Sie sagten vor der Saison, für 15. Ränge würden Sie nicht mehr Ski springen. Nun werden Sie an der WM 14. und machen ein Jahr weiter. Wie das?

Simon Ammann: Der am Freitag kommunizierte Entscheid fiel nicht so spontan, wie es vielleicht den Anschein machte. Wenn man so viel investiert wie gerade im Januar und Februar und derart zielgerichtet am Fortschritt arbeitet, dann macht man das nicht einfach so für nichts. Ich habe es schon länger gespürt, dass es weitergeht, weil ich für mich einen Weg sehe.

Simon Ammann nach dem Teamspringen, das die Schweiz auf dem enttäuschenden 10. Rang beendet hat.

«Wenn du als Sportler nie zufrieden bist, wirst du auch nie ein guter Sportler.»

Simon Ammann nach dem Teamspringen, das die Schweiz auf dem enttäuschenden 10. Rang beendet hat.

Dann sind die Resultate offensichtlich nebensächlich für den Entscheid?

Es war auch für mich erstaunlich, dass ich nach den Leistungen der letzten Saison nochmals einen Schritt rückwärts machte, bevor es endlich wieder anfing, vorwärtszugehen. Da hinterfragt man sich selber immer wieder. Aber wenn man den Weg einmal geht, kann das hier auch nicht der Schluss sein.

Trotzdem erstaunlich für einen Athleten wie Sie, der für sich einen weit höheren Standard erwarten müsste?

Es hat für mich die notwendigen Erfolgserlebnisse gegeben, die mir zeigen, dass es möglich ist, darauf aufzubauen.

Aber das sind doch derzeit nicht die Ränge, die dem Anspruch eines Simon Ammann genügen?

Das muss jeder Athlet mit sich selber ausmachen. Wenn du als Sportler nie zufrieden bist, wirst du auch nie ein guter Sportler.

Wie nahe dran waren Sie Anfang Januar, die Sache aufzugeben?

Ich hatte immer wieder Momente, die mich weiterbrachten, und Sprünge, bei denen ich spürte, dass es etwas bringt, dranzubleiben. Ich bin froh, gab es diese kleinen Erfolgserlebnisse. Solche braucht man einfach.

Stimmen zum Doppelolympiasieg von Simon Ammann im Jahre 2002.

Stimmen zum Doppelolympiasieg von Simon Ammann im Jahre 2002.

Nach der Vierschanzentournee war es schon schwierig. Wir fuhren nach einem missglückten Springen in Innsbruck mit der Meinung nach Bischofshofen, es könne nicht mehr schlimmer werden (beginnt laut zu lachen). Und dann watscht es mir in Bischofshofen wieder voll einen an die Ohren. Und dann gleich die Babypause.

Im Grunde ein perfekter Moment, um abzuschalten?

Ja, aber trotzdem muss man den ganzen Wirbel wieder wirken lassen und versuchen, irgendwie zurückzukommen. Es war schon eine sehr intensive Zeit im Januar.

In den vergangenen Jahren entschieden Sie immer sehr spät, ob Sie weitermachen. Wieso nun derart früh?

Ich wusste schon vor dem Wettkampf ziemlich genau, dass ich es nach dem Sprung bekannt gebe. Für mich ist es gut, jetzt vorwärtszuschauen.

Und wenn der Sprung in die Hosen wäre?

Das habe ich mir nicht so ausgemalt.

Was bedeutet es Ihnen, weitenmässig wieder in den Top 10 zu sein?

Für mich ist wichtiger, dass der Sprung als Ganzes wieder ein anständiges Bild abgibt, wie es hier mehrmals zu sehen war.

Für Sie persönlich war auch der letzte Sprung ein gelungener WM-Abschluss?

Alles in allem war es einer meiner schönsten Sprünge in Lahti. Das Teamergebnis muss man als Erfahrung abtun, aber das war heute eigentlich nicht das Motto.