Ski alpin
Corinne Suter und Jasmine Flury: Zwei Freundinnen gingen durch die Hölle und sind nun im siebten Himmel angelangt

Die Schweizer Speedfahrerinnen feiern in Garmisch-Partenkirchen einen Doppelsieg. Sowohl Corinne Suter als auch Jasmine Flury hatten in jüngster Vergangenheit mit Hindernissen zu kämpfen. Nun stehen die Freundinnen gemeinsam zuoberst.

Ives Bruggmann, Garmisch-Partenkirchen
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Zwei Schweizerinnen stehen in Garmisch-Partenkirchen zuoberst auf dem Podest: Jasmine Flury (links) und Corinne Suter.

Zwei Schweizerinnen stehen in Garmisch-Partenkirchen zuoberst auf dem Podest: Jasmine Flury (links) und Corinne Suter.

Bild: Pier Marco Tacca/AP

Die Umarmung zwischen Jasmine Flury und Corinne Suter war innig. Als die Bündnerin Flury zuvor mit der Startnummer zwölf ins Ziel gekommen war, leuchtete die zweitbeste Zeit auf - hinter der Schwyzern Suter. Die beiden ahnten zu diesem Zeitpunkt bereits, dass es etwas werden könnte mit einem Spitzenplatz. Und tatsächlich: Am Ende feierten die Freundinnen einen Doppelsieg. Für Corinne Suter war es der vierte Triumph und damit der 19. Podestplatz im Weltcup. Für Jasmine Flury der zweite Weltcup-Podestplatz überhaupt nach ihrem Sieg im Super-G von St.Moritz im Dezember 2017. Bezeichnend ist, dass ein entscheidender Streckenabschnitt auf der Kandahar den Namen «Hölle» trägt. Denn beide Protagonistinnen hatten zuletzt auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch diese sind nun vergessen.

Geteilte Freude ist doppelte Freude: Die Freundinnen Corinne Suter und Jasmine Flury gratulieren sich.

Geteilte Freude ist doppelte Freude: Die Freundinnen Corinne Suter und Jasmine Flury gratulieren sich.

Bild: Pier Marco Tacca/AP

Der gemeinsame Podestplatz stand auf der To-do-Liste

Schon vor vielen Jahren hätten sie den Traum gehabt, einmal gemeinsam auf dem Weltcup-Podest zu stehen, verriet Corinne Suter. Nicht nur das, sie hätten dieses Ziel auf einer To-do-Liste festgehalten. «Wir haben schon so viel über das geredet. Dass es nun geklappt hat, ist einfach unglaublich», sagt Jasmine Flury. Die 28-jährige Bündnerin zeigte zuletzt zwar eine aufsteigende Tendenz, der Befreiungsschlag in Form eines Spitzenergebnisses blieb aber bisher aus. Nun gelang ihr nach mehr als vier Jahren der zweite Weltcup-Podestplatz. Flury:

«Das ist ein Tag, den ich nie mehr vergessen werde.»

Damit meldete Jasmine Flury auch Ansprüche auf einen Platz in der Olympia-Abfahrt an. Zwar steht in Peking noch die Qualifikation aus, in dieser Form ist aber mit ihr zu rechnen. Cheftrainer Beat Tschuor sagt: «Das ist ein ganz wichtiges Resultat für den Kopf, eine Bestätigung. Ich sagte schon immer, Jasmine Flury sei ein Rohdiamant. Manchmal braucht es einfach Zeit.»

Die Nachwehen des Sturzes

Auch Abfahrtsweltmeisterin Corinne Suter hatte in dieser Saison lange eine schwere Zeit, kämpfte mit den Nachwehen ihres Sturzes in der Vorbereitung. Mit ihrem zweiten Sieg in Garmisch-Partenkirchen bewies die Schwyzerin, dass sie zurück zu alter Stärke gefunden hat. Im Abfahrts-Weltcup kletterte sie mit ihrem ersten Saisonsieg vom vierten auf den zweiten Rang und liegt damit nur noch 69 Punkte hinter der derzeit verletzten Sofia Goggia. Doch noch viel wichtiger ist: Sie fuhr mit dem Herz in der Hand. Tschuor sagt dazu: «Sie ist auf dem richtigen Weg. Mut und Vertrauen spielen dabei eine entscheidende Rolle.»

Joana Hählen vergibt den Dreifachsieg

Einen möglichen Dreifachsieg vergab Joana Hählen mit einem zeitraubenden Fehler im letzten Streckenabschnitt. Dennoch reichte es der Bernerin dank Platz acht zum besten Saisonergebnis in der Abfahrt. «Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits freue ich mich darüber, dass ich befreit fahren konnte, andererseits tut es ein bisschen weh. Ein Dreifachsieg wäre so cool gewesen.» Priska Nufer auf Platz 14, Jasmina Suter (20.) und Noémie Kolly (24.) runden den geglückten Auftritt der Schweizer Speedfahrerinnen in Bayern ab. Für den Super-G vom Sonntag verspricht diese Ausgangslage einiges. Cheftrainer Tschuor: «Jetzt geniessen wir erst einmal diesen Erfolg.» Recht haben sie.

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Garmisch-Partenkirchen. Abfahrt: 1. Corinne Suter (SUI) 1:40,74 Minuten.
2. Jasmine Flury (SUI) +0,51 Sekunden zurück. 3. Cornelia Hütter (AUT) +0,78. 4. Weidle (GER) +0,82. 5. Na. Delago (ITA) +0,85. 6. Reisinger (AUT) +0,92. 7. Rädler (AUT) +0,94. 8. Hählen (SUI) +1,02. 9. Gagnon (CAN) +1,05. 10. Scheyer (AUT) +1,14. - Abfahrts-Weltcup (6/9): 1. Sofia Goggia (ITA) 400 Punkte. 2. Suter (SUI) 331, 3. Ramona Siebenhofer (AUT) 278. 4. Johnson (USA) 240. 5. Puchner (AUT) 231. 6. Weidle 218. 6. Delago 218. 8. Hütter 161. 9. Flury 154. 10. Gut-Behrami (SUI) 151.

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