrolle zu haben, doch im entscheidenden Augenblick war er chancenlos. «Auf der letzten Runde hat mir die Kraft in den Beinen gefehlt.»

Dies hätte sich wohl auch durch eine andere Skiwahl nicht vermeiden lassen, obwohl Cologna auf dem Skating-Abschnitt den Eindruck hatte, nicht das beste Material an den Füssen zu haben. «Dario war heute einfach nicht stark genug», stellte Coach Fredrik Aukland fest.

Auf der Klassisch-Strecke hielt sich Cologna stets an einer der vordersten Positionen auf. Auch nach dem Skiwechsel bei 15 Kilometern spielte er eine aktive Rolle und führte den Hauptharst längere Zeit an, als der später wieder eingeholte Kanadier Alex Harvey nach einer Attacke zeitweise bis zu 15 Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz aufwies.

Northugs souveräne Show

Der grösste Auftritt an diesem sonnigen Wintertag gehörte aber einem anderen: Petter Northug. Der 25-jährige Topfavorit tat vor rund 50000 Zuschauern am Holmenkollen das, was nicht nur er selbst, sondern ganz Norwegen von ihm erwartet hatte: Er holte die Goldmedaille.

Pünktlich zur finalen Einfahrt ins Stadion lief Northug an die Spitze. Im letzten kurzen Aufstieg rund 400 Meter vor dem Ziel setzte er zu seinem gefürchteten Finish an und bog mit einigen Metern Vorsprung in die Zielgerade ein. Silber und Bronze gingen an die Russen Maxim Wylegschanin und Ilja Tschernusow.

«Dieses Rennen war seit einem Jahr in meinem Kopf», sagte Northug. «Innerlich bin ich es schon oft gelaufen.» Nachdem er im Sprintwettkampf dem Schweden Marcus Hellner hatte den Vortritt lassen müssen, sollte ihm dies nicht mehr passieren. An jene Niederlage erinnerte er sich wieder, als er den letztlich sechstklassierten Hellner bei der Rückkehr ins Stadion einige hundert Meter vor dem Ziel neben sich sah. «Ich wollte mich nicht noch einmal von einem Schweden schlagen lassen, das wäre etwas peinlich gewesen vor dem ganzen Heimpublikum.»

Zuvor war er in gewohnter Manier unauffällig im Feld mitgelaufen. Einzig bei den Passagen im Stadion war er zur Freude der Zuschauer mehrmals an die Spitze vorgerückt. «Das war wegen meines Vaters», sagte Northug hinterher. «Er macht sich immer Sorgen, wenn ich zu weit hinten laufe.» Auch so war die Anspannung bei Vater und Manager John Northug nicht zu übersehen. Ein Jubelschrei der Erleichterung entfuhr ihm, als er von seinem Sohn erlöst wurde.

Es wäre keine Überraschung, bekäme er in den nächsten Tagen nochmals Gelegenheit zum Jubel. Petter Northug, der vom Verbandssponsor wie schon Marit Björgen bei ihren Siegen im Ziel gleich in eine goldene Jacke gekleidet wurde, kündigte gleich an, er wolle am Dienstag im 15-km-Rennen mit Einzelstart in klassischer Technik erneut antreten. Ob ihn der Verband starten lässt oder für die weiteren Einsätze schont, wird heute entschieden. «Ich werde mir Mühe geben, heute Abend möglichst frisch auszusehen», scherzte Northug, der bei der Teampräsentation am Samstagmorgen noch ziemlich verschlafen gewirkt hatte.

Colognas zwei restliche Chancen

Nach wie vor gewillt, Northug am Siegen zu hindern, ist allerdings Dario Cologna. «Er machte mir unterwegs nicht den stärksten Eindruck», sagte er. «Ich glaube, er wäre heute zu schlagen gewesen.» Die nächste Chance zur Revanche dürfte sich dem Weltcupleader am Dienstag bieten, da kaum anzunehmen ist, dass Northug nicht aufgeboten wird. Und die offene Rechnung im unmittelbaren Kampf Mann gegen Mann will Cologna zum WM-Abschluss im Skatingrennen über 50 km am Sonntag begleichen. «Dann mache ich es», verspricht er mit einem leicht ironischen Unterton.

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