Ski-WM
Wie ein Treffen mit einem ehemaligen Schwarm: Darum ist Feuz auf Bronze stolz

Die Mutigen werden belohnt: Beat Feuz wird Dritter in einer Abfahrt, die stellenweise so gar nicht zu ihm passt. Wie schon im Super-G siegt Vincent Kriechmayr.

Martin Probst
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Beat Feuz und der Flirt mit Bronze.

Beat Feuz und der Flirt mit Bronze.

Christian Bruna / EPA

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Im Gegenteil. Und doch fanden Beat Feuz und die WM-Piste in Cortina am Valentinstag zusammen. Hinter Vincent Kriechmayr und Andreas Sander wurde der 34-Jährige Dritter in der Abfahrt. «Ich bin stolz», sagt Feuz. «Es war für mich kein einfaches Rennen.»

Liebe verlangt Mut. Die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen. «Es hat mich viel Überwindung gekostet», sagt Feuz. Im Mittelteil, in diesen sieben, vielleicht acht Toren, die sich für den Berner anfühlten, als würde er einen Riesenslalom fahren.

Es war eine Begegnung mit der Vergangenheit, fast wie ein Treffen mit einem ehemaligen Schwarm. Seinen letzten Riesenslalom hat Beat Feuz am 17. März 2012 bestritten.

Erinnerungen an ein Duell mit Hirscher

Damals, im Rahmen des Weltcup-Finals in Schladming, duellierte sich Feuz im Gesamtweltcup mit Marcel Hirscher. Um 25 Punkte verpasste er den Titel. Im Riesenslalom wurde Feuz 21. und holte keine Punkte. Hirscher siegte und übernahm die Führung im Rennen um die grosse Kristallkugel. Eine Liebe war der Riesenslalom für Feuz nie. Aber damals, bevor sich sein Knie so schwer entzündete, zumindest ein Flirt.

Und nun, ausgerechnet in der WM-Abfahrt, waren da diese Kurven. «Es brauchte Mut», sagt Feuz. «Mut in Bezug auf mein Können.» Nur an zwei Trainingstagen fuhr er in diesem Winter auf Riesenslalom-Ski. Aber Feuz meistere die Passage fast so, als sei nie etwas mit seinem Knie gewesen.

Beat Feuz unterwegs zu WM-Bronze in der Abfahrt.

Beat Feuz unterwegs zu WM-Bronze in der Abfahrt.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Er war in diesem Abschnitt zwar nicht der Schnellste. Aber mit der siebtbesten Zeit schnell genug, um im Rennen um die Medaillen zu bleiben. Um im unteren Teil, wo reine Abfahrerqualitäten gefragt waren, aufzuholen. Wäre ohne den oberen Teil mehr dringelegen? Feuz sagt:

«Ob mir eine Piste gefällt oder nicht spielt keine Rolle.»

Natürlich bevorzugt er ein anderes Gelände, eine andere Kurssetzung. «Aber es fahren immer alle auf der gleichen Strecke. Da muss man sich anpassen», sagt Feuz.

Kriechmayr auf den Spuren von Maier und Miller

Für die Abfahrt war er Athletenvertreter. In dieser Rolle vertritt Feuz die Interessen der Fahrer gegenüber dem Internationalen Skiverband FIS. Nach dem ersten Training beschwerten sich zahlreiche Athleten über die Kurssetzung. Feuz, selbst einer der Kritiker, hatte viel zu tun, bekam zahlreiche Anrufe und SMS. Das Feedback übergab er der FIS. Diese reagierte und veränderte die Kurssetzung leicht. Grössere Anpassungen waren aufgrund der Topografie allerdings nicht möglich.

Sieger Kriechmayr, ein sehr guter Techniker, kam am besten mit den wechselnden Herausforderungen zurecht. Er ist nach Hermann Maier (1999) und Bode Miller (2005) der dritte Athlet, der an einer WM sowohl die Abfahrt wie auch den Super-G gewinnen konnte. Neben Feuz überzeugte von den Schweizern Marco Odermatt. Der 23-jährige klassierte sich zeitgleich mit Dominik Paris auf Rang vier. Carlo Janka wurde Neunter.