Tennis

Sensation in Paris: Ungesetzte Jelena Ostapenko gewinnt die French Open

Der sensationelle Aufstieg von Jelena Ostapenko findet in Paris sein perfektes Ende. Die ungesetzte Lettin gewinnt sensationell die French Open. Im Final bezwingt sie Simona Halep.

Am 10. Juni 2017 ist in Paris ein neuer Stern am Tennishimmel aufgegangen. Völlig unbeschwert spielte die vor zwei Tagen 20-jährig gewordene Ostapenko ihr Powertennis und überforderte damit die favorisierte Halep je länger je mehr. Nach fast genau zwei Stunden machte die Lettin mit zwei direkten Returnwinnern mit der Rückhand alles klar. Mit dem 4:6, 6:4, 6:3-Sieg wurde sie zur erst zweiten ungesetzten Siegerin am French Open nach der Britin Margaret Scriven 1933. Es war der erste WTA-Titel von Ostapenko überhaupt.

«Ich kann es nicht glauben, dass ich der neue French-Open-Champion bin», sagte die Lettin. «Es ist wie ein Traum. Als kleines Kind habe ich die Spiele hier im Fernsehen geschaut und jetzt habe ich hier gewonnen. Es ist unglaublich.» Sie werde wohl einige Tage brauchen, um zu realisieren, was sie da gewonnen habe.

Der letzte Tennisspieler, der in Roland Garros sein erstes Profiturnier gewann, war der Brasilianer Gustavo Kuerten am 8. Juni 1997 - dem Tag, an dem Ostapenko geboren wurde. Im gleichen Jahr triumphierte die 19-jährige Kroatin Iva Majoli gegen Martina Hingis - die letzte Frauensiegerin, die jünger war als Ostapenko.

Schnell und furchtlos

Das Erfolgsrezept der Nummer 47 lautete genau gleich wie im Halbfinal gegen die Schweizerin Timea Bacsinszky. Auch im Final attackierte Ostapenko praktisch jeden Ball mit vollem Risiko. So schlug sie 54 Winner und genau gleich viele unerzwungene Fehler. Im gesamten Turnier liess sie sich in sieben Matches sage und schreibe 299 direkte Gewinnpunkte gutschreiben.

Selten hat man bei den Frauen eine Spielerin, speziell eine so junge, so schnell und schnörkellos spielen sehen. «Ich konnte den Ball schon immer hart schlagen und spielte immer so.» Wenn Ostapenko noch die Fehlerquote ein wenig eindämmen und taktisch etwas dazulernen kann, steht ihr eine ganz grosse Zukunft bevor.

Bereits die Gegenwart beeindruckt allerdings gewaltig, auch weil sie sich nie von ihrem Weg abbringen liess. Ostapenko machte im zweiten Satz einen 0:3- und im dritten einen 1:3-Rückstand wett. «Sogar bei diesem Stand wollte ich einfach den Final geniessen», erklärte sie ihr unbeschwertes Auftreten. «Ich hatte ja nichts zu verlieren.»

Haleps verpasste Chancen

Halep verpasste in ihrem zweiten French-Open-Final nach 2014 (Niederlage gegen Maria Scharapowa) nicht nur ihren ersten Grand-Slam-Titel, sondern auch den erstmaligen Sprung auf Platz 1 der Weltrangliste. Dort bleibt vorerst die Deutsche Angelique Kerber. Ostapenko verbessert sich auf Platz 12.

Halep verpasste ihre grössten Chancen Mitte des zweiten Durchgangs. Sie hatte drei Breakbälle zum 4:0, später zwei weitere zum 4:2 und führte noch einmal mit einem Break 4:3. Am Ende agierte die 25-jährige Rumänin aber zu passiv und liess die Lettin zu sehr das Spiel diktieren. Beim entscheidenden Aufschlagverlust zum 3:4 im dritten Satz kaum auch noch Pech dazu, als Ostapenkos Ball, der weit ins Aus geflogen wäre, via Netzkante ins Feld plumpste. Danach gewann Halep nur noch drei Punkte.

Sie zeigte sich als faire Verliererin. «Respekt für das, was dir gelungen ist. Geniesse es und und sei glücklich und mach weiter so, weil du wie ein Kind bist», sagte die Rumänin. 

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