HC Lugano
Shedden in Lugano: Die Geschichte eines perfekten Trainerwechsels

Patrick Fischer hat die Revolution angezettelt, Doug Shedden vollendet sie. Der HC Lugano ist erstmals nach dem Titel von 2006 wieder ein Meisterkandidat.

Klaus Zaugg
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Unter dem neuen Trainer Doug Shedden fand Lugano zum Siegen zurück

Unter dem neuen Trainer Doug Shedden fand Lugano zum Siegen zurück

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Am 30. Oktober steht Doug Shedden (54) in Lugano gegen die SCL Tigers erstmals an der Bande (4:2). Inzwischen hat er
16 von 20 Partien gewonnen. Lugano ist seit seiner Amtsübernahme das beste Team der Liga. Ein Trainerwechsel mit durchschlagender Wirkung. War also sein Vorgänger Patrick Fischer (jetzt unser Nationaltrainer) ein Versager?

Tatsächlich ist Fischer (40) in Lugano arg kritisiert worden. Zweimal hintereinander scheiterte er bereits in den Viertelfinals an Servette. Einer der Stars im Team sagte über ihn kurz und bündig: «He has no clue.» («Er hat keine Ahnung»).

Die benötigte Revolution

Dieses harte Urteil hatte seine Richtigkeit. Patrick Fischer fehlte die Erfahrung, um das Spiel dieses hochtalentierten Teams zu strukturieren. Und doch greift die Kritik zu kurz. Die Verdienste des aktuellen Nationaltrainers an der Renaissance der teuersten Mannschaft ausserhalb der NHL und der KHL sind nicht hoch genug einzuschätzen. Er hatte erkannt, dass es eine Revolution braucht. Einen Neuanfang. Eine andere Mentalität. Präsidentin Vicky Mantegazza unterstützte diese Revolution und verlängerte den Vertrag noch kurz vor dieser Saison demonstrativ bis ins Jahr 2018. Tatsächlich erreichte Fischer in der Qualifikation mit einem 5. und einem 3. Schlussrang 2014 und 2015 die besten Klassierungen seit 2008. Aber in den Playoffs scheiterte er an Chris McSorley. Einem der cleversten Coaches ausserhalb der NHL. Er war an seine Grenzen gestossen.

Aber es gab kein Zerwürfnis zwischen den Spielern und dem Trainer, wie es bei klassischen Trainerentlassungen oft der Fall ist. Captain Steve Hirschi, schon im letzten Meisterteam von 2006 ein Leitwolf, sagt dazu: «Wir suchten gemeinsam mit unserem Trainer einen Weg und wir wollten mit ihm aus der Krise kommen. Aber es ist uns nicht gelungen.» Er kann gut erklären, was unter Doug Shedden anders geworden ist. «Er hat das Spiel vereinfacht. Jeder weiss, was er in bestimmten Situationen zu tun hat.» Der neue Trainer hat also die Revolution, die Patrick Fischer angezettelt hat, bloss geordnet. Ohne dass dabei die Spielfreude verloren gegangen und die Kreativität zu sehr eingeschränkt worden ist. Es ist die Balance zwischen taktischen Freiheiten und taktischer Disziplin, die bei so vielen so talentierten Spielern so schwierig zu finden ist. Der Trainerwechsel ist wirkungsvoll, weil dadurch nicht ein Bruch und vollständiger Neuanfang provoziert worden ist. Sondern eine positive Entwicklung unter neuem Kommando weiter vorangetrieben wird.

«Wir sind da, um die Leute zu unterhalten»

Doug Shedden ist des Lobes voll über seine Jungs und seinen neuen Arbeitsplatz. Zwar rühmen alle Kanadier den Klub, bei dem sie gerade arbeiten. Aber bei Shedden ist die Begeisterung echt. Er weiss das Talent seiner Mannschaft zu schätzen und die tollen Arbeitsbedingungen im Kalifornien der Schweiz auch. Er hat gute Voraussetzungen, um als erster Coach seit 2006 in Lugano erfolgreich zu sein. Da ist einmal die veränderte Mentalität, die Einsicht, dass sich etwas ändern muss als Erbe von Patrick Fischer. Und mit Doug Shedden hat Lugano endlich einen Coach mit viel Selbstironie und Sinn für Humor, ohne dabei zum Clown zu werden. Einer, der besser als die meisten seiner Vorgänger versteht, dass Eishockey ein Teil der Unterhaltungs-Industrie ist, seine Autorität mit der richtigen Prise Lockerheit zu versüssen versteht und sagt: «Wir sind da, um die Leute zu unterhalten.»
Dieser Spassfaktor ist in Lugano nach Jahren mit vielen Hockey-Puritanern wie John Slettvoll, Kenta Johansson, Barry Smith oder Hannu Virta verloren gegangen. Zum ersten Mal hat Shedden in der NLA eine Mannschaft, die gut genug ist, um eine Meisterschaft zu gewinnen. Und Lugano erstmals den Trainer, der den nächsten Titelgewinn seit 2006 möglich macht.

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