Sportler im Rollstuhl
Silvano Beltrametti: «Sich einzureden, man sei der Ärmste, hat keinen Sinn»

Vor über zehn Jahren verunglückte Silvano Beltrametti und ist seither selbst querschnittgelähmt. Der Ex-Skifahrer spricht über den schweren Leidensweg zurück und die Frage nach dem Warum.

Johannes von Mandach
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Silvano Beltrametti

Silvano Beltrametti

Silvano Beltrametti, was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie hörten, dass Rony Keller querschnittgelähmt bleibt?

Silvano Beltrametti: So etwas zu hören, ist brutal und niederschmetternd. Für einen jungen Sportler ist es ein harter Schlag. Auf einmal verliert er sämtliche Ziele und muss ein völlig neues Leben beginnen.

Kamen bei Ihnen dabei auch Erinnerungen an Ihren Unfall hoch?

Ja klar. Es war ein einschneidendes Erlebnis, welches mein Leben entscheidend verändert hat.

Was geht einem durch den Kopf, wenn man die Gewissheit bekommt, dass man für immer querschnittgelähmt bleibt?

Man hat nichts mehr unter Kontrolle und fällt in ein tiefes Loch. Man denkt auch an die vielen Dinge, die man nie mehr machen kann, an die Ziele, die man nie erreichen wird.

Welches waren Ihre ersten Schritte zurück ins Leben?

Ich musste vom Alten loslassen und meine Selbstständigkeit zurückgewinnen. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt wie: In zwei Tagen kannst du dein T-Shirt wieder selbst anziehen. Nur so ging es vorwärts.

Stellt sich in solchen Situationen oft die Frage nach dem Warum?

Ja, ich habe mich oft nach dem Warum gefragt, habe aber bald begriffen, dass dies nichts nützt. Sich einzureden, man sei der Ärmste, hat keinen Sinn. Man darf nicht mit dem Schicksal hadern, sondern muss nach vorne schauen, sich immer wieder neue Ziele setzen und geduldig bleiben.

Haben Sie ans Aufgeben gedacht?

Nein. Ich war erst mal froh, dass ich überlebt habe. Als ich nach dem Unfall im Spital war, lag neben mir ein 14-jähriges Mädchen. Sie wird selbst ihre Hände nie wieder bewegen können. Es hätte also noch deutlich schlimmer kommen können. Dies habe ich mir dann auch immer wieder vor Augen geführt.

Nach solch schlimmen Unfällen entsteht eine grosse Solidarität in der Bevölkerung, wie in diesem Falle auf Facebook. Bekommt man diese mit?

Natürlich spürt man das grosse Mitleid. Die positive Anteilnahme hat mir sehr geholfen!

War dies das Wichtigste für Sie?

Nein. Das enge Umfeld bleibt das Wichtigste. Wir sind miteinander diesen schwierigen Weg gegangen und haben zusammen die Hürden gemeistert.

Wie geht es Ihnen heute?

Mir geht es sehr gut. Ich bin beruflich erfolgreich und darf zusammen mit meiner Frau ein Hotel auf der Lenzerheide führen. Auch durfte ich die Organisation für die kommenden Weltcuprennen auf der Lenzerheide übernehmen. Zudem baute ich neue Hobbys auf und führe nun ein glückliches Leben. Der Kampf zurück hat sich gelohnt.

Hat sich Ihre Lebensphilosophie nach dem Unfall verändert?

Ja, ich sehe einiges lockerer als früher. Ich habe gelernt, viel besser mit Problemen umzugehen und geniesse die schönen Momente des Lebens viel intensiver als früher. Ich geniesse mein Leben so, wie es ist.

Was geben Sie Ronny Keller auf den schwierigen Weg mit?

Er darf nicht aufgeben, auch wenn für ihn momentan alles schwarz scheint. Es wird eine harte Zeit, doch ich bin überzeugt, dass er sich wieder zurückkämpfen wird. Er wird auch als Querschnittgelähmter noch vieles machen und erleben dürfen. Irgendeinmal wird er sehen, dass der Unfall etwas Gutes hatte. Auch wenn dies für ihn momentan noch nicht greifbar ist.

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