Europa-League-Final
Sevilla-Coach Emery: «Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau»

Eindrücke, Reaktionen und Gefühle nach dem packenden Europa-League-Final zwischen Sevilla und Liverpool (3:1) im Basler St. Jakob-Park.

Sebastian Wendel
Drucken
Teilen
Da, wo er hingehört: Der Europa-League-Pokal inmitten der jubelnden Fans und Spieler von Sevilla.

Da, wo er hingehört: Der Europa-League-Pokal inmitten der jubelnden Fans und Spieler von Sevilla.

KEYSTONE

Es war ein kurzer, heftiger Flirt. 45 Minuten lang. Dann besann sich die Ehefrau und kroch zurück ins Ehebett. Dort wartete Unai Emery bereits sehnsüchtig. Und der Sevilla-Coach strahlte über das ganze Gesicht, als er weit nach Mitternacht vor den Journalisten den erneuten Triumph in der Europa League aufarbeitete: «Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau. Wir lieben die Europa League. In jedem Training, in jedem Moment in der Garderobe haben wir daran gedacht und geglaubt, dass wir den Final in Basel gewinnen. Drei Jahre sind wir nun zusammen. Und ich hoffe, es geht noch lange so weiter.»

Unai Emery: «Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau. Wir lieben die Europa League. In jedem Training, in jedem Moment in der Garderobe haben wir daran gedacht und geglaubt, dass wir den Final in Basel gewinnen. Drei Jahre sind wir nun zusammen. Und ich hoffe, es geht noch lange so weiter.»

Unai Emery: «Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau. Wir lieben die Europa League. In jedem Training, in jedem Moment in der Garderobe haben wir daran gedacht und geglaubt, dass wir den Final in Basel gewinnen. Drei Jahre sind wir nun zusammen. Und ich hoffe, es geht noch lange so weiter.»

Keystone

Eine Halbzeit lang schien die Beziehung in die Brüche zu gehen. Liverpool war besser. Liverpool war williger. Liverpool war auf bestem Weg, Sevilla die grosse Liebe auszuspannen. Dann besannen die Andalusier sich ihres Stolzes und brauchten nach dem Wiederanpfiff nur gerade 17 Sekunden, um den Gelüsten der Engländer den Riegel vorzuschieben. 1:1. Von dieser Attacke der scheinbar gehörnten Spanier erholten sich die Engländer nicht mehr, zwei weitere Tore später schlichen sie im Regen von Basel von dannen. Ebenso ihre Fans, die zuvor in der Innenstadt und später im Stadion eine imposante und unglaublich laute Kulisse bildeten. Aber halt nur so lange, bis der Torero aus Sevilla zum Gegenangriff ausholte. Keine Torchancen, keine Fangesänge – die zweite Halbzeit war aus Liverpooler Sicht ein Debakel. Zehn Minuten nach Schlusspfiff war der englische Fansektor im St. Jakob-Park verwaist.

Die besten Fotos vom Europa-League-Final in Basel

So sieht Freude aus: Sevillas Torhüter Soria jubelt nach dem Titelgewinn in die Fankurve
19 Bilder
Die besten Fotos vom Europa-League-Final in Basel
So sieht Enttäuschung aus: Liverpools Spieler nach dem Abpfiff
Sevilla-Captain Coke feiert seinen zweiten Treffer zum 3:1 Endstand
Die Fans von Sevilla feiern iher Mannschaft
Coke (r.) und Kevin Gameiro feiern das 2:1 für Sevilla
Sevillas Spieler feiern den Ausgleichstreffer zum 1:1
Liverpools Kolo Toure kann Sevillas Kevin Gameiro auch nicht am Tor zum 1:1 hindern
Gameiro bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich
Die Spieler von Liverpool feiert den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0
Sevilla-Keeper Soria streckt sich vergebens gegen den Schuss von Liverpools Daniel Sturridge - der Ball landet zum 1:0 für Liverpool im Tor
Liverpools Daniel Sturrdige feiert seinen Treffer zur 1:0-Führung
Harter Zweikampf zwischen Dejan Lovren (l.) und Sevillas Kevin Gameiro unter den Augen von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp
Auch Fifa-Präsident Gianni Infantino lässt sich das Finalspiel nicht entgehen
Der St. Jakob-Park erstrahlt während der Eröffnungszeremonie in seiner ganzen Pracht
Die Liverpool-Fans bei der Intonierung ihrer Hymne «You'll never walk alone»
Liverpool-Trainer Jürgen Klopp begrüsst die Zuschauer
Die Spieler von Liverpool beim Aufwärmen vor der Partie
Auch die Fans von Sevilla sind nicht weniger fanatisch im Stadion

