Fussball
Seferovic bei Schweizer Niederlage wie einst Ottmar Hitzfeld

Im zweitletzten Testspiel der Schweizer Nationalmannschaft vor der EM 2016 in Frankreich unterliegt die Schweiz der Weltnummer 2 Belgien mit 1:2. Blerim Dzemaili schiesst das einzige Schweizer Tor, Haris Seferovic sah wegen Reklamierens kurz vor dem zweiten Tor der Belgier die rote Karte.

Etienne Wuillemin
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Der belgische Superstar Kevin De Bruyne feiert seinen Treffer zum 2:1
21 Bilder
Der Schweizer Torhüter Yann Sommer gibt Anweisungen
Die schönsten Fotos vom Testspiel zwischen der Schweiz und Belgien
Ricardo Rodriguez (r.) wehrt sich erfolgreich gegen Belgiens Eden Hazard
Haris Seferovic (l.) im Zweikampf mit dem Belgier Thomas Vermaelen
Der Schweizer Innenverteidiger Philippe Senderos (l.) kann den belgischen Stürmer Romelu Lukaku nicht am Ausgleich zum 1:1 hindern
Xherdan Shaqiri bei einem Abschluss-Versuch in Richtung Belgien-Tor
Die angeschlagenen Schweizer Breel Embolo (l.) und Fabian Schär verfolgen die Partie ihrer Nati-Kollegen
Blerim Dzemaili lässt Belgiens Torhüter Thibault Courtois beim 1:0 keine Chance
Die Belgier bejubeln den Ausgleich zum 1:1
Blerim Dzemailis Tor-Jubel nach dem 1:0
Blerim Dzemaili (l.) jubelt über seinen Treffer, Belgiens Torhüter Thibault Courtois sitzt geschlagen am Boden
Schweizer Jubel nach dem Treffer Dzemailis zur zwischenzeitilichen 1:0-Führung
Johan Djourou (hinten) hindert den Belgier Eden Hazard an der Flanke
In der 84. Minute erhält Seferovic die rote Karte! Offenbar hat er den Schiedsrichter beleidigt.
Xherdan Shaqiri (l.) im Zweikampf mit Belgiens Moussa Dembele
Axel Witsel (M.) beschäftigt mit Granit Xhaka (l.) und Blerim Dzemaili gleich zwei Schweizer
Der Schweizer Granit Xhaka (l.) im Zweikampf mit dem Belgier Axel Witsel
Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic saugt die Atmosphäre im Stade de Geneve auf
Xherdan Shaqiri (l.) im Zweikampf mit dem Belgier Thomas Vermaelen
Die Schweizer Fans im Stade de Geneve sorgen für eine schöne Kulisse

Der belgische Superstar Kevin De Bruyne feiert seinen Treffer zum 2:1

Keystone

Beginnen wir mit einem Blick zurück. Es ist der 13. Oktober 2012, die Schweiz spielt in der WM-Qualifikation 1:1 gegen Norwegen. Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ist sauer. Er zeigt den Mittelfinger. Wem? «Mir selbst!», erklärt er am Tag danach den verdutzten Medien.
Gestern Abend kurz vor 19 Uhr. Haris Seferovic tritt vor die Kameras. Er muss seine rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung kurz vor Spielende erklären. «Ich habe über mich selbst geflucht», beginnt er. «Ich sprach nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter. Ich habe mich entschuldigt. Und auch er hat sich entschuldigt, weil er nicht wusste, dass meine Worte nicht gegen ihn gerichtet waren.» Haris Seferovic wie einst der grosse Ottmar Hitzfeld.
Dennoch: Die rote Karte hat Folgen. Die Schweiz verliert das Spiel gegen Belgien noch 1:2. Das ist zu verschmerzen. Lieber gegen Belgien ein spätes Gegentor als an der EM. Aber Seferovic wird gesperrt werden. Wie lange, das hängt vom Rapport des italienischen Schiedsrichters Mazzoleni ab. Schenkt er Seferovics Erklärung Glauben, so würde dieser im Optimalfall nur das Freundschaftsspiel gegen Moldawien nächsten Freitag verpassen. Aber die Gefahr besteht, dass Seferovic länger aussetzen muss – und die Sperre damit in die Europameisterschaft hineinträgt.

