Ski alpin
Siegerin Lara Gut-Behrami unterhält wie die Hauptdarstellerin einer Telenovela

Die Schweizer Ski-Frauen jubeln beim Weltcup in Crans-Montana über eine beeindruckende Teamleistung. Die tägliche Schlagzeile gehörte aber stets Super-G-Siegerin Lara Gut-Behrami.

Rainer Sommerhalder
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Lara Gut-Behrami sorgte in Crans-Montana auf und neben der Piste für Unterhaltung.

Lara Gut-Behrami sorgte in Crans-Montana auf und neben der Piste für Unterhaltung.

BilJean-ChristopheBott/Keystone

Wenn jemand das Weltcup-Wochenende in Crans-Montana prägte, dann sie. Lara Gut-Behrami sorgte seit Mittwoch für die tägliche Schlagzeile wie einst Schauspieler Bill Murray im Film «Und täglich grüsst das Murmeltier» für die immer wiederkehrende Wettervorhersage.

Dass seine Feststellung lediglich drei Stunden Bestand halten würde, stellte sich der Funktionär von Swiss Ski nicht im Traum vor, als er am Mittwoch das sportliche Erfolgsrezept von Lara Gut-Behrami mit den Worten «sie verliert keine Energie mehr mit unnötigen Nebenschauplätzen» beschrieb. Durch die Bemerkung von «widerlichen Pistenverhältnissen» sorgte die 29-jährige Tessinerin nach dem ersten Training für Feuer im Dach. Der OK-Präsident schäumte. Lara Gut-Behrami legte keine 24 Stunden später nach und betonte, nichts als die Wahrheit gesagt zu haben.

Leidende Zweite und strahlende Siegerin

In der ersten Abfahrt am Freitag schiffte die nunmehr 28-fache Weltcupsiegerin ab und zeigte nach dem 16. Platz im Ziel allen die kalte Schulter. Ihr französischer Abgang entpuppte sich später als Folge von akuten Schmerzen im Rücken und nicht von einer ihrer Launen.

In der zweiten Abfahrt am Samstag präsentierte sich die streitbare Tessinerin auf der Piste als erste Verfolgerin der italienischen Seriensiegerin Sofia Goggia. Trotzdem schlich Gut-Behrami nach dem Rennen wie ein Häuflein Elend umher. Ihr offensichtlich arg lädierter Rücken war das dominierende Thema. Und verdrängte damit das beste Abfahrtsergebnis des Schweizer Frauenteams aus dem medialen Fokus. Die 25-jährige Schwyzerin Jasmina Suter feierte als Sechste das beste Weltcupresultat der Karriere.

Als krönenden Abschluss turbulenter Tage sorgte Lara Gut-Behrami am Sonntag in ihrer Paradedisziplin Super-G auch für das sportliche Schweizer Highlight. Zu ihrem zweiten Sieg in Folge in dieser Disziplin standen einerseits die medizinischen Fachleute aus ihrem Privatteam Pate. Sie lösten die muskuläre Verkrampfung über Nacht derart, dass die Tessinerin mit Hilfe von Schmerzmitteln die anspruchsvolle Piste von Crans-Montana bezwang. Andererseits standen bei ihrem 14. Weltcuperfolg im Super-G die Konkurrentinnen mehr oder weniger Spalier. Gut-Behrami hatte auf die zweitplatzierte Tamara Tippler gleich viel Vorsprung wie zwischen der Österreicherin und Rang 14 lagen, nämlich 93 Hundertstelsekunden.

Lara Gut-Behrami bleibt ein Phänomen. Die 29-Jährige feierte nicht zum ersten Mal Erfolge, wenn vieles dagegen spricht. Polemik und Probleme prallen scheinbar spurlos an ihr ab. Selbst wenn sie nach dem Sieg im Super-G meinte: «Das waren komplizierte Stunden.»

Phänomenal darf man auch die Teamleistung der Schweizer Speed-Frauen bezeichnen. Sechs in den ersten 14 in der Abfahrt, fünf in den ersten 12 im Super-G. Und dies, obwohl Teamleaderinnen wie Wendy Holdener (ausgeschieden), Michelle Gisin (29.) und Corinne Suter (9.) am Sonntag unter ihren Möglichkeiten blieben.

Priska Nufer gleich mit zwei Bestresultaten

Dafür sprangen andere ein, allen voran die Obwaldnerin Priska Nufer. Die 28-jährige brillierte mit je einer persönlichen Bestleistung im Super-G (6.) und in der Abfahrt (7.). «Es ist überwältigend. Die Leistung in der Abfahrt hat mir enormes Selbstvertrauen gegeben. Ich konnte im Super-G so befreit wie schon lange nicht mehr starten. Und diese Freude am Skifahren macht mich schnell.»

Freude hatte Cheftrainer Beat Tschuor an der Leistung von Joana Hählen. Nach einem 22. Rang in der ersten Abfahrt, schied sie am Samstag an ihrem Geburtstag sogar aus. Rang 11 im Super-G war der wichtige versöhnlicher Abschluss. «Sie ist auf einem anderen Niveau, als dass die zwei Abfahrten glauben lassen», sagte Tschuor. Überhaupt gab sich der Bündner trotz des beeindruckenden Teamergebnisses betont cool: «Ich weiss aus den Trainings, dass sie es draufhaben. Wir arbeiten seit sechs Jahren hart an diesem Speedprojekt».