Eigentlich kann sich der FC Sion die Reise nach Basel sparen. Vor sage und schreibe 20 Jahren entführten die Walliser in der Liga zuletzt einen Dreier aus dem damals noch alten Joggeli. Ein gewisser Didier Tholot – Sions Ex-Trainer notabene – traf im Sommer 1997 am sechsten Spieltag zum 3:1-Endstand für den damals amtierenden Schweizer Double-Sieger. Seither folgten mit Ausnahme des Cupfinals 2015 – aber das ist in Sion bekanntlich eine andere Nummer – 25 erfolglose Sittener Liga-Gastspiele in Basel.

Immerhin. Zu Hause sah es Anfang des Jahrhunderts noch besser aus. Im Tourbillon demütigte der FC Sion den FCB 2001 gar mit einem 8:1. Pascal Zuberbühler war bedient. In Halbzeit zwei hatten Julien Poueys und Samuel Ojong dem Basler Goalie nacheinander je einen lupenreinen Hattrick eingeschenkt.

«Durch den Umbruch wird Basel zum Wallis. Bernhard Burgener ist Walliser. Ihm gehört ein Filmlabel namens Constantin. Raphael Wicky ist Walliser. Was soll ich da noch sagen?»

Christian Constantin:

«Durch den Umbruch wird Basel zum Wallis. Bernhard Burgener ist Walliser. Ihm gehört ein Filmlabel namens Constantin. Raphael Wicky ist Walliser. Was soll ich da noch sagen?»

Doch seit Februar 2011 und dem letzten Ligaerfolg gegen Basel liest sich auch die Sittener Heimbilanz erschreckend. Ortsunabhängig gewann Basel seither 17 der letzten 23 Liga-Duelle, Sion keines. Aus den vergangenen acht Aufeinandertreffen in der Super League ging immer der FCB als Sieger hervor. Nur im Cup hatte der FC Sion in zwei von drei Duellen die Nase vorn.

Eine klare Sache für die Buchmacher? Keineswegs. Setzt man am Donnerstag Geld auf «Sieg Sion» und gewinnt, bekommt man sogar weniger ausbezahlt, als wenn man in einer Woche im Cupfinal denselben Betrag auf Sion setzt. Mit anderen Worten: Die Wettanbieter halten es für wahrscheinlicher, dass Sion den Ligafluch bricht, als dass Sion in seinem vierzehnten Final zum vierzehnten Mal Cupsieger wird.

Christian Constantin (mit Cup-Trophäe) feiert die Cup-Gewinn von 2015.

Christian Constantin (mit Cup-Trophäe) feiert die Cup-Gewinn von 2015.

Egal wie man es dreht, das Spiel steht klar im Schatten der anstehenden Neuauflage des Cupfinals von vor zwei Jahren. Basel kann es sich erlauben, eine Woche vor dem Spiel des Jahres Kräfte zu schonen. Seit der FCB als Meister feststeht, liess er in beiden Spielen – gegen Lugano (2:2) und Thun (3:3) – Punkte liegen. Ganz anders sieht es für Sion aus. Wollen die Walliser Dritter bleiben und international spielen, muss auch in der Liga noch gepunktet werden. Die Ausgangslage für einen Auswärtssieg war selten besser.

CC: Keine Cup-Generalprobe

Auch die Gedanken von Sion-Präsident Christian Constantin ranken sich natürlich schon jetzt nur noch um die Sandoz-Trophäe. Von einer Generalprobe am Donnerstag möchte CC dennoch nichts wissen: «Basel hat seinen Job bereits erledigt. Die sind Meister. Wir dagegen brauchen noch Punkte. Der Cupfinal geniesst zwar Priorität, aber taktische Spielereien halte ich heute für nicht angebracht.»

Der neue FCB-Trainer für die Saison 2017/18: Raphael Wicky.

Der Walliser Patron wird gespannt sein, ob der Sittener Aufwärtstrend nach der Zwangskasernierung seines Teams vor dem Lugano-Match anhält. Die Spieler sind nach dem 2:0-Sieg gegen den direkten Konkurrenten um Platz 3 am vergangenen Wochenende mittlerweile wieder aus der Kaserne in Riddes ausgezogen, wo Constantin in der Woche zuvor spontan ein Trainingslager angeordnet hatte.

Zurück zum Sittener Auswärtsfluch. Spätestens in der neuen Saison löst sich dieser von allein. Denn durch den Führungswechsel gehört der FC Basel laut Constantin dann zum Wallis. «Durch den Umbruch wird Basel zum Wallis. Bernhard Burgener ist Walliser. Ihm gehört ein Filmlabel namens Constantin. Raphael Wicky ist Walliser. Was soll ich da noch sagen», sagt Constantin und lacht.

Die Highlights des Cupfinals von 2015:

Cupfinal: FC Basel vs. FC Sion (0:3)

An ein Schwächeln des Serienmeisters glaubt der Präsident nicht: «Wicky war ein guter Spieler und wird ein noch besserer Trainer sein. Burgener kenne ich zwar kaum, aber weil er Walliser ist, kann ich nur Sympathien für ihn empfinden. Klar, man muss abwarten, wie sich die neue Philosophie umsetzen lässt. Aber ich glaube, dass der FC Basel auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen nicht Meister wird.»