Lauberhorn-Abfahrt

144 km/h: Didier Cuche und Kollegen im Temporausch

In der Aviatik beträgt die Schallgeschwindigkeit bei den üblichen Flughöhen 1062 km/h. Im Ski-Weltcup liegt die virtuelle Schallmauer bei 150 km/h. Gestern erreichte der Trainingsbeste Didier Cuche im Haneggschuss ein Tempo von 144,1 km/h.

Der Haneggschuss ist die schnellste Passage im Ski-Weltcup. In den 80er-Jahren wurden sogar Geschwindigkeiten von gegen 160 km/h erreicht. Offizieller Rekordhalter ist Marc Girardelli mit einem Wert von 158,5 km/h. Danach zog der internationale Skiverband (FIS) die Reissleine. Man versuchte das Einfahrtstempo in diesen Kanal zu drosseln, weil im Haneggschuss selber keine Bremsmöglichkeiten bestehen. 2006 fuhr Klaus Kröll aber bereits wieder 155,84 km/h. Nun ist die Linienführung auf Langentrejen vor dem Haneggschuss erneut verändert und in die Breite gezogen worden, sodass 150 km/h die neue Schallmauer bilden.

Die Jagd nach Rekorden

Schneller, weiter, besser – dieser Slogan gilt auch für die Lauberhorn- und die Hahnenkamm-Abfahrt, die beiden attraktivsten Pisten der Welt. Kitzbühel engagierte einst Weitenmesser, die beim Zielsprung, wo Daniel Albrecht mit Tempo 138,2 km/h so schwer stürzte, provokativ Papptafeln mit Meter-Angaben in den Schwenkbereich der Kameras hielten – bis die FIS den Riegel schob. Die Fahrer erreichten Werte von über 60m und über 140 km/h.

Da wollte sich Wengen nicht lumpen lassen und konterte mit Rekord-Tempi im Haneggschuss. Der damalige Rennleiter und heutige Vizepräsident Fredy Fuchs lotete in einem FIS-Rennen mit drei, vier Testpiloten die schnellste Stelle aus, um dort die Zeitmessung zu installieren: «Uns ging es nicht ums Spektakel, wir wollten einfach wissen, wie schnell die Fahrer sind.»

«Wollen keine Tempo-Protzerei»

Wieder reagierte die FIS mit Renndirektor Günther Hujara und versetzte die Messanlage bergwärts Mitte Haneggschuss, wo die Geschwindigkeiten tiefer waren. Hujara sagt: «Wir wollen keine Tempo-Protzerei.» Doch Fuchs setzte klammheimlich die Anlage wieder etwas nach unten. «Die Höchstgeschwindigkeit ist nicht das Problem», anerkennt Hujara: «Gefährlich sind die hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten, die aus erhöhten Kurventempi entstehen.» Diesbezüglich ist es der FIS gelungen, den Durchschnitt in den letzten Jahren um etwa 10 km/h zu senken. Der Rekordwert von 112,37 km/h aus der Weltcup-Abfahrt in der Sierra Nevada hat seit 1993 Bestand.

Bei den Pisten-Korrekturen spielen die FIS und die Speed-Piloten miteinander Jo-Jo. Ein paar Jahre nach einer Änderung befinden sich die Athleten wieder auf dem alten Level – wie am Hanegg. «Ich möchte nicht, dass noch mehr gebremst wird», hofft Cuche, auch wenn er eingesteht: «Man spürt schon den Unterschied, ob man mit 120 km/h oder 150 km/h unterwegs ist. Ein Verschneider kann schlimme Folgen haben.»

Abfahrtscrack Michael Walchhofer bezeichnet Tempi von 150 km/h als «extrem am Limit. Es ist wichtig, die Spannung aufrechtzuerhalten, um die Ski sauber zu führen.» Als ultimativer Tempo-Bolzer gilt sein Teamkollege Klaus Kröll, der fast immer der Schnellste ist. So auch gestern im Training mit 145 km/h. Carlo Janka dagegen ist immer einer der Langsamsten – für den Sieg hat es letztes Jahr trotzdem gereicht. Und Klaus Kröll wurde nur 14.

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