Ski alpin
Beat Feuz: «Manchmal strahlt der Schmerz bis in den Kopf»

Der 26-Jährige ist nach seinem Comeback trotzdem schon weiter, als alle gedacht hätten. Nach insgesamt elf Knieoperationen schaffte er es im Super G von Beaver Creek auf Rang 14. Doch Feuz will mehr.

Martin Probst, Beaver Creek
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Die Karriere von Beat Feuz
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Beat Feuz im Sommertraining. Die grosse Frage damals: Hält das lädierte Knie. Die Antwort lieferte der Berner Oberländer letztes Wochenende auf der Skipiste: Es hält.
Beat Feuz und Trainer Sepp Brunner auf dem Lift auf dem Tuxergletscher in Hintertux im Zillertal.
Als Sieger im Ziel: Beat Feuz 2012 am Lauberhorn.
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Beat Feuz: Erster Weltcupsieg!

Die Karriere von Beat Feuz

Beat Feuz geht zum Lachen nicht in den Keller. Stattdessen betritt er gut gelaunt die prunkvolle Lobby des Hotels St. James Place, in dem die Schweizer während der Rennwoche in Beaver Creek untergebracht sind.

Der eingangs erwähnte Satz stammt vom Schweizer Cheftrainer Walter Hlebayna und bringt ziemlich gut auf den Punkt, wie wichtig Feuz für das Schweizer Team ist. «Beat kann mit seiner offenen Art und seiner guten Laune alle mitreissen», sagt der Chef. Gerade in Zeiten, wo die Erfolge im Männerteam rar gesät sind, ist das wichtig.

Dass Feuz wieder Bestandteil des Schweizer Weltcup-Teams ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Insgesamt elfmal wurde sein linkes Knie schon operiert. Die ganze letzte Saison verpasste er. Und als dann auch noch Blutungen auftraten, und sich eine starke Entzündung bildete, war gar von einer drohenden Amputation die Rede. «Vor einem Jahr durchlebte ich die schlimmste Zeit in meinem Leben. Alle, die mich damals gesehen und erlebt haben, können nicht glauben, wie weit ich schon wieder bin», sagt der 26-Jährige.

Den Mut fast verloren

Wo er schon wieder ist, bewies er am letzten Wochenende: Im Super-G von Lake Louise fuhr der Berner auf Rang 14. «Das war sogar für mich ein halbes Wunder», erzählt er. Mit der Abfahrt hingegen (Rang 30 im Comeback-Rennen) war er nicht zufrieden. «Ich weiss, dass ich viel besser Ski fahren kann. Verletzung hin oder her: So ein Resultat gibt mir kein Glücksgefühl.»

Auf dem Erreichten ausruhen will sich Feuz nicht. Es ist dieser Ehrgeiz, den es braucht, um wieder Erfolge zu erzielen – und es war auch dieser Ehrgeiz, der ihn antrieb, als in der Vorbereitung sein Knie so fest schmerzte, dass er den Mut beinahe verloren hätte.

Die Chancen, dass Feuz nie wieder Spitzensport betreiben kann, waren damals grösser als die Aussichten auf ein Comeback. Keiner seiner Ärzte wagte eine Prognose. «Viele haben es mir nicht zugetraut, und manchmal nicht einmal ich mir selbst», sagt er. Doch er hat es geschafft. Mit grossem Willen und der Hilfe vieler.

Herausheben möchte Feuz seine Freundin Katrin Triendl. Die Österreicherin macht eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und kümmert sich intensiv um ihn. «Sie wird die Lehre jetzt bestimmt mit der Bestnote abschliessen. Ein schlimmeres Knie als meines gibt es nicht», sagt Feuz und lacht.

Eine Schlüsselrolle auf dem Weg zurück nahm auch Sepp Brunner ein. Der Trainer war in der Vorbereitung nur für ihn zuständig. «Das hat es gebraucht. Das Training mit dem Team wäre mir zu viel geworden.» Der fünffache Weltcupsieger konnte manchmal gar nicht trainieren, manchmal nur eine Fahrt machen. «Sepp liess mir Zeit. Er liess mich entscheiden, was möglich ist.»

Das Lachen nie verloren

Beat Feuz sitzt da und erzählt von der schwierigen Zeit, im Hintergrund brennt ein Feuer im Kamin. Wärme hilft – im Training und im Rennen trägt er ein Wärmepflaster auf dem verletzten Knie. Doch schmerzfrei ist er auch heute nicht. «Und das werde ich wohl auch nie wieder sein», sagt er – ohne Groll.

Ganz besonders schlimm sind die Schmerzen nach intensiven Fahrten auf der Piste. Dann verkrampft sich das ganze Bein. «Manchmal strahlt der Schmerz bis hinauf in den Kopf aus», sagt Feuz. «Doch in der Abfahrt muss man den Kopf ja nicht drehen, sondern nur nach unten halten.» Wie gesagt: Der 26-Jährige lacht gern – auch über sich selbst.

In solchen Momenten hilft wenig. Feuz nimmt entzündungshemmende Medikamente, um das Risiko eines Rückfalls einzudämmen. Und er geht in die Physiotherapie. Dann werden seine Muskeln, die noch nicht wieder so ausgeprägt sind wie vor der Verletzung, durchgeknetet. «Mit Gefühl geht das nicht. Da muss man richtig zupacken.»

Für die Rennen im Beaver Creek hat er vor allem ein Ziel: «Ich will das Verhalten meines Knies noch besser kennen lernen.» Von einem Podestplatz will er noch nichts wissen, auch wenn das langfristig sein Ziel ist. Vorerst will er auf den Leistungen des Super-G von Lake Louise aufbauen. Er ist schon weiter, als alle gedacht haben. Hut ab.