Es war ein kurzer, heftiger Flirt. 45 Minuten lang. Dann besann sich die Ehefrau und kroch zurück ins Ehebett. Dort wartete Unai Emery bereits sehnsüchtig. Und der Sevilla-Coach strahlte über das ganze Gesicht, als er weit nach Mitternacht vor den Journalisten den erneuten Triumph in der Europa League aufarbeitete: «Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau. Wir lieben die Europa League. In jedem Training, in jedem Moment in der Garderobe haben wir daran gedacht und geglaubt, dass wir den Final in Basel gewinnen. Drei Jahre sind wir nun zusammen. Und ich hoffe, es geht noch lange so weiter.»

«Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau. Wir lieben die Europa League. In jedem Training, in jedem Moment in der Garderobe haben wir daran gedacht und geglaubt, dass wir den Final in Basel gewinnen. Drei Jahre sind wir nun zusammen. Und ich hoffe, es geht noch lange so weiter.»

Unai Emery:

«Dieser Wettbewerb ist wie unsere Ehefrau. Wir lieben die Europa League. In jedem Training, in jedem Moment in der Garderobe haben wir daran gedacht und geglaubt, dass wir den Final in Basel gewinnen. Drei Jahre sind wir nun zusammen. Und ich hoffe, es geht noch lange so weiter.»

Eine Halbzeit lang schien die Beziehung in die Brüche zu gehen. Liverpool war besser. Liverpool war williger. Liverpool war auf bestem Weg, Sevilla die grosse Liebe auszuspannen. Dann besannen die Andalusier sich ihres Stolzes und brauchten nach dem Wiederanpfiff nur gerade 17 Sekunden, um den Gelüsten der Engländer den Riegel vorzuschieben. 1:1. Von dieser Attacke der scheinbar gehörnten Spanier erholten sich die Engländer nicht mehr, zwei weitere Tore später schlichen sie im Regen von Basel von dannen. Ebenso ihre Fans, die zuvor in der Innenstadt und später im Stadion eine imposante und unglaublich laute Kulisse bildeten. Aber halt nur so lange, bis der Torero aus Sevilla zum Gegenangriff ausholte. Keine Torchancen, keine Fangesänge – die zweite Halbzeit war aus Liverpooler Sicht ein Debakel. Zehn Minuten nach Schlusspfiff war der englische Fansektor im St. Jakob-Park verwaist.

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Anders auf der anderen Seite des Spielfeldes, wo die Sevilla-Spieler und ihre Fans dem Regen trotzten und noch lange nach der Pokalübergabe feierten. Eindrücklich. Das war der Auftritt des FC Sevilla in der zweiten Halbzeit. Es bewahrheitete sich, was im Voraus angenommen werden musste. Der Euphorie um das Liverpool von Jürgen Klopp zum Trotz: Erreicht Sevilla sein Betriebsniveau und haben die Liverpooler nicht alles Glück auf ihrer Seite und geraten so in einen Rausch – dann wird Sevilla diesen Final gewinnen. Warum? Die Antwort liefert Liverpool-Coach Jürgen Klopp selber: «Nach sieben Monaten ist meine Arbeit noch nicht nachhaltig genug, um in einem Final mental und spielerisch zu bestehen. Sevilla war so gallig, wie man es sein muss, um einen Final zu gewinnen.»

Und dann noch der Flachwitz

Die Ordnung war nach 94 Minuten also wieder hergestellt. Im Liebesleben der Europa League. Und auch bei den Kräfteverhältnissen im europäischen Klubfussball: Nach dem Sieg von Sevilla steht fest, dass auch 2016 beide Pokale, der Europa-League-Kelch und der Champions-League-Henkelpott, nach Spanien gehen. Wie schon 2014 und 2015. Die Vermarktung und die Stadien der Engländer und Deutschen mögen attraktiver sein als in Spanien – in Sachen Tempo, Technik und Taktik schwingt «La Liga» weit obenaus. Emery, der detailverliebte Trainer des FC Sevilla, hat noch eine andere, romantische Erklärung für die spanische Übermacht: «Wir Spanier lieben die K.-o-Spiele, die Entscheidung in Hin- und Rückspiel. Dank dieser Leidenschaft sind wir jederzeit fähig, auch Gegner zu schlagen, die auf dem Papier stärker sind als wir.»

«Klopp hoch?»: SRF-Mann Lukas Studer verärgert Jürgen Klopp.

«Klopp hoch?»: SRF-Mann Lukas Studer verärgert Jürgen Klopp.

Sevilla, in der Meisterschaft nur auf Rang 7 gelandet, hat sich mit dem Sieg gegen Liverpool einen Platz in der Champions-League-Gruppenphase gesichert. Dass die Andalusier nun auch in der Königsklasse den grossen Wurf anpeilen, ist unwahrscheinlich. Am Mittwoch sagte ein spanischer Journalist: «Sevilla wird das Champions-League-Geld nehmen und sich darauf konzentrieren, in der Gruppe den dritten Platz zu erreichen.» Dieser würde Sevilla in die K.-o-Phase der Europa League führen – und zurück in die Arme der Ehefrau.

Und Liverpool? Die stehen mit leeren Händen da. Der Final war die letzte Chance, in der nächsten Saison doch noch international dabei zu sein. Dafür hätte der persönliche Final-Fluch von Jürgen Klopp gebannt werden müssen – der Deutsche hat als Trainer alle Endspiele verloren. Der Abend brachte Klopp auch nach dem Schlusspfiff kein Glück, als ihm SRF-Reporter Lukas Studer einen peinlichen Flachwitz vortrug. «Kopf hoch? Oder Klopp hoch?», lautete die Frage an Klopp. Dieser zischte kopfschüttelnd ab. Um was zu tun? «Trainieren – dafür haben wir jetzt ja genügend Zeit.» Damit es beim nächsten Mal nicht nur beim Flirt bleibt.

Eindrücke vom Europa-League-Final 2016 in Basel: 

UEFA-Finale: Basel im Ausnahmezustand

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Basel - 18.05.2016 - Vor dem Finale versammelten sich die Fans der gegnerischen Teams aus Liverpool und Sevilla in der Innnenstadt.