Kaum einer kennt den nordischen Sport aus derart verschiedenen Perspektiven wie der Bündner. Als ehemaliger Langläufer mit der Olympiateilnahme 1994 in Lillehammer, als langjähriger FIS-Renndirektor, als Initiator der Tour de Ski und seit einigen Jahren als Führungsperson im Marketing des internationalen Ski-Verbandes (FIS) weiss der 53-Jährige, was sein Produkt stark macht.

"Ich denke, Seefeld ist ein nordisches Mekka, die leben auch touristisch vom Sport. Mit allen Investition, die sie gemacht haben, da ist ein langfristiger Gedanke dabei, um sich noch stärker zu positionieren. Wir werden danach sagen können, dass es eine gute WM war, davon bin ich überzeugt", betonte Capol im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Durch die Nähe zu Deutschland, vielen Fans aus Polen und Skandinavien sei ein Ansturm zu erwarten. "Seefeld hat auch in Skandinavien einen Namen", betonte Capol.

Die WM als Ganzes sei nach wie vor ein Erfolgsprodukt. "Der nordische Sport lebt. Ich denke, der Event als solches über zwölf Tage funktioniert immer noch. Das hat man auch bei den letzten Austragungen gesehen, die Gesamtzuschauerzahlen sind gleich wie bei den Alpinen, nur in anderen Ländern."

Die FIS selbst könne natürlich noch einiges verbessern. Denn der Langlauf habe beispielsweise das Problem, dass zwar immer mehr Leute den Sport betreiben, das TV-Produkt damit aber nicht immer mithalten kann. "Langlauf machen heute viel mehr als vor 25 Jahren, aber man guckt es nicht so häufig. Es ist ein bisschen wie Marathonlaufen. Viele joggen, schauen aber nicht zu." Zur Verbesserung brauche insbesondere die Tour de Ski, das Premium-Produkt im Weltcup, nach 13 Jahren "ein bisschen einen Farbtupfer", sagte Capol.

City-Events oder mehr Rennen von einem Ort zum anderen wären gute Möglichkeiten. "Österreich würde mit Seefeld oder Ramsau gut zur Tour passen, auch logistisch", sagte Capol. Denkbar wäre etwa eine grosse Runde auf dem Seefelder Plateau. Olympia- oder WM Medaillen für Österreich könnten sich, wie Capol am Beispiel der Schweiz erläutert, auch auf lange Sicht positiv auswirken. "Bei uns ist der Sport dank Dario Cologna in aller Munde."

Das Skispringen hält Capol aus Marketing-Sicht für besonders gut aufgestellt. "Das Produkt ist am weitesten entwickelt, es ist ein Stadionsport." Der Ablauf habe sich standardisiert. "Die Wind- und Gate-Regeln helfen, den Wettkampf in einer gewissen Zeitspanne abzuwickeln. Das macht es planbar, vor allem aus Fernsehsicht. Vom Aufbau her mit dem Countdown bis zum Besten, das ist sicher das, was den Leuten gefällt." Die gute Stellung im wichtigen Markt Deutschland und in Polen helfe natürlich. "Skispringen lebt stark von den zwei Ländern, aber es gibt auch neue Nationen unter den ersten 30. Und der Kalender ist sehr international".

Die Kombination sei hingegen so etwas wie das Sorgenkind. "Es wäre utopisch zu sagen, dass sie in vielen Ländern gross wird. Das ist nicht realistisch. Der Sport hat eine gewisse Grösse in gewissen Nationen, entwickelt sich und wird auch gefördert", erläuterte der Bündner mit dem Hinweis auf zuletzt vier Millionen TV-Zuschauer in Deutschland. Die Anforderungen an die Kombi-Athleten mit zwei verschiedenen Disziplinen sei enorm, aber die Vermarktungsmöglichkeiten eben auch beschränkt. Das entscheidende Langlaufrennen mit nur 30 Minuten könne man aber stets gut "in ein Wintersportwochenende einbauen", sagte Capol.