So sieht Freude aus: Sevillas Torhüter Soria jubelt nach dem Titelgewinn in die Fankurve

Keystone

Anders auf der anderen Seite des Spielfeldes, wo die Sevilla-Spieler und ihre Fans dem Regen trotzten und noch lange nach der Pokalübergabe feierten. Eindrücklich. Das war der Auftritt des FC Sevilla in der zweiten Halbzeit. Es bewahrheitete sich, was im Voraus angenommen werden musste. Der Euphorie um das Liverpool von Jürgen Klopp zum Trotz: Erreicht Sevilla sein Betriebsniveau und haben die Liverpooler nicht alles Glück auf ihrer Seite und geraten so in einen Rausch – dann wird Sevilla diesen Final gewinnen. Warum? Die Antwort liefert Liverpool-Coach Jürgen Klopp selber: «Nach sieben Monaten ist meine Arbeit noch nicht nachhaltig genug, um in einem Final mental und spielerisch zu bestehen. Sevilla war so gallig, wie man es sein muss, um einen Final zu gewinnen.»

Und dann noch der Flachwitz

Die Ordnung war nach 94 Minuten also wieder hergestellt. Im Liebesleben der Europa League. Und auch bei den Kräfteverhältnissen im europäischen Klubfussball: Nach dem Sieg von Sevilla steht fest, dass auch 2016 beide Pokale, der Europa-League-Kelch und der Champions-League-Henkelpott, nach Spanien gehen. Wie schon 2014 und 2015. Die Vermarktung und die Stadien der Engländer und Deutschen mögen attraktiver sein als in Spanien – in Sachen Tempo, Technik und Taktik schwingt «La Liga» weit obenaus. Emery, der detailverliebte Trainer des FC Sevilla, hat noch eine andere, romantische Erklärung für die spanische Übermacht: «Wir Spanier lieben die K.-o-Spiele, die Entscheidung in Hin- und Rückspiel. Dank dieser Leidenschaft sind wir jederzeit fähig, auch Gegner zu schlagen, die auf dem Papier stärker sind als wir.»

Sevilla, in der Meisterschaft nur auf Rang 7 gelandet, hat sich mit dem Sieg gegen Liverpool einen Platz in der Champions-League-Gruppenphase gesichert. Dass die Andalusier nun auch in der Königsklasse den grossen Wurf anpeilen, ist unwahrscheinlich. Am Mittwoch sagte ein spanischer Journalist: «Sevilla wird das Champions-League-Geld nehmen und sich darauf konzentrieren, in der Gruppe den dritten Platz zu erreichen.» Dieser würde Sevilla in die K.-o-Phase der Europa League führen – und zurück in die Arme der Ehefrau.

Und Liverpool? Die stehen mit leeren Händen da. Der Final war die letzte Chance, in der nächsten Saison doch noch international dabei zu sein. Dafür hätte der persönliche Final-Fluch von Jürgen Klopp gebannt werden müssen – der Deutsche hat als Trainer alle Endspiele verloren. Der Abend brachte Klopp auch nach dem Schlusspfiff kein Glück, als ihm SRF-Reporter Lukas Studer einen peinlichen Flachwitz vortrug. «Kopf hoch? Oder Klopp hoch?», lautete die Frage an Klopp. Dieser zischte kopfschüttelnd ab. Um was zu tun? «Trainieren – dafür haben wir jetzt ja genügend Zeit.» Damit es beim nächsten Mal nicht nur beim Flirt bleibt.

