24 Stunden von Le Mans
Sébastien Buemi, der Allesgewinner: Nun will er auch in Le Mans die Nummer 1 sein

Nach dem letztjährigen Ausfall kurz vor Schluss will Sébastien Buemi am Wochenende endlich das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnen.

Konstantin Furrer
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Sébastien Buemi reiht in der Formel E und der Langstrecken-WM Sieg an Sieg.

Sébastien Buemi reiht in der Formel E und der Langstrecken-WM Sieg an Sieg.

KEYSTONE

Inzwischen sind die Bilder verträglicher geworden. Inzwischen huscht sogar nur noch ein gequältes Lächeln über sein Gesicht, wenn er die Aufnahme des letztjährigen 24-Stunden-Rennens von Le Mans sieht. Die Uhr zeigte 23 Stunden und 58 Minuten an, als Sébastien Buemis Team nur wenige Meter vor der Ziellinie das Handtuch werfen musste.

Rückblick Le Mans 2016:

Ein Defekt an der Steckverbindung zwischen Turbolader und Ladeluftkühler brachte Toyota und Buemi um den ersten Sieg überhaupt in Le Mans. «Natürlich schmerzt es immer noch ein bisschen, aber ich habe mich damit abgefunden. Ich kann sowieso nichts mehr ändern», sagt Buemi über das Drama vor einem Jahr.

Nur manchmal denkt er: «Zwei Sekunden vor dem Ausfall funkte der Ingenieur an meinen Teamkollegen Kazuki Nakajima, dass er jetzt runter vom Gas soll, um den Motor zu schonen und die letzte Runde ohne Risiko zu fahren. Manchmal frage ich mich, was wohl passiert wäre, ohne diesen Funkspruch.»

Die Sieger aus dem letzten Jahr: Neel Jani (Schweiz), Romain Dumas (Frankreich) und Marc Lieb (Deutschland, von links).

Die Sieger aus dem letzten Jahr: Neel Jani (Schweiz), Romain Dumas (Frankreich) und Marc Lieb (Deutschland, von links).

Keystone

Sechs Teams mit 18 Fahrern in der LMP1, der höchsten Langstrecken-Klasse, werden am Samstag um 15 Uhr das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Angriff nehmen. Und heiss im Kurs bei den Wettmachern steht Sébastien Buemi. Der 28-jährige Romand reiht in diesem Jahr Sieg an Sieg.

In der Langstrecken-WM gewann er die bisherigen zwei Rennen und auch in seiner zweiten Serie, der Formel E, gibt es kein Vorbeikommen am ehemaligen Formel-1-Fahrer: acht Starts, sechs Siege, 32 Punkte Vorsprung in der Gesamtwertung. Im vergangenen Jahr holte er sich den WM-Titel. Erfolgreicher als Buemi ist ausserhalb der Formel 1 im Motorsport derzeit kaum jemand. «Ich fühle mich gut. Das Auto, das Team, meine Leistungen: Derzeit passt einfach alles zusammen», sagt Buemi zu seiner erfolgreichen Saison.

Die LMP1-Autos erzeugen viel Anpressdruck. Im Bild: Der Porsche 919 Hybrid No2 (2016)

Die LMP1-Autos erzeugen viel Anpressdruck. Im Bild: Der Porsche 919 Hybrid No2 (2016)

Keystone

Und seine Chancen stehen gut, am Wochenende einen weiteren Meilenstein zu setzen: Buemis Toyota TS050 Hybrid ist das deutlich schnellste Auto im Feld. Beim einzigen Test vor zwei Wochen in Le Mans kam der Toyota auf zwei Sekunden an den von Neel Jani gesetzten Rundenrekord vor zwei Jahren heran; und das trotz neuen aerodynamischen Regeln sowie eines Spritverbrauchs-Limits. «Das gibt ein gutes Gefühl», sagt Buemi: «Nach dem Ausfall im vergangenen Jahr fragte ich mich, ob ich jemals wieder eine so eine gute Chance in Le Mans zu gewinnen. Das kann ich jetzt mit einem deutlichen Ja beantworten.»

Rückkehr in die Formel 1?

Obwohl Buemi mit seiner aktuellen Situation «sehr zufrieden» ist, bleibt eine Rückkehr in die Formel 1 ein Thema. Bereits zwischen 2009 und 2011 fuhr der Waadtländer für Toro Rosso in der höchsten Rennklasse. «Sollte sich die Möglichkeit ergeben, würde ich sicher darüber nachdenken.» Bloss dem Feld hinterherzufahren, will er aber nicht: «Wenn ich zurückgehen würde, dann nur zu einem konkurrenzfähigen Team.»

Sauber kommt in der Formel 1 seit der Umstellung auf die V6-Turbo-Motoren nicht richtig auf Touren.

Sauber kommt in der Formel 1 seit der Umstellung auf die V6-Turbo-Motoren nicht richtig auf Touren.

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Damit wäre auch ein eventuelles Engagement bei Sauber vom Tisch: «Sie haben im Moment eines der langsamsten Autos und werden nächstes Jahr mit dem Wechsel zu Honda-Motor auch noch mit den langsamsten Antrieb unterwegs sein. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Kombination ist.»

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