Die Super-Kombination fristet im Ski-Weltcup ein Schattendasein. Gerade auch von Carlo Janka ist bekannt, dass er kein Fan dieser Disziplin ist, die er in der jetzigen Form als überflüssig abstempelt. Seine Meinung änderte der 28-jährige Bündner auch gestern nach dem Sieg nicht: "Diese Disziplin befindet sich mit nur zwei Rennen pro Winter zwischen Stuhl und Bank. Entweder wertet man die Kombination auf, indem man mehr Rennen veranstaltet, oder sonst sollte man damit aufhören."

Janka findet die Super-Kombination "nicht sehr attraktiv, denn normalerweise schauen die Abfahrer - mich eingeschlossen - im Slalom nicht wirklich gut aus". Vielleicht normalerweise nicht, doch bewies Janka auch im Slalom erstaunliche Fähigkeiten. Auf einen "Stangenkünstler" wie beispielsweise Alexis Pinturault verlor der ehemalige Gesamtweltcupsieger (2010) sowie Riesenslalom-Olympiasieger und -Weltmeister nur 0,86 Sekunden.

Die Basis zum Sieg legte Janka jedoch mit einer Glanzleistung in der Abfahrt. Er rief sich damit auch für den Lauberhorn-Klassiker am Sonntag (Start 13.00 Uhr) nochmals deutlich als Favorit in Erinnerung. Gleiches tat allerdings auch der österreichische Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer, der in der verkürzten Kombi-Abfahrt mit Start beim Hundschopf nur elf Hundertstel auf Janka einbüsste. Zu beachten gilt es auch Kjetil Jansrud, der als Abfahrtsdritter im Kombi-Slalom ausschied.

Durststrecke beendet

Janka feierte in Wengen seinen zehnten Weltcupsieg, den ersten seit dem 5. März 2011. Damals hatte er wenige Tage nach einem operativen Eingriff am Herzen den Riesenslalom von Kranjska Gora gewonnen. "Die vergangenen vier Jahre waren nicht immer einfach, darum geniesse ich nun den Moment umso mehr", sagte der Bündner. Als schwierigste Momente während der Durststrecke nannte er das Verpassen einer Abfahrtsmedaille in Sotschi sowie die fast acht Sekunden Rückstand nach dem ersten Riesenslalom-Lauf in Alta Badia Mitte Dezember 2012.

In der Disziplin Super-Kombination ist es für Janka der dritte Triumph. 2009 hatte er in Beaver Creek sowie schon einmal in Wengen gewonnen. Dazu gewann er im Berner Oberland auch schon einmal den Abfahrtsklassiker (2010). Deshalb erstaunt nicht, wenn Janka sagt: "Wengen ist ein magischer Ort für mich. Hier hat es von Anfang an gepasst." Weshalb das so sei, wisse er allerdings nicht.

Erster Sieg unter Stauffer

Dank dem Heimtriumph geht eine Phase von fast einem Jahr ohne Weltcupsieg der Schweizer Männer zu Ende. Zugleich war es auch der erste Triumph mit dem Berner Oberländer Thomas Stauffer als Cheftrainer. Letzter Swiss-Ski-Sieger vor Janka war Didier Défago am 24. Januar 2014 beim Super-G in Kitzbühel gewesen. Der zuvor einzige Podestplatz im WM-Winter war auf das Konto von Beat Feuz gegangen, der Anfang Dezember in der Abfahrt von Beaver Creek Zweiter geworden war. Ansonsten gab es in nun 18 Saisonrennen keine einzige weitere Top-5-Klassierung.

Viletta nur 21.

Olympiasieger Sandro Viletta erreichte im ersten Rennen in dieser Disziplin seit den Winterspielen in Sotschi nur den 21. Rang. Der 28-jährige Bündner kämpft wieder mit Rückenproblemen, weshalb er am Donnerstag zur Schonung auf das zweite Abfahrtstraining verzichtet hatte. Viletta, der schon in der Abfahrt über zwei Sekunden verloren hatte, fiel im Slalom noch um fünf Positionen zurück. "Das ist nicht das, was ich mir erhofft habe. Schade halt, dass ich seit ein paar Wochen wieder diese Probleme mit dem Rücken habe. Das macht es schwierig", so ein enttäuschter Viletta.

Viel besserer Laune war mit Mauro Caviezel ein anderer Bündner. Der 26-Jährige hatte am Morgen als Siebenter eine sehr erfreuliche Leistung gezeigt. Seine gute Position, die ihm das Ticket zur WM in Beaver Creek einbringt, konnte er im Slalom behaupten. "Vorher stand ich auch in Bezug auf die WM-Qualifikation noch nirgends, nun sieht es doch ganz anders aus", freute sich Caviezel. Im Weltcup realisierte er sein zweitbestes Resultat nach Platz 5 vor Jahresfrist in der Kitzbüheler Kombination. Caviezel strich auch heraus, dass Jankas Sieg "uns allen und auch der Skination Schweiz gut tut".

Kostelic zurück in Top 3

Neben Janka, der im Weltcup auf 21 Top-3-Plätze kommt, stieg mit dem zweitklassierten Franzosen Victor Muffat-Jeandet ein Fahrer erstmals aufs Podest. Der 25-Jährige kommt von der technischen Seite her. Muffat-Jeandet, nach der Abfahrt nur 28., fuhr im Slalom überlegene Laufbestzeit.

Sichtlich bewegt war auch Ivica Kostelic. Wie Janka bezeichnete der seit längerem mit körperlichen Problemen kämpfende Kroate Wengen als für ihn "magischen Ort". Hier sei er, rechnete Kostelic gleich selber vor, schon 13 Mal auf dem Podest gestanden. "Dieser dritte Platz ist für mich wie ein Sieg. Während eineinhalb Jahren bin ich ohne Top-3-Platzierung geblieben", sagte der fünfmalige Wengen-Sieger (dreimal Slalom, zweimal Superkombi).

Wengen (Sz). Weltcup-Kombination der Männer: 1. Carlo Janka (Sz) 2:29,31. 2. Victor Muffat Jeandet (Fr) 1,31 zurück. 3. Ivica Kostelic (Kro) 1,38. 4. Matthias Mayer (Ö) 1,43. 5. Ted Ligety (USA) 1,64. 6. Natko Zrncic-Dim (Kro) 1,69. 7. Mauro Caviezel (Sz) 1,99. Ferner: 14. Silvan Zurbriggen (Sz) 3,03. 18. Beat Feuz (Sz) 3,65. 21. Sandro Viletta (Sz) 3,74. - Ausgeschieden: Ralph Weber (Sz) und Marc Gisin (Sz).