Eindrücke vom Europa-League-Final 2016 in Basel:

Ernüchterung nach dem Spiel
91 Bilder
Enttäuschte Fans beim Public Viewing
Enttäuschte Fans beim Public Viewing
Da steht einer gerne im Mittelpunkt
Wimmelbild vom Feinsten
Da braucht es auch mal eine Pause
Basel macht sich für den Europa-League-Final bereit
2014947672
Noch ein Selfie
Die Fans geniessen am Rhein das tolle Wetter.
Einge vergnügen sich auf etwas andere Art
Das Skelett vor dem Naturhistorischen Museum wurde verschönert
Die Fahnen hängen
Dieser Fan hat sich ein Bildnis des Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán, dem Stadion des FC Sevilla, auf den Rücken tätowiert
Hmm, ob da wer Hunger hat
Die Sevillanos haben ihre Fahnen auch aufgehängt
Kein Platz wird nicht mit Fahnen behangen
Überall wird gesungen und lautstark der Name der eigenen Mannschaft skandiert
Jeder stellt sich gerne vor die Kamera
Auf der Grossleinwand auf dem Barfi werden die Fans auf das Spiel eingestimmt.
Die zweite Leinwand auf dem marktplatz haben noch nicht so viele Fans gefunden.
Das viele Bier muss auch mal raus.
Der Claraplatz hat sich auch gefüllt.
Die Sevillanos haben das Schwarzwaldmädchen auf dem Clarabrunnen geschmückt.
Ein Selfie an die Daheimgebliebenen
Da sammelt sich der Abfall
Der Öffentliche Verkehr ist in Basel zum Erliegen gekommen
Alles was ein Fan braucht: Sonne, Spass und Bier
Der Pegel ist bei einigen jetzt schon hoch
Für Nachschub ist gesorgt
Ein Liverpool-Fan tanzt oben ohne.
Campino von den «Toten Hosen» und der deutsche Photograph Paul Ripke auf dem Barfi
Ein Liverpool-Fan macht mit einem Rauchtopf und viel Enthusiasmus Stimmung
In der Sonne beim Bahnhof lässt sich das Bier auch geniessen.
Die Tramstrecke zwischen Barfüsserplatz und Claraplatz ist gesperrt - zu viele Menschen sind hier unterwegs.
Scousers auf dem Barfi
Noch ein Erinnerungsfoto mit dem schönen Rhein.
Die Sevillanos haben ihre Fanzone auch gefunden.
Gemütliche Stimmung bei den Sevilla-Fans.
Die Liverpool-Fans dekorieren ihre Fanzone.
Die Fans werden am Bahnhof von ihresgleichen empfangen.
Die letzten Vorbereitungen im Stadion
Am Euro-Airport kamen mit Extraflügen die Fans aus Spanien an.
Mit Extrabussen werden sie in die Stadt transportiert.
Für Fragen der Fans, die mit dem öffentlichen Verkehr in die Stadt reisen, sind BVB-Mitarbeiter zur Stelle.
Die Liverpudlians nehmen langsam aber sicher die Stadt ein.
In Pubs, Beizen und auf den öffentlichen Plätzen fiebern sie dem Final heute Abend entgegen.
Auch dieser Liverpool-Fan macht sich warm.
Noch mit dem richtigen Schal eindecken.
Es hat genug.
Auch die Shirts des FC Liverpool sind beliebt.
Vor dem Joggeli ist alles für den heutigen Abend vorbereitet.
Die «Road to Basel» findet endlich ihr Ziel.
Anlässlich des Europa-League-Finals hat die Uefa der Stadt Basel einen Kunstrasen geschenkt
Alex Frei nahm diesen Rasen, der auf der Liesbergermatte liegt, als Ambassador des Finals offiziell entgegen.
Alex Frei enthüllt das offizielle Schild.
Frei, der unweit vom neune Kunstrasenfeld an der Güterstrasse aufgewachsen ist, war sichtlich stolz.
Bei dieser Gelegenheit unterhielt sich Frei noch mit den Kindern ...
... die als erstes auf dem neuen Feld spielen durften.
Die Teams werden auf ihr Spiel vorbereitet.
Das Spiel in vollem Gange.
Hier entsteht das offizielle Erinnerungsfoto.
Auch auf dem Münsterplatz ist nicht mehr zu übersehen, dass in Basel Ausnahmezustand herrscht.
Für die Tage vor und während dem Final wurde extra ein Fussballfeld auf dem Münsterplatz installiert ...
... auf dem Kinder um Tickets für den Final spielen konnten.
Auf dem Münsterplatz gibt es aber noch weitere Attraktionen.
Und auch auf dem Marktplatz ist dank der riesigen Pokal-Imitation nicht zu übersehen, welcher Grossanlass in Basel stattfindet.
Mit dem Pokal werden auch gerne schon mal Selfies geschossen. Ob die Liverpool-Profis heute Abend dasselbe mit dem echten Pokal tun können?

Ernüchterung nach dem Spiel

Keystone