Im Riesenslalom mit den Rängen 21 und 23 ein Negativrekord, im Slalom nur Luca Aerni im zweiten Lauf – Schlussrang 19. Die Schweizer gehen in Adelboden baden, obwohl nach den frühlingshaften Temperaturen am Samstag gestern sogar Schnee auf das Chuenisbärgli fiel.

Enttäuscht ja, erstaunt nicht. In etwa so lässt sich die Adelboden-Bilanz vom Schweizer Cheftrainer Tom Stauffer zusammenfassen. «Dass der Riesenslalom unsere Sorgendisziplin ist, habe ich schon vor der Saison gesagt.

Im Slalom haben wir ein junges Team, das stark fährt», sagt Stauffer.«Mit hohen Startnummern hat man nur eine Chance, wenn die Piste pickelhart ist.» Das war sie gestern nicht. Der Brite Dave Ryding war mit Startnummer 37 der Letzte, der den Cut für den zweiten Durchgang überstand.

Knapp am zweiten Lauf vorbei

Von den Schweizern waren da erst Daniel Yule, der ausschied, und Luca Aerni gestartet. Der Rest des Teams war – fast – chancenlos. Obwohl Ramon Zenhäusern mit Nummer 38 und Reto Schmidiger mit der 53 den zweiten Lauf nur um ein respektive drei Ränge verpassten.

Yule, der in dieser Saison zuvor der beste und konstanteste Techniker war, rutschte schon früh auf dem Innenski weg und verspielte alle Chancen. Das definitive Aus kam dann im Zielhang. «Ich riskierte alles. Da kann ein Ausfall schnell passieren», sagt der 21-Jährige, der sich die nächsten Tage seinem Fernstudium widmen will («Um etwas abzuschalten»), um dann in Wengen am nächsten Sonntag im Slalom wieder zu attackieren.

Für Aerni, der im Sommer mit einem Bandscheibenvorfall kaum trainieren konnte, war der zweite Punkterang der Saison – nach Rang 24 in Madonna di Campiglio – ein Schritt nach vorne. «Das gibt mir Selbstvertrauen», sagt der 21-Jährige. Das sieht auch sein Chef so. «Nach dem schwierigen Sommer kann Luca auf diesem Ergebnis aufbauen», sagt Stauffer.

Eine Warnung und ein Ziel

Es wäre in der Tat falsch, nach dem gestrigen Slalom in Panik zu verfallen. Vielmehr war es eine Warnung, dass 10. Plätze wie jene von Yule in Levi und Zagreb nicht die Regel sind. «Unser Ziel muss weiterhin bleiben, dass sich die Athleten in den Startlisten verbessern», sagt Stauffer.

Dafür braucht es gute Ergebnisse, die bei warmen Temperaturen schwierig zu erzielen sind. Ein Teufelskreis. «Marcel Hirscher war in Adelboden mit 25 Jahren der jüngste Athlet auf dem Podest», sagt Stauffer. Aerni und Yule sind erst 21. Will heissen: Das Team hat Zeit.

Aber nicht ewig. «Es muss schon das Ziel sein, dass unsere starken Athleten in absehbarer Zeit eine zweite Disziplin im Weltcup fahren», sagt Stauffer. Yule und Aerni konzentrieren sich beispielsweise vorläufig nur auf den Slalom.

Bisher nur zwei WM-Tickets

Die Absichten von Stauffer sind klar: Er hat den Riesenslalom im Hinterkopf und erhofft sich mit Yule und Aerni den fast nicht vorhandenen hoffnungsvollen Nachwuchs in der Sorgendisziplin. Denn eines ist nach dem Riesen in Adelboden klar: Es herrscht Alarmstufe Rot.

Von den Schweizern haben sich nur Carlo Janka und Gino Caviezel das WM-Ticket gesichert. «Ein 21. Rang wie am Samstag als Schweizer Bestresultat im Riesenslalom ist die Realität, wenn wir nicht gut fahren», sagt Stauffer. Es sind keine rosigen Aussichten. Das hat sich am Chuenisbärgli gezeigt.