Ski alpin

Bronze im Super-G: Corinne Suters Zweifel sind weg

Corinne Suter lanciert mit ihrer Bronzemedaille die WM für das Schweizer Team.

Für Corinne Suter wird der Traum von der WM-Medaille wahr: Sie gewinnt bei den Weltmeisterschaften in Schweden Bronze im Super-G.

Auf dem Weg zur Medaille gab es einige Turbulenzen für die Schwyzerin. Doch sie hat gelernt, damit umzugehen. Denn Corinne Suter kann vieles aushalten. Das ist nicht zuletzt ihrer Familienkonstellation geschuldet. Sie hat drei Brüder, zwei sind älter, einer jünger.

In ihrer Kindheit war das Programm an Mittwochnachmittagen und an Wochenenden gesetzt. Die Geschwister gingen Skifahren in die Ibergeregg, das Skigebiet liegt unweit von ihrem Wohnort Schwyz. Die Jungs waren stärker, schneller und fuhren ihr davon. Aber das kümmerte sie nicht, sie nahm den Wettkampf an. «Für mich zählte nur, möglichst schnell hinterherzufahren», sagte sie kürzlich. «Ich glaube, meine Brüder haben viel damit zu tun, dass ich eine Skikarriere machen kann.»

Der Griff zur Brechstange

Suter war nicht nur auf dem Schnee talentiert. Leichtathletik und Reiten begeisterten sie ebenso. In der Oberstufe entschied sie dann, sich aufs Skifahren zu fokussieren. Sie startete mit dem Ziel in die Karriere, eines Tages Olympia- oder WM-Medaillen zu gewinnen, so wie sich dies viele Athleten wünschen. Am 5. Februar 2019 ist der Traum von Corinne Suter zur Realität geworden. Sie wird Dritte im Super-G an der WM in Åre, mit 24 Jahren.

Auf direktem Weg hat sie ihr Ziel nicht erreicht. Ihre Laufbahn ist geprägt von Zweifeln. Schlechte Rennen beschäftigten sie länger als nötig. Im Dezember 2016 belegte sie in der Abfahrt von Lake Louise den vierten Platz, danach folgte eine Schaffenskrise. Mehrmals war zu hören, sie gehe zu hart mit sich ins Gericht. Da der Kopf nicht frei war, kam der Griff zur Brechstange, vieles wollte sie erzwingen. Suter kam in einen Teufelskreis, sie hatte noch weniger Erfolgserlebnisse, suchte noch intensiver nach Ursachen.

WM-Limite im letzten Moment

Nach dem WM-Super-G wird sie an der Pressekonferenz nach ihren Emotionen gefragt. Kurz vorher weinte sie an der Zeremonie im Zielraum und beim TV-Interview. Suter sitzt auf einem Podium, die Tränen kommen wieder. Später sagt sie: «Ich hatte viermal so viel Tränen der Enttäuschung als Tränen der Freude in meiner Laufbahn.»

Aber eben, Suter kann vieles aushalten. Auch körperlich. Im letzten Sommer hatte sie einen Bluterguss an der Zehe. Eine ungeschickte Selbstbehandlung führte zur Infektion. Die Schmerzen wanderten hoch zum Unterschenkel. Nachdem sie einem Trainer ein Bild des Fusses schickte, reagierte dessen Frau, eine Ärztin. Sie schickte Suter umgehend in die Notfall-Aufnahme. Es war eine Blutvergiftung, die schwerste Konsequenz wäre eine Amputation des Fusses gewesen.

Suter musste auf dem Weg zur WM-Medaille im Super-G viele Turbulenzen überstehen. Vor zehn Tagen hatte sie die Selektionsvorgaben des Skiverbands in dieser Disziplin noch gar nicht erfüllt. Am Weltcup von Garmisch änderte sich das. Sie erreichte den sechsten Platz. Nur hatten zu diesem Zeitpunkt fünf andere Fahrerinnen die Qualifikation bereits geschafft. Alle konnten nicht starten, nur vier Plätze gibt es. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Michelle Gisin und der Nicht-Nomination von Joana Hählen war der Weg frei für Suter.

Das leidige Hundertstelpech

Nachdem sie mit der zweitbesten Zeit über die Ziellinie in Åre fuhr, standen noch einige Medaillenkandidaten oben. Sie traute sich nicht, hinzusehen bei den Fahrten der folgenden Konkurrentinnen. Doch am Ende fuhr nur noch Mikaela Shiffrin schneller und an die Ranglistenspitze. Zittern musste Suter schliesslich noch bei Viktoria Rebensburg. Die Deutsche verfehlte das Podest nur um zwei Hundertstel.

Das Hundertstelpech ist Suter nicht fremd. In Cortina fehlte ein einziger Hundertstel für ihren allerersten Podestplatz im Weltcup. Früher hätte sie gehadert, diesmal hakte sie das Resultat zügig ab. Sie hat neue Strategien gefunden, kommuniziert mehr mit den Betreuern und lässt sich nicht mehr nervös machen, wenn es mal nicht nach Wunsch läuft. Ihre Formkurve stieg, je näher die WM kam. Die Medaille zum Auftakt könnte nochmals einen Schub geben für die Abfahrt am Sonntag. Sie sagte nach dem Super-G: «Ich habe mir eigentlich grössere Chancen für die Abfahrt ausgerechnet.»

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