Jetzt oder nie! Beinahe 30 Jahre nach ihrem 4:2-Finalsieg über Servette wittern die Young Boys die grosse Chance, endlich wieder einmal eine Trophäe zu holen. Gewinnen die Berner die nächsten drei Cupspiele, kann Captain Steve von Bergen am 25. Mai in Genf den Pott in die Höhe stemmen.

Zumindest das Viertelfinal-Los hat es schon mal gut gemeint mit Gelb-Schwarz: Heimspiel auf dem geliebten Kunstrasen gegen Winterthur, das in der Challenge League unter dem neuen Trainerduo Umberto Romano/Dario Zuffi zuletzt wie ein künftiger Absteiger aufgetreten ist.

SC Buochs - Young Boys 1:0, 20.09.2014

Die blamable 0:1-Niederlage der Young Boys gegen den SC Buochs am 20.09.2014.

Was also kann heute Abend für den Zweiten der Super League schiefgehen? Hiesse dieser nicht YB, wäre die Antwort klar: Nichts! Doch weil die Cupgeschichte der Gelb-Schwarzen seit ihrem letzten Triumph ein einziges Drama ist, würde ein Scheitern gegen Winterthur gut ins Drehbuch passen.

Allein die drei in Bern verlorenen Finals von 1991, 2006 und 2009 gegen Cupmonster FC Sion trugen tragische Züge. Zweimal gab es trotz einer 2:0-Führung eine 2:3-Niederlage, einmal war der Gegner aus dem Wallis gar zweitklassig.

Noch mehr zu reden gaben indes die Blamagen gegen sogenannt Kleine. Nicht weniger als vier Mal in Folge schieden die Gelb-Schwarzen ab der Saison 2011/12 gegen einen unterklassigen Gegner aus.

Waren das 2:3 im Penaltyschiessen unter Trainer Christian Gross in Winterthur und das 3:4 nach Verlängerung gegen Wil unter Martin Rueda noch halbwegs unglückliche Achtelfinalniederlagen gewesen, so war das 1:4 gegen den FC Le Mont aus der 1. Liga Promotion beschämend und die Kritik an der Mannschaft und deren Trainer Uli Forte berechtigt.

Dass sich dieser nur ein Jahr später in den Sechzehntelfinals dann beim 0:1 gegen den interregionalen Zweitligisten SC Buochs verzockte, war nichts als eine grosse Peinlichkeit. Zwei Tage nach dem 5:0 in der Europa League gegen Slovan Bratislava stellte Forte sein Team auf neun (!) Positionen um und erlitt damit fürchterlich Schiffbruch. Der geschockte Sportchef Fredy Bickel fasste den Auftritt in drei Worten zusammen: «Überheblichkeit, Selbstüberschätzung, Arroganz.»

Es war für YB seit 1987 das zwölfte Ausscheiden gegen einen unterklassigen Gegner, aber gegen einen Fünftligisten rauszufliegen, der absolute Tiefpunkt.

Nur gut, stand ein Jahr später mit Adi Hütter im Achtelfinal gegen den FC Zürich ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Einer, der weiss, wie man Cupsieger wird. Lediglich fünf Monate zuvor hatte er Red Bull Salzburg mit einem 2:0-Sieg über Austria Wien zum Titel geführt. Doch ausgerechnet vom glücklosen FCZ-Trainer Sami Hyypiä liess sich Hütter austricksen: YB 1, FCZ 3.

Doch bei Lichte betrachtet, passt der Österreicher trotz seines Cuperfolgs mit den Bullen nicht mal schlecht zu YB. In sieben Cupsaisons schied er mit den RB Juniors, Altach und Grödig gleich fünf Mal gegen einen Unterklassigen aus. 2014 gar mit Bundesligist Grödig gegen Drittligist Austria Salzburg.

Wer also, wenn nicht Hütter, kann YB überhaupt noch Mut machen, dass das 30-jährige Cupdrama bald ein Ende nimmt? Guillaume Hoarau? Immerhin hat der Franzose den PSG 2010 gegen Monaco zum Cupsieg geköpfelt. Andererseits: Schon in seinem dritten Spiel für YB − dem Debakel in Buochs − hat auch er sich mit dem Cupvirus infiziert.