Langlauf
Auf der Überholspur: Nathalie von Siebenthal arbeitet sich nach vorne

Nathalie von Siebenthal arbeitet sich an der Tour de Ski kontinuierlich nach vorne. In der vierten Etappe der Tour de Ski macht die Berner Oberländerin drei Ränge gut. Dario Cologna läuft die bessere Zeit als Johnsrud Sundby, bleibt aber trotzdem 40 Sekunden hinter dem Weltcupführenden.

Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen
Langlauf: von Siebenthal und Cologna verbessern sich
5 Bilder
Seit Silvester hat sie sich von Platz 26 kontinuierlich nach vorne gearbeitet. Nun ist die Berner Oberländerin auf Platz 7.
Sie ist auf guten Wege ihr Bestresultat vom letzten Jahr (15.) zu verbessern und als erste Schweizerin an der Tour in die Top 10 zu laufen.
Ihr primäres Ziel sei es, den derzeitigen Rang zu verteidigen.
Dario Cologna war schneller als der Weltcupführende Johnsrud Sundby, bleibt aber immernoch 40 Sekunden hinter ihm.

Langlauf: von Siebenthal und Cologna verbessern sich

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Nathalie von Siebenthal erinnert an einen VW Käfer. Zwar weniger Hubraum als andere Modelle, aber sie läuft und läuft und läuft. In der vierten Etappe der Tour de Ski, dem Verfolgungsrennen über 10 km in der freien Technik, macht die zierliche Berner Oberländerin erneut drei Ränge gut.

Seit sie an Silvester mit einem 26. Platz in der Sprint-Qualifikation überraschend stark in das Mehretappenrennen gestartet ist, arbeitet sich von Siebenthal kontinuierlich und hartnäckig nach vorne: 20. Platz nach der ersten Etappe, 17. Platz nach der zweiten Etappe, 10. Platz nach der dritten Etappe und nun Position 7, inmitten der Weltklasse.

Damit ist sie auf dem besten Weg, ihr bisheriges Bestresultat vom letzten Jahr (15.) zu pulverisieren und als erste Schweizerin an der Tour in die Top 10 zu laufen.

Bescheiden im Erfolg

Und wieder erinnert die 23-Jährige mit ihrer Bescheidenheit an das dezente Kultauto von Volkswagen. Ja nicht den Euphorie-Turbo zünden. «Es fehlen einige Läuferinnen, die im letzten Jahr vorne waren. Das relativiert die nackten Zahlen», sagt von Siebenthal.

Die Bergbäuerin aus Lauenen lässt die Kirche im Dorf, spricht von einem extrem harten Rennen und von Windböen auf der Strecke, «vor denen ich den Kopf einziehen musste», und vom primären Ziel, den derzeitigen Rang zu verteidigen. «Hinter mir wird es in der Rangliste schnell einmal eng.»

Für den heutigen Ruhetag steht ihr Programm: «Gut schlafen, viel schlafen, viel essen!» Damit es danach bei ihr wieder läuft und läuft und läuft.

Cologna schneller als Sundby

Bei den Männern setzt Dario Cologna seinen Plan um, läuft früh zum drittplatzierten Kanadier Alex Harvey auf und macht zwischenzeitlich sowohl zu Leader Sergej Ustjugow wie auch zu dessen erstem Verfolger Martin Johnsrud Sundby deutlich Zeit gut.

Weil der Russe im zweiten Teil der 15 km zusetzen kann und sich 15 Bonussekunden als Etappensieger sichert, bleibt Colognas Rückstand in der Zwischenwertung allerdings konstant.

Und weil der 30-Jährige im Spurt gegen Harvey unterliegt, gibt es auch rangmässig keine Steigerung. Überraschend Zeit verloren hat der norwegische Ausnahmeläufer Sundby. Der Weltcupführende büsste auf den letzten 2,5 km knappe 20 Sekunden auf Ustjugow ein. Er bleibt aber trotzdem 40 Sekunden vor Cologna.

Dario Cologna zieht ein durchweg positives Tagesfazit. «Es ist sicher eine sehr gute Leistung. Die Etappe hat mir auch gezeigt, dass es möglich ist, schneller als Sundby zu laufen.»

Mit Harvey hat Cologna bereits am Vorabend einen Pakt zur Zusammenarbeit geschlossen, doch die Hilfe des Kanadiers unterwegs bleibt bescheiden. «Er hat sich auch dafür entschuldigt, er sei am Anschlag gelaufen», sagt Cologna.

Zufrieden zeigt sich der Bündner auch mit dem Umstand, dass er seine härtesten Verfolger distanzieren konnte. Von hinten droht keine Gefahr, doch mehr als Platz 3 scheint derzeit fürs Gesamtklassement nicht realistisch.

Erst recht nicht, weil sein Asthma-Husten nach den Wettkämpfen von Tag zu Tag stärker wird. «Immerhin kann ich in der Nacht beschwerdefrei schlafen», will sich der dreifache Tour-de-Ski-Sieger seinen rundum gelungenen Tag von keinem negativen Umstand nehmen lassen.