Fussball

Seltener Treueschwur: Vertragsverlängerungen mit Zeidler und Sutter sind ein wichtiges Statement des FC St.Gallen

Christian Brägger: «Der FC St.Gallen beschreitet mit der sportlichen Führung diesen eigenen Weg, weil er seinen Club als etwas Besonderes begreift, mittendrin in einer grünweissen Bewegung.»

Christian Brägger: «Der FC St.Gallen beschreitet mit der sportlichen Führung diesen eigenen Weg, weil er seinen Club als etwas Besonderes begreift, mittendrin in einer grünweissen Bewegung.»

Die Vertragsverlängerungen sind ein Commitment auf lange Sicht, das im Fussball seinesgleichen sucht. Der FC St.Gallen begreift seinen Club als etwas Besonderes: als Teil einer grünweissen Bewegung.

Gestern um 10.39 Uhr flattert die kryptisch formulierte Nachricht des FC St.Gallen ins Haus, in der er für den frühen Nachmittag zukunftsweisende Entscheide ankündet. Das Werweissen beginnt, die Kurzfristigkeit irritiert: Wechselt Coach Peter Zeidler in die Bundesliga? Denkt Sportchef Alain Sutter an Rückzug? Hat Präsident Matthias Hüppi ein Burn-out? Steigt Red Bull bei den Ostschweizern ein, die gleich noch Leihspieler Ermedin Demirovic definitiv verpflichten? Etwas Bedeutungsschweres liegt in der Luft.

Wie der Dreizack Zeidler-Sutter-Hüppi dann im feinen Zwirn einherschreitet im vierten Stock des Kybunparks, vor über 20 Journalisten auf dem Podest Platz nimmt, sieht sich nur schon ob der Szenerie vermeintlich bestätigt. Dann ergreift der etwas blass wirkende Hüppi das Wort, spricht davon, dass dem Club in diesen Zeiten viele Hürden im Weg stünden und man langfristig an die Zukunft denken müsse. Als Hüppi verkündet, dass Sutter bis Ende 2025 und Zeidler bis zum Ende der Saison 2024/25 bleiben, hat sein Gesicht wieder Farbe. Und draussen beginnt es zu regnen.

Ausstiegsklauseln gibt es keine. Es ist vielmehr ein Statement nach innen – und nach aussen, an die Fans, Sponsoren, Aktionäre ebenso wie an die Konkurrenz. «Wir sind bereit, alles gemeinsam auszuhalten, komme was wolle, und sei es ein Abstieg.»

Besonders der chaotische FC Basel oder die Young Boys, die vor wegweisenden Personalentscheiden stehen, dürften als direkte Konkurrenten um den Meistertitel neidvoll in den Osten der Schweiz blicken, wo – zumindest vordergründig – so viel Ruhe und Eintracht herrscht. Sie stehen letztlich doch am Ursprung dessen, was man im Fussball am meisten sucht: den Erfolg.

Die Pressekonferenz ist nach der kryptisch formulierten Medienmitteilung mit Spannung erwartet worden.

Die Pressekonferenz ist nach der kryptisch formulierten Medienmitteilung mit Spannung erwartet worden.

Der FC St.Gallen beschreitet mit der sportlichen Führung diesen eigenen Weg, weil er seinen Club als etwas Besonderes begreift, mittendrin in einer grünweissen Bewegung. Er ruft dafür die Vorwärtsstrategie 2025 aus, die er als Verpflichtung gegenüber der Region versteht, und als Verantwortung gegenüber dem eigenen Nachwuchs. Und er tut dies aus dem Moment der Stärke. Der Totomat lügt nie.

Der 57-jährige Zeidler, ein Charmeur sondergleichen, wird nun mit dem FC St.Gallen quasi in Pension gehen und im Sommer 2025 sieben Jahre im Amt gewesen sein. Der Trainer sagt: «Es gibt für mich nicht einen Grund von hier wegzugehen».

Er sagt: «Ich freue mich jeden Tag, Peter zu sehen. Es lohnt sich für mich, meine Lebenszeit in dieses Projekt zu investieren. Bis zum Ende meines Vertrages.»

Hüppi nennt es einen «mutigen Entscheid mit Signalwirkung», womit der Club die Schotten vor Störfeuern wie Abwerbungsversuchen dichtmacht. Natürlich wirft das vorzeitige Engagement um weitere fünf Jahre auch Fragen auf, wirtschaftliche wie sportliche. In Monaten des Sparens dürften die Bezüge für den Sportchef und den Trainer zwar angehoben werden, aber man bleibe in einem Budgetrahmen, den man verkraften könne, sagt Hüppi. Sowieso muss der FC St.Gallen diese Kostenstelle tragen, Coronaschaden hin oder her.

Und erst ein langandauernder Misserfolg zeigte, ob die gegenseitigen Treueschwüre mehr als leere Worthülsen waren. Diese Prüfung steht erst noch bevor, so sie denn kommt. Aktuell spricht nichts dafür. Und das Momentum noch ein wenig mehr für St.Gallen im Kampf um den Titel.

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