Der Schweizerische Fussballverband (SFV) will diskutieren, ob Doppelbürger nicht mehr vom Verband ausgebildet und in die Nationalmannschaft berufen werden sollen. Der SFV befeuert damit die Doppeladler-Affäre erneut, die er eigentlich für beendet erklärt hatte. Aus der Doppeladler-Diskussion wir nun eine Doppelbürger-Debatte.

Das Gesicht dieser Polemik ist SFV-Generalsekretär Alex Miescher: Man wage einen Vorstoss und überprüfe, wie die Resonanz ist, sagte er gegenüber Medien: «Wenn es dann heisst, es sei eine Schnapsidee, dann ist das okay.»

Der Generalsekretär des Schweizer Fussballverbands zeigt Fotografen an der WM in Russland seine Akkreditierung.

Alex Miescher: Nationalmannschaft ohne Doppelbürger?

Der Generalsekretär des Schweizer Fussballverbands zeigt Fotografen an der WM in Russland seine Akkreditierung.

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Die Reaktionen in den Sozialen Medien können ihm nicht gefallen. Droht dem SFV ein herber Image-Schaden?

Kaum jemand, der den Vorschlag begrüsst. Es lassen sich grob fünf Gruppen von Reaktionen und Argumenten ausmachen:

1. Der Qualitätsverlust

Eine häufige Argumentation der Twitterer ist: Würde man die Doppelbürger aus der Schweizer Nationalmannschaft ausschliessen, dann würde der Substanzverlust die Schweiz auf ein tieferes Niveau sinken lassen. Das kleine San Marino ist ein genanntes Beispiel. 

Das sieht auch die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr so:

2. Die Logik-Lücke

Ist das Problem gelöst, wenn ein Spieler einen von zwei Pässen abgibt? Nein, meint Nationalrätin Irène Kälin. Ob man zu einem Land hält, hängt mit dessen Gefühlen zum Herkunftsland zusammen, ist also administrativ nicht zu lösen:

Überhaupt verstehen viele nicht, warum der Fussballverband die Diskussion mit der Doppelbürger-Debatte neu anheizt, nachdem er sich bei der Doppeladler-Affäre um Ruhe bemüht hatte und immer wiederholte, dass die Pose nichts mit Politik zu tun habe, sondern Ausdruck der Freude sei.

3. Der Querverweis

Welche Auswirkungen hat die Debatte auf andere Sportarten? Was ist zum Beispiel mit Tennis? Roger Federer besitzt auch die Südafrikanische Staatsbürgerschaft. Soll er diese abgeben müssen? Gar gesperrt werden, falls er dies nicht tut?

4. Die Solidarität-Bezeugung

Der Angriff auf die Doppelbürger unter den Nati-Spielern lässt viele Twitterer für sie Partei ergreifen: 

Andere erinnern daran, dass in der Schweiz 1,5 Millionen Doppelbürger leben. Das ist jeder vierte Schweizer. Und die Twitterer fragen sich, warum der SFV denen an den Karren fährt.

5. Die Flucht in den Zynismus

Mancher flüchtet sich in Zynismus. Schauspieler und Oltner Mike Müller geht auf Distanz zum Solothurner Kantonskollegen Miescher:

Entlarvend auch diese Meinung:

Dieser schweiz-italienische Doppelbürger reagiert nur noch genervt:

Die Claqueure

Und wo bleibt der Applaus für den Schweizer Fussballverband und dessen Generalsekretär Miescher? Auf Twitter kaum zu finden. Es melden sich rechte Kreise, die lieber mit "echten" Schweizern untergehen, als mit "falschen" Schweizern zu siegen.