Strafe für eine ganze Generation

Nationaltrainer Vladimir Petkovic fand für die Aktion von Seferovic deutliche Worte. «Mit so einer Dummheit kann man nicht nur ein einzelnes Spiel verlieren, sondern ein ganzes Turnier beeinflussen – und damit eine ganze Generation um den verdienten Lohn bringen.» Als mögliche Erklärung erwähnte Petkovic die vergangene Woche mit den Spielen in der BundesligaBarrage. «Vielleicht war er deswegen noch etwas aufgewühlt.»
Trotzdem, Petkovic war (zu Recht) weit weg davon, Verständnis zu zeigen. Und liess durchblicken, dass Seferovic wohl ziemlich viel Glück hatte, dass dieses Schweizer Team kaum über Alternativen im Sturm verfügt.

Starke erste Halbzeit

Das Spiel gegen Belgien war eine klare Steigerung verglichen mit den jüngsten Darbietungen im März. Und für einmal darf man auch ein wenig über das Resultat hinwegsehen. Vorab in der ersten Hälfte überzeugten die Schweizer mit schnellem Umschaltspiel und guten Kombinationen über die Seiten. Ein Unentschieden wäre am Ende der verdiente Lohn gewesen.
Dass es um mehr als nur das Resultat ging, liessen auch die Spieler in ihrer Aufarbeitung des Nachmittags durchblicken. «Wir haben das Volk wieder hinter uns gekriegt», sagt Blerim Dzemaili, «wir werden nun als gestärkte Einheit an die EM reisen.» Dzemaili war es, der die Schweizer Führung erzielte. Das tut ihm gut, nach all den verpassten Chancen zuletzt.
Shaqiri zeigte mehr Lust als zuletzt, aber auch wieder viel Lust am Reklamieren. Xhaka war ein souveräner Spielgestalter. Behrami eroberte gewohnt viele Bälle. Djourou war bei seiner Rückkehr solid. Torhüter Sommer gar hervorragend.
Bei allem, was gut war: Es gab auch Mängel im Schweizer Verbund. In einigen Phasen gingen zu viele leichte Bälle verloren. Mehmedi fehlte das Vertrauen. Derdiyok die Bindung zum Spiel (vielleicht auch wegen seines erlittenen Ellbogenschlags). Und in manchen Situationen gerät die Schweizer Abwehr zu schnell ins Straucheln. Senderos sah beim 1:1 durch Lukaku schlecht aus. Er dürfte den Sprung ins 23-Mann-Kader wie Widmer und Zakaria verpassen.
Dem jungen YB-Spieler würden die Erfahrungen an der EM in Frankreich jedoch guttun. Er wird bald einmal eine wichtige Rolle spielen im Nationalteam. Und Lang, der gut mit Shaqiri harmonierte, wäre gewiss ein solider Ersatz für beide Aussenverteidiger.

Schweiz - Belgien 1:2 (1:1)

Stade de Genève. - 20'000 Zuschauer. - SR Mazzoleni. - Tore: 31. Dzemaili (Lang) 1:0. 33. Lukaku (Mertens) 1:1. 83. De Bruyne 1:2.

Schweiz: Sommer; Lang (63. Widmer), Senderos (63. Elvedi), Djourou (84. Fernandes), Rodriguez; Behrami, Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (79. Zakaria), Mehmedi (63. Tarashaj); Derdiyok (41. Seferovic).

Belgien: Courtois; Witsel, Alderweireld, Vermaelen (67. Jordan Lukaku), Vertonghen; Fellaini (84. Benteke), Dembélé (55. Ciman); Mertens (67. Origi), De Bruyne, Hazard; Romelu Lukaku (58. Batshuayi).

Bemerkungen: Schweiz ohne Schär und Embolo (beide verletzt), Belgien ohne Nainggolan (verletzt) und Carrasco (Champions-League-Final mit Atletico Madrid). Nationalmannschafts-Debüt von Elvedi und Zakaria. 82. Rote Karte gegen Seferovic wegen Reklamierens. 89. Elvedi lenkt Schuss von Benteke an den Pfosten.

Spiel verpasst? Der Spielverlauf zum Nachlesen in unserem Liveticker: