Dopingskandal
Schweizer Spitzensportler sammeln Geld für das bedrohte russische Whistleblower-Paar

Die Stepanovs brachten den russischen Dopingskandal ins Rollen, der zum Ausschluss russischer Athleten von den Olympischen Spielen in Rio führte. Zuvor flohen sie aus Russland – in ein Leben in der Anonymität.

Sebastian Wendel
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Julia Stepanov war einst selbst Dopingsünderin - dann wechselte sie die Seite. Seither ist ihr Leben in Gefahr.

Julia Stepanov war einst selbst Dopingsünderin - dann wechselte sie die Seite. Seither ist ihr Leben in Gefahr.

Keystone

Einst waren sie selber Teil des Doping-Sumpfs: sie als 800-Meter-Läuferin, er als Mitarbeiter der russischen AntiDoping-Agentur. Doch 2014 wechselten Julia und Witali Stepanov die Seiten und berichteten in der ARD-Doku «Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht» über das systematische Doping in der Heimat. Der Film löste eine Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada aus, die unter anderem zum Ausschluss der russischen Leichtathleten für Rio 2016 führte.

Ausserhalb Russlands gelten die Stepanovs seither zwar als Helden – viel gebracht hat ihnen ihr Mut jedoch nicht: Hilfe von internationalen Verbänden erfahren sie keine, keiner will es sich mit den Russen verscherzen. Das Ehepaar lebt irgendwo in der USA und wartet auf eine Arbeitserlaubnis. Zeugenschutzprogramme für Sportler gibt es nicht.

Keine Arbeit, kein Geld, kein Leben. Aus Solidarität haben vier OlympiaAthleten die Spendenaktion «Support Stepanov» gegründet. Und hier kommt die Schweiz ins Spiel: Das Crowdfunding läuft über die Plattform «ibelieveinyou.ch» des Solothurner Ex-Kanuten und Olympioniken Mike Kurt. Auf dieser suchen normalerweise junge Sportler nach Spendern für Trainingslager oder Ausrüstung. Nun die Unterstützung für die russischen Whistleblower: «Dies ist unser Beitrag für einen sauberen Sport», sagt Kurt, der davon profitiert, dass seine Plattform nun weltweite Aufmerksamkeit erhält.

In den ersten 15 Tagen wurden gut 40 000 Franken gesammelt und somit über der Hälfte der 80 000 Franken, die sich die Initianten zum Ziel gesetzt haben. Mit dieser Summe können die Stepanovs und ihr Sohn ein Jahr lang überleben und gleichzeitig eine Berufsausbildung in Angriff nehmen. Die Aktion läuft noch bis Mitte Oktober.

Die Spender kommen aus der ganzen Welt, der Grossteil jedoch aus der Schweiz. Darunter bekannte Sportler wie Kariem Hussein, Mujinga Kambundji und Viktor Röthlin. Patrick Magyar, ehemaliger Chef von «Weltklasse Zürich», betreut die Stepanovs. Er sagt: «Am Anfang glaubten sie nicht einmal an 1000 Franken. Jetzt hören sie gar nicht mehr auf, Danke zu sagen.»

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