Eishockey

Siege allein sind beim grossen SC Bern nicht genug

Blicke sagen mehr als Worte: SCB-Coach Guy Boucher schaut mit düsterer Miene in die Zunkunft.

Blicke sagen mehr als Worte: SCB-Coach Guy Boucher schaut mit düsterer Miene in die Zunkunft.

SCB-Manager Marc Lüthi ist zornig. Für Trainer Guy Boucher ist diese Situation alles andere als gut. Muss der Kanadier gar um seinen Job als Coach bei den Mutzen bangen?

Früher achtete das Volk sorgenvoll auf die Launen der Kaiser und Könige. Um gegen die Fährnisse des Alltages gewappnet zu sein. Und so ist es noch heute im grössten nationalen HockeyKönigreich. In Bern. Beim SC Bern, dem Hockey-Konzern mit über 50 Millionen Umsatz. Sage mir, wie König Marc Lüthi gelaunt ist und ich sage dir, wie es um seine Untertanen beim SCB steht.

Auf den ersten Blick gibt es keinen Grund zur Sorge. Der SCB steht in der Tabelle auf dem 4. Platz. Acht Punkte zwar hinter Rang drei und nur mit zwei Verlustpunkten Reserve auf den Strich. Das ist in dieser ausgeglichenen Meisterschaft noch lange kein Grund zur Unruhe. Aber so wie der Mensch nicht vom Brot alleine, so lebt der SCB halt nicht alleine von Siegen.

Die Berner sind wirtschaftlich gerade deshalb so erfolgreich (seit 2001 immer Gewinn und die höchsten Zuschauerzahlen Europas), weil Marc Lüthi den SCB als Unternehmen der Unterhaltungsindustrie positioniert. Er betrachtet die Zuschauerinnen und Zuschauer als seine Kunden und ihre Zufriedenheit ist ihm sehr wichtig. Er will, dass die Mannschaft etwas bietet. Es muss «räble», rocken und rollen, wenn der SCB auftritt.

Minuskulisse beim den Berner

Der SCB hat gegen Biel soeben vor 15 903 Zuschauerinnen und Zuschauern 4:1 gewonnen. Eigentlich ein Grund zur Freude. Aber es ist die tiefste Zuschauerzahl in einem Derby gegen Biel seit 2013 und richtig «gräblet» hat es nicht. Das hat einen Grund: am Vorabend haben sich die Berner in Langnau mit einer 2:4-Niederlage blamiert.

Die Episode wird von Gewährsleuten verbürgt und ist mit grossem Vergnügen noch am gleichen Abend in einem vornehmen Wirtshaus am Platz erzählt worden: Marc Lüthi hat dem Schauspiel oben auf der Jakob-Galerie beigewohnt. Nach dem Spiel habe er sich mit der Bemerkung verabschiedet: «Jetzt zitiere ich den Boucher ins Büro!» Und zuvor etwas gebrummt wie «das ist den Fans nicht mehr zuzumuten».

Solche Berichte alarmieren und elektrisieren. Dann ist der Trainer in Gefahr. Tatsächlich bieten die SCB-Spiele unter Trainer Guy Boucher kaum mehr Unterhaltung. Um es in einem Satz zu sagen: Die talentierteste und teuerste SCB-Mannschaft aller Zeiten arbeitet Hockey. Sie spielt nicht mehr. Ist der Unterhaltungswert gering, dann ist in Bern der Trainer schuld. Am 21. Oktober 2011 hat Marc Lüthi seinen Meistertrainer Larry Huras nach einer Niederlage gegen die ZSC Lions gleich standesrechtlich entlassen. Die Mannschaft stand damals besser da als heute: zwar «nur» auf Rang 5, aber bloss zwei Punkte hinter dem Dritten und mit elf Zählern Reserven auf den Strich.

Wenn der Zorn die Amtszeit verkürzt

Musste also Guy Boucher am Samstagvormittag nach der schmählichen Niederlage in Langnau und vor der Partie gegen Biel beim Chef antraben? Marc Lüthi ist nicht nur der charismatischste Sportmanager des Landes. Er ist auch ein grandioser Kommunikator, der auf der Tastatur der Medien spielt wie auf einem Piano.

Also haben mehrere Chronisten, auch einer vom Boulevard, versucht, ihn zu fragen, was mit dem Trainer war. Per SMS und per Hosentelefon. Mehrmals. Aber Marc Lüthi hat, ganz und gar gegen seine Gewohnheit, nicht geantwortet. Nicht mal mit dem legendären, sarkastischen «Schafseckel!». Weder Dementi noch Bestätigung.

Marc Lüthi ist ein anständiger, freundlicher Mann. Gerade deshalb ist im Gedächtnis der Chronisten eine Szene nach dem 2:4 in Langnau haften geblieben: Der SCB-General verlässt eilenden Schrittes, mit steinerner Miene und die Hände tief in der schicken schwarzen Lederjacke vergraben, wort- und grusslos den Kabinengang. Kein Schelm, wer sagt: je früher es Guy Boucher gelingt, die Miene seines Chefs wieder aufzuhellen, desto besser. Der Zorn Marc Lüthis hat schon immer die Amtszeit des Trainers verkürzt.

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