Skispringen

17 Jahre falsch gelandet - warum sich Simon Ammann so schwer tut

Mit der Landung tut sich Simon Ammann immer noch schwer. Keystone

Mit der Landung tut sich Simon Ammann immer noch schwer. Keystone

Die Weltcupsaison beginnt, doch der vierfache Olympiasieger ist noch nicht bereit: Die Umstellung der Landung vom linken auf den rechten Fuss braucht mehr Zeit als erhofft.

Den Skispringern droht ein turbulentes Wochenende. Just zum Saisonauftakt im ostdeutschen Klingenthal hat sich der Winter mit einem Sturmtief angekündigt, welches das Programm mit einem Teamwettkampf am Samstag und einem Einzelspringen am Sonntag gehörig durcheinanderwirbeln könnte.

Für Simon Ammann sind das keine idealen Voraussetzungen. Der 34-jährige Toggenburger wäre zum Saisonstart selbst bei Laborbedingungen kaum in der Lage, um den Sieg mitzuspringen. Das Problem: Im Sommer hat Ammann seine Landung komplett umgestellt. Statt wie bisher mit dem linken Bein will er beim Telemark-Ausfallschritt neu mit dem stärkeren rechten Bein vorne aufsetzen. «In diesem Prozess bin ich noch nicht dort, wo ich gerne wäre», sagt er.

Die Umstellung der Landung ist eine Konsequenz aus den beiden Stürzen bei der letzten Vierschanzentournee in Oberstdorf und Bischofshofen. Dort hatte Ammann bei der Landung jeweils mit dem Ski verkantet und war mit dem Oberkörper nach vorne gestürzt. Kam er in Oberstdorf noch mit dem Schrecken davor, so prallte er im Bischofshofen mit dem Gesicht im Schnee auf, verlor das Bewusstsein und landete mit einer schweren Hirnerschütterung und Prellungen im Spital.

17 Jahre auf dem falschen Bein

Im letzten Winter rächte sich, dass Ammann 17 Jahre lang auf dem falschen Bein gelandet war. In seiner Jugend landete er noch mit dem rechten Bein vorne, wechselte dann aber 1998 nach einem Unfall mit den Inline-Skates und einem Innenbandriss aufs schwächere linke Bein, mit dem der Landedruck schwieriger aufzufangen ist. Das ging lange einigermassen gut, obwohl Ammann selten ein lupenreiner Telemark gelang und er deswegen immer wieder Punkteabzüge bei den Haltungsnoten in Kauf nehmen musste.

Dass die «falsche» Landung zum Sicherheitsrisiko wurde, hat einerseits mit der Materialentwicklung zu tun, andererseits mit Reglementsänderungen. Mit den engeren Sprunganzügen hat sich nicht nur die Flugkurve verändert, auch die Landegeschwindigkeit ist höher geworden. Ammann wurde so faktisch zur Umstellung gezwungen: «Ich hatte keine Wahl», sagte er kürzlich in einem Interview mit der «NZZ».

Erstmals wieder auf Schnee

Der Weltcupstart ist für Ammann im Umstellungsprozess eine wichtige Wegmarke. Zum einen landet er in diesen Tagen zum ersten Mal wieder auf Schnee – und damit auf einem unruhigeren Grund als bei den Mattenschanzen im Sommer-Trainingsbetrieb, wo er in der Vorbereitung dreimal stürzte. Zum andern wird sich erst zeigen müssen, wie er mit der Landung im höheren Weitenbereich klarkommt. Mit Punkteabzügen muss der vierfache Olympiasieger ohnehin rechnen: Zu oft landet er derzeit noch parallel und schiebt den rechten Fuss erst dann nach vorne – was nicht als Telemark gewertet wird.

Skisprung-Chef Berni Schödler räumt ein, dass es in der Vorbereitung phasenweise Zweifel am Erfolg des Unternehmens gegeben habe. Inzwischen sieht er Ammann aber auf einem guten Weg. «Ich erlebe ihn sehr positiv und bin froh, dass es sich die nötige Zeit für die Umstellung gibt.»

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