Pferdesport
Schweizer Springreiter kämpfen um WM-Medaillen

Die Reiterwelt misst sich in der Normandie. Innerhalb von zwei Wochen werden vom 25. August bis 7. September in acht Disziplinen 27 Medaillensätze vergeben. Edelmetallchancen besitzt die Schweiz nur im Springreiten und in der Voltige.

Merken
Drucken
Teilen
Solothurner Medaillenkandidat

Solothurner Medaillenkandidat

Keystone

Zwei bis drei Medaillen an den erstmals in Frankreich durchgeführten WM-Titelkämpfen sind für die Schweiz in acht Pferdesportdisziplinen realistisch. In der Voltige, in der die Gruppe aus Lütisburg als Weltmeister von 2012 antritt, und im Frauen-Einzel, in der die Zürcher Weltcup-Zweite Simone Jäiser mit ihrem Luk zu den aussichtsreichsten Podestkandidaten zählen, dürfen Medaillen erwartet werden.

Die Springreiter peilen in erster Linie die Olympiaqualifikation für Rio de Janeiro 2016 an, die mit einem Rang unter den Top fünf erreicht wird. An guten Tagen können aber sowohl die Equipe als auch die Einzelreiter Steve Guerdat mit Olympia-Goldpferd Nino des Buissonnets und Pius Schwizer mit dem hoffnungsvollen Oldenburger Toulago aufs Podium springen.

72 Länder in acht Disziplinen

Der Weltverband FEI meldet für die 7. WEG (World Equestrian Games) eine Rekordbeteiligung. Insgesamt haben in allen reiterlichen Disziplinen 72 Nationen ihr Kommen bestätigt. Das ist der höchste Stand überhaupt und ein Zuwachs von über 20 Prozent gegenüber den letzten WEG 2010 in Lexington/Kentucky (58). Neun Länder, darunter die Schweiz, werden in allen Disziplinen vertreten sein. Die Erwartungen der 140 Personen umfassenden Schweizer Delegation (inklusive aller Trainer, Offiziellen, Equipenchefs und Pferdepflegern) sind aber ausser im Springreiten und in der Voltige bescheiden. Die meisten Entscheidungen fallen im Stadion D'Ornano in Caen, wo normalerweise der Ligue-1-Aufsteiger Fussball spielt.

Bescheidene Ziele

In der Dressur und dem Concours Complet, den nebst dem Springreiten weiteren olympischen Disziplinen, wären Top-Ten-Ergebnisse für die Schweizer schon eine Sensation. Wenn er mit seinem Dänen Molberg eine Qualifikation für den Kür-Final der besten 15 schaffen würde, hätte er ein hoch gestecktes Ziel erreicht, sagt Marcela Krinke Susmelj. Die Luzerner Tierärztin, seit Jahren das Schweizer Aushängeschild in der hohen Schule des Reitsports, nimmt zum dritten Mal an Weltreiterspielen teil. Vor vier Jahren erreichte sie mit Corinth den bemerkenswerten 11. Platz. Mit der Mannschaft, die an den Europameisterschaften im Vorjahr in Herning (Dä) mit Rang 9 verblüffte, wäre ein Platz unter den Top 12 erstrebenswert, "aber äusserst schwierig", wie Krinke anfügt.

Nach den verletzungsbedingten Forfaits von Aachen-Doppelsieger Matthias Alexander Rath, dessen Dressur-Wunderpferd Totilas nach einem Tritt gegen ein Überbein ausfällt, und von WM-Titelverteidiger Edward Gal (Ho) nach Halswirbelsäulen-Problemen seines Spitzenpferdes Undercover gelten Doppel-Olympiasiegerin Charlotte Dujardin (Gb) mit Valegro und die zweifache Weltcupsiegerin Helene Langehanenberg mit Damon Hill als erste Titelwärter. Die erfahrene Isabell Werth mit ihrer erst zehnjährigen Stute Bella Rose sowie Adelinde Cornelissen (Ho) mit Parzival gelten als weitere Einzel-Medaillenanwärter. Team-Gold dürfte Deutschland von Holland zurückerobern, das 2010 in Lexington triumphiert hatte. Olympiasieger Grossbritannien dürfte mit Holland und Dänemark die weiteren Medaillen unter sich ausmachen.

Jung ohne Sam

Die sechs Schweizer Vielseitigkeitsreiter Patrizia Attinger, Eveline Bodenmüller, Jasmin Gambirasio, Sébastien Poirier, Ben und sein Bruder Felix Vogg, dem am ehesten eine Platzierung unter den Top 15 zuzutrauen ist, möchten im Haras du Pin wenigstens das Ziel erreichen. Einen gewichtigen Ausfall hat der deutsche Olympiasieger, Europameister und WM-Titelverteidiger Michael Jung zu verkraften. Sein Spitzenpferd Sam leidet an an einer Hufentzündung und fällt aus. Jung muss auf Rocana umsatteln. Deutschland gilt dennoch als Gold-Aspirant im Team und im Einzel.

Im Fahren strebt der Berner Werner Ulrich, der Weltmeister von 1998, einen Platz unter den Top 10 an. Da sich nur Toni Stofer als zweiter Schweizer Viererzugfahrer für die WEG qualifiziert hat, entfällt ein Streichergebnis, was die Teamwertung in den Hintergrund rücken lässt. Die Zürcher Westernreiterin Adrinne Speidel strebt mit ihrem American Quarter Horse Chexylution einen Finalplatz der besten 20 an, was schwierig genug sein dürfte.

Die Endurance-Reiter, die wie die Führung in der Dressur im WM-Vorfeld interne Querelen austrugen, haben für ihren 160 km langen Distanzritt in Sartilly, rund 100 km von Caen entfernt, einen sechsten Mannschaftsplatz als Zielsetzung formuliert. Insgesamt nehmen in der Endurance 173 Teilnehmer aus 47 Ländern teil. Reiter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und die einheimischen Franzosen werden besonders zu beachten sein. In der Para-Dressur streben die Genferin Celine van Till und die Aargauerin Nicole Geiger Platzierungen unter den zehn Besten an. (si)