Minusgrade

Aufgetaut in 89 Sekunden

An der Ski-WM in Åre herrschen eisige Temperaturen.

Sekunden-Suppe und Hotdogs en Masse: Geschichten und Erlebnisse rund um die Ski-WM in Åre.

Das Schild am Strassenrand verspricht: WM-Suppe, zubereitet in 89 Sekunden. Genaue Angaben sind den Menschen in Åre offenbar wichtig. 20 Meter weiter der Strasse entlang gibt es Kaffee in 20 Sekunden. Angesichts der eisigen Temperaturen sind diese Angaben aber in der Tat ein triftiges Verkaufsargument. Quasi Marketing bei Minusgraden. Wer kurz vor dem Erfrierungstod steht, will schliesslich wissen, wie schnell er aufgetaut wird. Warme Suppe in
89 Sekunden. Wunderbar. Warmer Kaffee in 20 Sekunden. Noch besser.

Wir Journalisten müssen aber nicht am Strassenrand essen. Im Medienzelt direkt im Zielraum gibt es täglich ab 14 Uhr Hotdogs. Jeden Tag. Nach dem Motto: Wer braucht schon Abwechslung, die Athleten fahren schliesslich auch jeden Tag Ski. Ein kleiner Planungsfehler ist den Organisatoren aber unterlaufen. Bereits zu Beginn der WM sitzen wir Schreiberlinge so eng aufeinander, dass, wären wir Tiere, es gegen das Batteriehaltungsverbot verstossen würde.

Kaum vorzustellen, wie es ist, wenn wir nach zwei Wochen mit Hotdogs als Hauptmahlzeit aussehen wie gewisse Amerikaner am All-you-can-eat-Buffet. Vielleicht sollten wir vorsorglich bereits den «WWF», «Vier Pfoten» und «PETA» informieren.

Aber es besteht kaum Hoffnung für uns. Der Schweizer Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS, Gian Franco Kasper, hat ja seine eigenen Ansichten zum Weltgeschehen. Genau wie der Klimawandel ist auch die Tier- beziehungsweise Journalistenmast nur eine Erfindung jammernder Menschen. Vielleicht sollten wir doch die Suppe nehmen. 89 Sekunden für die Gesundheit. Das sollte drinliegen.

Meistgesehen

Artboard 1