Roger Federer: Wie ein kleines Kind
Severin Lüthi: «Bei Roger merkst du, dass er es gerne macht»

Roger Federer hat im Tennis mit seinen 36 Jahren seine Formel für ewige Jugend gefunden. «Im Kopf ist Roger 16 Jahre alt, in den Beinen 26 und im Pass 36», meint sein ehemaliger Gegner Fabrice Santoro.

Simon Häring
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Leidenschaft und Enthusiasmus halten Roger Federer jung.

Leidenschaft und Enthusiasmus halten Roger Federer jung.

KEYSTONE

In der Welt, in der sich Roger Federer (36) bewegt, ist Erfolg zweifellos noch immer die oberste Maxime. Doch mit jedem Tag seiner Karriere verliert sie an Bedeutung. Federer bestreitet seine 20. Saison als Profi. Er hat in diesem Sport alles gewonnen. Er ist heute nicht nur Tennisspieler, sondern auch vierfacher Vater, Ehemann, Präsident der eigenen Stiftung.

Was treibt einen wie ihn also noch an? Die Jagd nach Trophäen kann es nicht sein. Glaubt man ehemaligen Weggefährten, ist die Antwort einfach: Er liebt das Tennis noch immer so sehr wie am ersten Tag.

«Liebe ich es mehr denn je? Es wäre unfair, diese Frage mit Ja zu beantworten», sagt Federer. «Denn ich habe es immer geliebt. Schon damals, als alles neu war und ich gegen alle meine Helden aus dem Fernsehen spielen konnte. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge im Süssigkeitenladen.»

Bis heute hat er sich diese kindliche Freude bewahrt. Sein Trainer Severin Lüthi sagt: «Bei allen anderen hast du das Gefühl, es sei Arbeit. Bei Roger merkst du hingegen, dass er es gerne macht. Sein Enthusiasmus ist auch für mich inspirierend.»

Heute trifft Federer in den Halbfinals der Australian Open auf Hyeon Chung. Geht es nach ihm, ist es nicht der letzte Höhepunkt. «Es sind grossartige Zeiten in meinem Leben und in meiner Karriere. Es ist unglaublich, dass ich noch Tennis spielen kann. Ist es die beste Zeit überhaupt? Ich bin nicht sicher. Aber es sind definitiv gute Zeiten.»

Goran Ivanisevic

Goran Ivanisevic

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Goran Ivanisevic (46)

«Erstmals traf ich Roger 1999. Er war noch ein Junior und hat mich für den Halbfinal eingespielt. Schon damals sah man sein Talent. Er kann Tennis auf 77 verschiedene Arten spielen - er hat nicht nur einen Plan B.

Er spielt mit seinem Gegner, geniesst das Tennis und will immer noch dazulernen. Auf dem Platz ist Roger wie ein kleines Kind, und das ist er auch in der Kabine. Roger ist einer, der auch gerne einmal einen Spruch fallen lässt. Er war schon immer ein grossartiger Kerl.»

Fabrice Santoro

Fabrice Santoro

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Fabrice Santoro (45)

«1999 habe ich in Toulouse gegen dieses 18-jährige Talent gespielt. Seither sah ich Roger wachsen – als Mann, als Spieler, als Athlet. Wir versuchen immer, Champions miteinander zu vergleichen, aber Roger ist einzigartig.

Er liebt das Spiel wie am ersten Tag. Wenn er für ein grosses Spiel auf den Platz geht, hast du das Gefühl, er mache das zum ersten Mal, das beeindruckt mich am meisten. Ich sage immer: Im Kopf ist Roger 16 Jahre alt, in den Beinen 26 und im Pass 36.»

Mark Woodforde

Mark Woodforde

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Mark Woodforde (52)

«Rogers Ex-Trainer Peter Carter hat mich ihm vorgestellt, wir sind beide aus Adelaide. Er sagte mir: Behalte Roger im Auge. Zu sehen, wie er später Major-Turniere gewann, war eine grosse Freude.

Was auch immer das für ein Elixier ist, das Roger nimmt: Ich wünschte, er würde es an mich weitergeben. Roger ist ein Sieger auf dem Platz, aber auch ein Champion in der Kabine. Es gibt niemanden, der es nicht geniesst, um ihn herum zu sein. Ohne ihn wird das Tennis langweilig.»

Pat Rafter

Pat Rafter

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Pat Rafter (45)

«Ich spielte 1999 in Paris gegen Roger. Sand war nie meine beste Unterlage, trotzdem gewann ich. Als Roger auf die Tour kam, hatte er vor einigen zu viel Respekt. Jeder mochte ihn, als er frisch auf die Tour kam: Ein nettes Pickelgesicht, das unglaublich Tennis spielte, aber nicht wusste, wie er seine Emotionen kontrollieren kann.

Als Roger das herausgefunden hatte, hiess es für uns: Game Over. Ich mag es, wenn gewöhnliche Menschen wie er Aussergewöhnliches leisten.»