Ski-Weltcup
Das Tief des Hochbegabten: Loïc Meillard und die schwierige Vorbereitung auf die Rennen von Adelboden

Loïc Meillard bestreitet als einziger Schweizer beide Rennen in Adelboden. In dieser Saison kam der Romand aber noch nicht in Fahrt. Und die Vorbereitung auf das Chuenisbärgli war auch nicht optimal.

Claudio Zanini, Adelboden
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Loïc Meillard am Freitagabend beim Medientermin vor dem Schweizer Teamhotel in Adelboden.

Loïc Meillard am Freitagabend beim Medientermin vor dem Schweizer Teamhotel in Adelboden.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Der Verlauf dieser Woche passt gut zum Saisonstart von Loïc Meillard. Es waren keine spielerischen Tänze im Stangenwald zu sehen, sondern viel Geknorze. Am Mittwoch wäre in Zagreb ein Slalom auf dem Programm gestanden. Doch in der kroatischen Hauptstadt machte die frühlingshafte Wärme die Piste unbrauchbar. Zuerst wurde das Rennen um einen Tag verschoben, dann folgte ein zweiter Anlauf – ebenfalls von wenig Glück begleitet. Die Unterlage konnte den Belastungen des Rennens nicht standhalten. Der erste Lauf musste nach 19 Fahrern abgebrochen werden.

Luca Aerni tippte sich im Ziel mit dem Finger an die Schläfe und sprach hinterher von einer Buckelpiste. Loïc Meillard schrieb in den sozialen Medien ungewohnt dezidiert: «Das ist nicht das, worum es in unserem Sport geht und heute haben wir die ­Linie des Akzeptablen überschritten.» Den Eintrag begann er ironisch mit einem «Danke FIS für die grosse Show in Zagreb» und setzte ein Kothaufen-Emoji dazu.

Der Zorn ist in mehrfacher Hinsicht nachvollziehbar. Einerseits barg die Piste Risiken für die Gesundheit. Andererseits verloren die Athleten durch die Verschiebung in Zagreb unnötig Zeit im Hinblick auf das Rennen in Adelboden. Die Schweizer Betreuer fuhren noch am Donnerstagabend mit dem Auto Richtung Schweiz und schoben eine Übernachtung in Italien ein – es sind über 800 Kilometer insgesamt. Die Athleten kamen am späten Freitagnachmittag mit einem Charterflug via Bern-Belp nach Adelboden. Loïc Meillard reiste bereits früher an. Er konnte am Donnerstag im Privatjet seines Sponsors Red Bull in die Schweiz fliegen.

Meillard ist der einzige Athlet des Schweizer Slalomteams, der in Adelboden auch den Riesenslalom bes­treitet. Die Erholungszeit vor den beiden Rennen ist für ihn sehr knapp ausgefallen, dementsprechend kurz angebunden war er am Freitagabend beim Medientermin im Teamhotel. Er sei sehr glücklich, dass er schon am Donnerstag habe anreisen können, räumte er ein. Das gebe ihm ein bisschen mehr Zeit für die Regeneration. «Aber Zagreb hat sehr viel Energie gekostet.»

Die Erinnerungen des letzten Jahres

Im letzten Januar wurde Loïc Meillard Dritter in Adelboden.

Im letzten Januar wurde Loïc Meillard Dritter in Adelboden.

Peter Schneider/Keystone

Die Slalomfahrer haben vor dem Wochenende in Adelboden erst zwei Rennen bestritten. So ­wenige waren es in den letzten Jahren nie. Schweizer Podestplätze gab es noch keine. Gemessen an den Erfolgen der ­jüngeren Vergangenheit ist das ernüchternd.

Loïc Meillard steht sinnbildlich für diesen holprigen Saisonstart. Der hochbegabte Techniker scheint in dieser Saison noch nicht richtig angekommen zu sein. Es sieht zwar immer schön aus, was er macht, doch es ist nicht immer schnell. Im ersten Slalom der Saison in Val d’Isère schied er im ersten Lauf aus. In Madonna di Campiglio zeigte er schliesslich zwei Läufe, die nicht hätten unterschiedlicher sein können. Mit über zwei ­Sekunden Rückstand auf die Spitze schaffte er es als 29. nur knapp in den zweiten Durchgang. Im zweiten Lauf katapultierte er sich mit Bestzeit auf den sechsten Platz.

Auch im Riesenslalom konnte Meillard noch nicht an die erfolgreichen Tage anknüpfen. In vier Rennen fuhr er einmal in die Top 10. In den anderen drei Wettkämpfen war er 16., 13. und 21. Noch im letzten Jahr sorgte er nebst Marco Odermatt für einen Schweizer Podestplatz in Adelboden. Am Tag danach verpasste er die Top 3 nur knapp und wurde Fünfter. Die Erinnerungen werden jetzt, wo Meillard zurück am Chuenisbärgli ist, wach. «Die Erlebnisse vom letzten Jahr waren sehr schön. Ich hoffe, dass ich wieder ähnliche Ergebnisse einfahren kann», sagte der 25-Jährige.

Die Schweizer Slalomfahrer müssen nicht – sie dürfen

Das Heimrennen in der Wohlfühlzone im Berner Oberland scheint einigen Athleten im Schweizer Team den Glauben an bessere Resultate zurückzugeben. Ramon Zenhäusern, der beste Schweizer Slalomfahrer im letzten Winter, der auch eine Baisse durchmacht, sagte: «Ich freue mich riesig.»

Ramon Zenhäusern und Daniel Yule.

Ramon Zenhäusern und Daniel Yule.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Der Oberwalliser kämpfte mit den Folgen eines Trainingssturzes, den er vor der Saison in Schweden erlitten hatte. Es gehe ihm nun wieder besser, sagte Zenhäusern. «Und die mentale Blockade konnte ich mittler­weile lösen.» Für Daniel Yule, der vor zwei Jahren in Adelboden siegte, geht es ebenso in die «richtige Richtung», auch wenn er in Madonna di Campiglio den zweiten Lauf deutlich verpasste.

Die Slalomfahrer müssen an diesem Wochenende kein Skifest retten. Der Fokus liegt auf dem Riesenslalom-Klassiker vom Samstag, namentlich auf Marco Odermatt, der in drei von vier Rennen in diesem Winter zuoberst stand.

Am Sonntag könnte dann im Slalom die Zugabe folgen. Eine günstige Konstellation, um den Knoten zu lösen. Auch für Loïc Meillard. «On verra», sagte er, wir werden es sehen.

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