Schwingen
Erst probte Samuel Giger den Widerstand, nun profitiert er selbst von Sonderregeln

Der 23-jährige Thurgauer ist am Sonntag Gast am Solothurner Kantonalschwingfest. Für Samuel Giger wird es nicht nur das erste Kranzfest seit 21 Monaten sein, sondern auch ein Wiedersehen mit jenem Mann, der in Zug seine Träume vom Königstitel beendete.

Martin Probst
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Am Eidgenössischen dominierte Nick Alpiger (l.) Samuel Giger. Am Sonntag kommts zum Wiedersehen.

Am Eidgenössischen dominierte Nick Alpiger (l.) Samuel Giger. Am Sonntag kommts zum Wiedersehen.

Foto: Andy Mettler / swiss-image.ch

So schnell kann es gehen. Erst noch wehrte sich Samuel Giger gegen Sonderregeln, am Sonntag profitiert er nun selbst von einer. Dann ist der 23-Jährige Gast am Solothurner Kantonalschwingfest in Matzendorf.

Es ist erst das zweite Kranzfest, seit Corona den Schwingbetrieb nach dem Eidgenössischen 2019 zum Er­liegen brachte. Und das Fest ist nur möglich, weil es als Pilot­projekt eingestuft wurde und somit von Sonderregeln profitieren kann.

Nach Christian Stucki, der am vergangenen Sonntag als Gast das Aargauer Kantonale gewann, sind Giger und sein Klub­kollege Domenic Schneider, der ebenfalls in Matzendorf startet, erst die Eidgenossen Nummer zwei und drei ausserhalb des Nordwestschweizer Verbands, die nach 21 Monaten Zwangspause wieder um einen Kranz schwingen werden.

Domenic Schneider ist ebenfalls als Gast am Solothurner dabei.

Domenic Schneider ist ebenfalls als Gast am Solothurner dabei.

Foto: Urs Flueeler / KEYSTONE

Dabei hatte sich Giger gewehrt, als der Eidgenössische Schwingerverband die Öffnung im Schwingen vorantrieb. Giger war dagegen, als Mitte März eine Ausnahmebewilligung den 120 besten Schwingern eine frühere Rückkehr ins Schwingtraining ermöglichen sollte.

Zusammen mit weiteren Spitzenschwingern aus dem Nordostschweizer Verband zog er einen Verzicht in Betracht. Nach dem Motto: Im Schwingen sind alle gleich. Nach einigen Tagen des Widerstands liessen sich Giger und seine Kollegen allerdings auf die Liste der Bevorteilten setzen.

Es kommt zum Wieder­sehen mit Nick Alpiger

Das Einknicken brachte ihm in gewissen Kreisen Spott ein. Klar aber ist: Giger wäre auch ohne frühzeitige Rückkehr topfit. Auf das Training ausserhalb des Sägemehls verzichtete er während der langen Phase ohne Wettkämpfe nie, intensivierte es im Gegenteil sogar noch.

Es spricht alles dafür, dass Giger am Sonntag in Topform antreten wird mit dem Ziel, den Nordwestschweizer Eidgenossen den Festsieg zu entreissen.

In Matzendorf kommt es für Giger zum Wiedersehen mit Nick Alpiger. Am Eidgenössischen in Zug trafen sie zum Auftakt auf­einander – und Alpiger legte den Thurgauer auf den Rücken.

Giger war einer der meistgenannten Favoriten auf den Königstitel. Diesen Traum beendete Alpiger früh. Der Aargauer selbst musste das Fest nach Tag eins verletzt aufgeben. Eine Sehne im Hüftbeuger war im zweiten Gang gerissen.

Titelverteidiger Strebel ist erneut in guter Form

Davon hat sich Alpiger längst erholt. Am Sonntag hat auch er den Festsieg als Ziel. Und erneut kommt es gleich im ersten Gang zum Duell mit Giger – und damit zur Revanche.

Die Spitzenpaarungen des 1. Gangs

Alpiger Nick*** - Giger Samuel***
Döbeli Andreas *** - Schneider Domenic***
Strebel Joel*** - Schneider Mario**
Hügli Kaj** - Henzer Andreas**
Stoll Simon ** - Hermann Oliver**
Kropf Marcel** - Oettli Marco**
Räbmatter Patrick*** - Brun Samuel**
*** Eidgenosse, ** Teilverbandskranzer

In Lenzburg stand Alpiger gegen Stucki im Schlussgang. Der Gestellte reichte allerdings dem Berner zum Sieg. Die beiden waren schon im Anschwingen aufeinander getroffen, mit dem besseren Ende für Stucki. Der Schwingerkönig kam zu einem schnellen Sieg, weil Alpiger zu frech agierte, wie er selbst sagte, und einen Konter ermöglichte. Der mutige Angriff unterstrich aber auch die Ambitionen des der 25-jährigen Aargauers aus Staufen.

Die beiden waren schon im Anschwingen aufeinander getroffen, mit dem besseren Ende für Stucki. Der Schwingerkönig kam zu einem schnellen Sieg, weil Alpiger zu frech agierte, wie er selbst sagte, und einen Konter ermöglichte. Der mutige Angriff unterstrich aber auch die Ambitionen des Aargauers.

Neben Alpiger überzeugten am vergangenen Sonntag auch die beiden Freiämter Eidgenossen Joel Strebel, der 2019 das Solothurner gewann, und Andreas Döbeli. Beide wurden nur von Stucki besiegt, kamen sonst aber zu schnellen und souveränen Erfolgen.

2019 siegte Joel Strebel im Schlussgang des Solothurner Kantonalschwingfests gegen Christoph Bieri.

2019 siegte Joel Strebel im Schlussgang des Solothurner Kantonalschwingfests gegen Christoph Bieri.

Foto: Patrick Lüthy

Gespannt darf man auf den Auftritt von Patrick Räbmatter sein. Der Aargauer verpasste in Lenzburg den Kranz. Was natürlich nicht dem entspricht, was ein zweifacher Eidgenosse von sich selbst erwartet.

Nicht gemeldet ist Christoph Bieri, der sich nach Kranz Nummer 100 eine Pause gönnt, um zu entscheiden, wie es weitergeht. Giger zu stoppen, wird am Sonntag die Aufgabe anderer sein.