Jonas Schmied ist leidenschaftlicher «Gümmeler». Er steigt wöchentlich auf sein Fahrrad, seine Montur gleicht der eines Fahrers der Tour de France: Sonnenbrille, fingerlose Handschuhe, Helm und ein atmungsaktives Velotrikot aus Polyester – doch da ist noch mehr.

An seinem Handgelenk trägt er eine Smartwatch und das Velo hat eine Halterung für sein Smartphone. Schmied ist kein einfacher Radler, er nutzt verschiedene digitale Anwendungen, um seine Touren zu dokumentieren. Er behält den Überblick über die gefahrenen Kilometer, wie lange er dafür gebraucht hat und versucht, seine Zeiten zu halten oder gar zu unterbieten.

GPS, Routenplaner, Geschwindigkeit und Puls. All diese Dinge und mehr misst das Smartphone in nur einer App. Die Selbstvermessung beim Sport kennt heute fast keine Grenzen mehr. Das Paradebeispiel ist die Fitness-App «Runtastic» mit über 100 Millionen Downloads. Runtastic beschränkt sich dem Namen entgegen aber nicht nur aufs Laufen.

Aktivitäten wie Nordic Walking, Wandern und Velofahren werden ebenfalls aufgezeichnet. Die App gibt Ziele vor oder hilft die eigenen zu erreichen. In Kombination mit der Smartwatch oder einem Pulsgurt kann zusätzlich die Herzfrequenz im Auge behalten werden. Die einige Franken teuren Apps sind ausserdem um einiges kosteneffizienter als separate GPS-Uhren.

Konkurrenz unter Freunden

Am Mitteilungsdrang der Nutzer knüpfen die meisten Apps direkt an: Die Trainingsergebnisse lassen sich auf soziale Netzwerke wie Facebook hochladen. Dabei ist es für Aussenstehende möglich, die Velofahrer vom PC oder Handy aus in Echtzeit zu verfolgen und sie per Mausklick anzufeuern.

In diesem Fall erklingt aus deren Handy ein Applaus oder das Geräusch von Fanfaren, die den Trainierenden noch weiter anspornen sollen. Unter den Communities lassen sich in der App auch die Leistungen untereinander vergleichen, um die Konkurrenz zu fördern.

Es ist umstritten, ob solche Apps aber auch wirklich einen Mehrwert schaffen. Anstatt die Ausfahrt und Landschaft zu geniessen, klebt der Blick oft an der Durchschnittsgeschwindigkeit oder Reststrecke. Ausserdem kann das dauernd eingeschaltete GPS den Akku schnell leerfressen.

Die Interessensgemeinschaft Pro Velo Schweiz hält solche Apps für sinnvoll. Jedoch gelte es speziell punkto Verkehrssicherheit Vorsicht walten zu lassen. Das Smartphone am Lenker sorgt für Ablenkung und sollte nur im Stillstand bedient werden.

Anzahl Apps steigt täglich

Auch intern gebe es bei Pro Velo viele, die Apps zum Velofahren brauchen. Sei das für Velorouten, den Verkehr oder das Wetter. «Die Apps werden für Velofahrer immer mehr zum Alltag», sagt Sprecherin Bettina Maeschli.

Die Anzahl von Apps, welche vermehrt Services für Velofahrende anbieten, steige täglich. Auch grössere Namen wie Google Maps und SBB passen ihre Apps den Ansprüchen der Velofahrer an, speziell fürs Velo integrierte Routen sind verfügbar und Veloabteile im Zug schon in der App ersichtlich.

Der Erfolg der hauseigenen App «biketowork» bestätigt laut Maeschli den Trend. Auf dieser können Nutzer Preise gewinnen, wenn sie mit dem Velo möglichst oft zur Arbeit gehen und mit der App aufzeichnen. «Der Anfang war erfolgreich, in der ersten Juniwoche gehörte sie zu den fünf meistheruntergeladenen Apps im Schweizer iTunes Store. Aus diesem Grund werde man die App für 2018 weiter ausbauen und eine Vernetzung mit Social Media prüfen.