Swiss Indoors

Selbstbewusst tönt ganz anders – Nadal ist «müder als normal»

Der gesundheitlich angeschlagene Rafael Nadal tritt in Basel mit erheblichen Zweifeln an seiner Leistungsfähigkeit an.

Der gesundheitlich angeschlagene Rafael Nadal tritt in Basel mit erheblichen Zweifeln an seiner Leistungsfähigkeit an.

Rafael Nadal kämpft vor den Swiss Indoors in Basel mit körperlichen Problemen. Verletzungen seien Teil des Sports, so der Mallorquiner. Trotzdem sagt er: «Ich muss ja mal sehen, wie lange mein Körper überhaupt mitmacht.»

Es ist ja nicht so, dass sich Rafael Nadal vor einem Turnier selbst zum grossen Favoriten ernennt. Die lauten Töne überlässt er seinen Konkurrenten. Der Mallorquiner ist trotz seiner grossen Erfolge meist sehr zurückhaltend, hebt lieber die Stärken und die Klasse seiner Gegner hervor, als dass er seine eigenen Qualitäten in den Vordergrund stellt.

Darum ist auch klar, dass er vor den Swiss Indoors keine grossen Töne spuckt. Doch klar ist auch, dass Nadal mit erheblichen Zweifeln an seiner Leistungsfähigkeit nach Basel gekommen ist. «Ich werde mein Bestes geben, aber ich habe keine Ahnung, wie mein Körper reagieren wird», sagt er.

Seit Jahren ist Nadal gewohnt, dass sein Körper nicht immer so mitspielt, wie er das gerne hätte. Er plagte sich schon mit allen möglichen Verletzungen herum. Mal waren es die Knie, mal war es der Rücken. Nach dem Turnier von Wimbledon zwang ihn das rechte Handgelenk zu einer Pause, und kaum kehrte er in Asien auf die Tour zurück, zwickte der Blinddarm. Mit hohen Dosen von Antibiotika bekämpft er die Entzündung, zögert eine Operation hinaus.

Die Antwort gibt der Körper

Doch auf dem Platz lassen sich die Probleme nicht verleugnen. In Peking unterlag er dem Slowaken Martin Klizan im Viertelfinal, der Nummer 56 der Welt, einem Qualifikanten. In Schanghai stoppte ihn sein Landsmann Felician Lopez schon beim ersten Auftritt.

«Es geht», sagt er, viel Antibiotika habe er geschluckt. Seit Freitag trainiere er, doch Training und Match seien zweierlei Dinge. «Mein Ziel ist es, dass ich heute fähig bin, auf ein wettkampftaugliches Niveau zu kommen, alles andere werde ich dann sehen», erklärt er. Die Antwort werde ihm dann sein Körper geben. «Ich bin müder als normal», betont er.

Verletzungen ein Teil des Sports

Schon einmal, vor mehr als vier Jahren, habe er wegen muskulärer Probleme viele Antibiotika schlucken müssen. Beim Australian Open 2010 gab er im Viertelfinal gegen Andy Murray auf. «Anschliessend musste ich den Davis-Cup in der Schweiz und das Turnier in Dubai sausen lassen», erinnert er sich.

Verletzungen gehören dazu 

Krankheiten und Verletzungen seien ein Teil des Sports und besonders auch seiner Karriere. Deshalb könne er damit umgehen und stecke den Kopf nicht in den Sand. «Wenn ich negativ denke, bringe ich nicht die notwendige Energie mit, ich arbeite wie immer in meiner Karriere mit hoher Intensität und versuche, mein höchstes Level abzurufen», betont er. «Doch wenn du nicht gesund bist, kannst du das nicht.»

Erstmals wieder in der Halle

Er denke nun nicht weit voraus, blicke aber auch nicht zurück. Von Tag zu Tag müsse er nun schauen, wie sich die Sache entwickle. «Ich weiss deshalb auch nicht, wie gross meine Chancen sind, dass ich nächste Woche auch in Paris und in drei Wochen die World Tour Finals in London spiele», sagt er. Sollte es aber mit London klappen, wäre er vielleicht besser vorbereitet als in vergangenen Jahren.

Immerhin spiele er erstmals in dieser Woche wieder in der Halle, und wenn dann noch Paris hinzukomme, sei das für die World Tour Finals sicher nicht schlecht. Doch wichtiger sei für ihn die nächste Saison. Mit dem Arzt werde er sich deshalb täglich austauschen, was für ihn sinnvoll sei. Er möchte schliesslich topfit ins Jahr 2015 starten. «Ich muss ja mal sehen, wie lange mein Körper überhaupt mitmacht, ich spiele Tennis, solange es geht. Und wenns dann vorbei ist, habe ich eine tolle Karriere hinter mir», sagt er. «Wenns mit 33 nicht mehr passt, wie bei Roger Federer, gehe ich halt fischen auf Mallorca.»

Am Montag gegen Simone Bolelli

Zunächst freue er sich auf seinen heutigen Auftritt, Teil der Eröffnungszeremonie mit Paul Anka zu sein. Nach dessen Auftritt trifft er um 18.45 Uhr auf den Qualifikanten Simone Bolelli (It) und peilt seinen ersten Sieg in Basel an. «Ich will gewinnen und den Leuten etwas bieten», sagt er.

Zweimal in Folge habe er nicht absagen wollen, zumal es dann schon der vierte Verzicht von ihm gewesen wäre. 2003 scheiterte er als 17-jähriger Jüngling in der ersten Runde an Lopez, ein Jahr später am Deutschen Rainer Schüttler. Dann liess er das Turnier zweimal sausen, wie auch im vergangenen Jahr. Auch damals sollte er die sportliche Attraktion des Eröffnungstages, des Super Monday, sein. Turnierdirektor Roger Brennwald verpflichtete Nadal für drei Jahre, auch weil er keinen Vertrag mit Federer mehr hatte. Ob Nadal den sportlichen Erwartungen gerecht wird, muss sich nun zeigen.

Meistgesehen

Artboard 1