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Sions Ausnahmetalent Edimilson: Auf den Spuren seines berühmten Cousins

Edimilson Fernandes: Hat alle Anlagen für eine grosse Nummer 10.

Edimilson Fernandes: Hat alle Anlagen für eine grosse Nummer 10.

In der Hammerwoche mit den Spielen gegen Liverpool und Basel, hat der FC Sion grünes Licht gegeben, ihren Jungstar kennen zu lernen. Im Wallis wächst mit Edimilson Fernandes (19) nämlich eine grosse Nummer 10 heran.

Edimilson spricht. Nicht viel zwar, aber immerhin, er spricht. Darf sprechen. Seit der Unterschrift unter seinen ersten Profivertrag im Februar dieses Jahres hatte ihn der FC Sion unter Verschluss gehalten. Der Junge müsse sich ganz auf den Fussball konzentrieren und den Kopf frei haben, liess der Verein jeweils ausrichten, wenn nach einer starken Vorstellung wieder einmal eine Interviewanfrage vorlag.

Jetzt aber, ausgerechnet in der Hammerwoche mit den Spielen gegen Liverpool und Basel, haben die Sittener grünes Licht gegeben, ihren Jungstar kennen zu lernen. Nur eine Auflage haben sie gemacht: Es sind keine Fragen zur U21-Nationalmannschaft erlaubt.

Vor einem Monat nämlich hatte es einen kräftigen Wirbel um den 19-Jährigen gegeben, weil dieser dem Schweizer Coach Heinz Moser für das EM-Qualifikationsspiel in England abgesagt hatte. Edimilson fühle sich noch nicht bereit, für die Auswahl zu spielen, liess der Sittener Trainer Didier Tholot verlauten. Es wurde spekuliert, Edimilson wolle halt später einmal für Portugal auflaufen. Es wurde vermutet, Edimilson werde von Sion gedrängt, nicht zu spielen, um sich für die Klubeinsätze zu schonen. Und Cousin Gelson Fernandes liess sich im Boulevard zitieren, Edimilson sei wohl krank im Kopf.

Introvertierter Jungspund

Möglicherweise ist es einfach nur so, dass Edimilson noch immer die Nestwärme einer vertrauten Umgebung braucht, um sich voll zu entfalten. Und der 19-Jährige dies gespürt und deshalb abgesagt hat. Es wäre ungewöhnlich, gewiss, doch im Gegensatz zu Gelson Fernandes, der schon immer eine Plaudertasche war, ist Edi ziemlich schüchtern. Er sei introvertiert, sagt Tholot.

Und doch: Man kann sich gut vorstellen, wie lebhaft Edimilson diskutiert, wenn er zu Hause bei der Familie in Fully mit den Brüdern Carlos, Adilson und Alberto zusammen ist. «Dann gibt es nur ein Thema: Fussball», sagt Edimilson. «Zwar haben die drei wegen ihres Berufs damit aufgehört, doch zu besprechen gibt es immer viel.»

Zum Beispiel, wer denn nun nach der geschafften Sechzehntelfinal-Qualifikation der Wunschgegner des FC Sion in der Europa League ist. Nach den beiden Spielen gegen Liverpool in der Gruppenphase hat der eingefleischte Arsenal-Fan Edimilson Lust auf noch mehr Premier-League-Atmosphäre: «Jetzt hoffe ich, dass Manchester United unser Kontrahent wird.» Und was er sich natürlich noch mehr wünscht, ist ein Sieg morgen Sonntag im Viertelfinal des Schweizer Cups gegen Basel. «Ich glaube schon, dass unsere Batterien noch genug Energie haben, um noch einmal alles zu geben und zu gewinnen», sagt Edimilson. «Aber es wird natürlich extrem schwer, gegen die Basler erneut eine solch brillante Leistung abzurufen, wie beim 3:0 im Cupfinal», sagt Edimilson. An jenem Tag habe er, als Torschütze notabene, ein Versprechen eingelöst, das er zwei Tage nach seinem zehnten Geburtstag abgegeben habe. «Ich war in Bern beim Cupfinal und habe miterlebt, wie Gelson mit dem FC Sion gegen YB gewonnen hat. Da schwor ich mir, dass auch ich dies mit unserem Verein schaffen werde», sagt Edimilson.

Der Cousin als Vorbild

Trotz der offensichtlich geteilten Meinung, was die U21-Nati betrifft, schaut Edimilson zum zehn Jahre älteren Gelson hoch, bewundert, was dieser aus seiner Karriere gemacht hat. «Er ist mein Vorbild. Wir telefonieren täglich miteinander.» Edimilson erinnert sich gut an den Tag, als Gelson bei der WM in Südafrika gegen Spanien das entscheidende Tor schoss und sich die Familie Fernandes zu Hause in Fully vor dem Fernseher in den Armen lag.

Während Gelson auf den Kapverden geboren wurde, kam Edimilson in der Schweiz auf die Welt. «Ich bin ein sehr guter Skifahrer», sagt Edimilson stolz, «bin aber seit drei Jahren nicht mehr auf den Brettern gestanden.» In Fully hat er als Knirps mit dem Fussball begonnen. «Wir traten gegen Martigny an und dort spielte Barthelemy Constantin mit, der Sohn des Präsidenten. Der Vater kam auch ans Spiel, und so wurde ich vom FC Sion entdeckt und durchlief die Nachwuchsabteilung bis zur U21.» Sein früherer Trainer Michel Decastel sagt: «Edi kann eine grosse Nummer 10 werden.» Tholot sagt: «Seine Reife auf dem Platz ist unglaublich.» Edimilson selber sagt: «Ich möchte noch mindestens ein Jahr beim FC Sion spielen, dann bin ich wohl bereit fürs Ausland.»

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