Ausgerechnet im Riesenslalomtraining verletzt sich Carlo Janka schwer. Dabei sagt er doch selbst: «Meine besten Jahre im Riesen sind vorbei.» Aber irgendwie liebt er diese Disziplin, die ihn schon so oft verzweifeln liess. Wie 2012, als er in einem Durchgang 7,81 Sekunden (!) auf Ted Ligety einbüsste – und viel Spott erntete.

Aber da sind eben auch die schönen Momente. Wie 2009, als Janka Riesenslalom-Weltmeister wurde. Oder 2010, als er auch dank des Riesenslaloms als bisher letzter Schweizer Mann den Gesamtweltcup gewann und in dieser Disziplin in Vancouver Olympiasieger wurde.

Aber wie gesagt: In den vergangenen Wintern war der Riesenslalom für Janka mehr Frust als Lust – oder eben, wie er es Anfang Oktober sagte: «Meine besten Jahre in dieser Disziplin sind längst vorbei.»

Leider eine bauchlandung mit folgen 😤 probiere so schnell wie möglich zurückzukommen 💪✌ #nevergiveup

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Hier kommt es zum verhängnisvollen Sturz - der Instagram-Post von Carlo Janka

Und doch blieb Carlo Janka dran, entschied sich sogar für einen Start an diesem Sonntag beim Saisonauftakt in Sölden. Aus alter Liebe, aber eben auch, weil der Riesenslalom als Basis für alle Disziplinen in Sachen Technik dient. «Doch mein Fokus bleibt klar auf den schnellen Disziplinen», sagt Carlo Janka.

Meniskus unbeschädigt

Seit gestern ist das alles anders. Denn seit gestern ist bekannt, dass sich der 31-Jährige im Riesenslalom-Training auf der Diavolezza bei einem Sturz das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen hat.

Carlo Janka sagt, in seiner stoischen Art: «Die Verletzung ist auf jeden Fall ein Rückschlag.» Das ist natürlich untertrieben. Falls eine Operation nötig wird, ist die Saison mit Sicherheit vorbei, bevor sie begonnen hat.

«Wir werden die Verletzung aber vorerst konservativ behandeln.» Er hat noch leise Hoffnung, dass es schneller geht mit seiner Rückkehr. Vermutlich vergebens. Sobald die Schwellung im Knie weg ist, werden Untersuchungen zeigen, wie es weiter geht.

Immerhin: Jankas Meniskus und die Seitenbänder blieben intakt. Lara Gut hatte sich beispielsweise an der Heim-WM in St. Moritz im Februar neben dem Kreuzband auch den Meniskus beschädigt, was den Heilungsprozess zusätzlich verkomplizierte. Zumindest davor scheint Janka verschont geblieben zu sein.

Es ist ein schwacher Trost für den elffachen Weltcupsieger, der schon mit Rückenschmerzen und mysteriösen Herzrhythmusstörungen zu kämpfen hatte, noch nie zuvor aber am Knie verletzt war.

Wie sieht es mit den Olympischen Spielen aus?

Aller Voraussicht nach verpasst er nun auch die Olympischen Spiele im Februar in Südkorea. In Jeongseon gewann der Büdner 2016 die Hauptprobe im Super-G. Es war sein bisher letzer Weltcupsieg und ein Indiz dafür, wie sehr ihm die Piste in Korea liegt. Somit verliert die Schweizer Delegation einen aussichtsreichen Medaillenkandidaten. Das ist bitter.

«Die Hoffnung, dass Carlo in dieser Saison nochmals fährt, ist sehr klein», sagt Tom Stauffer, Cheftrainer der Männer. «Es wird zwar noch eine Zweitmeinung eingeholt, aber an der Diagnose wird das leider nichts mehr ändern.»

Die Geschichte Janka und der Riesenslalom hat einen neuen Tiefpunkt. Dabei wäre ein Aufwärtstrend möglich gewesen. Auf diese Saison wurden die Radien der Riesenslalom-Ski verkleinert. Carlo Janka hatte sich davon viel erhofft. Auch weil das Material wieder ähnlicher ist mit seinen Goldski von früher.

Sicher ist: Der Unfall hatte nichts mit den neuen Ski zu tun «Es war ein ganz normaler Sturz, wie er leider oft passiert», sagt Stauffer.