Partnerschaft

Schweizer Olympiahoffnungen auf Kurzarbeit: Jobpartnerschaft mit Swiss gerät ins Stocken

Die Schweizer Olympiahoffnung Petra Klingler kennt als Sportkletterin und als Angestellte der Fluggesellschaft Swiss die Gesetze der Schwerkraft.

Die Schweizer Olympiahoffnung Petra Klingler kennt als Sportkletterin und als Angestellte der Fluggesellschaft Swiss die Gesetze der Schwerkraft.

Es liegt nicht an der Fluggesellschaft, dass nur halb so viele Sportler bei Swiss arbeiten, wie in der Sponsoring-Partnerschaft mit Swiss Olympic geplant.

Es ist ein einzigartiges Sponsoringmodell im Schweizer Sport. Im März 2019 verkündeten der Dachverband Swiss Olympic und die Fluggesellschaft Swiss, dass im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio und in Peking je fünf Olympiahoffnungen aus dem Sommer- und dem Wintersport für jeweils drei Jahre in einem 50-Prozent-Pensum mit grösstmöglicher Flexibilität bei der Airline arbeiten können.

Nicht jede olympische Disziplin bietet erfolgreichen Athleten die finanziellen Aussichten eines Roger Federers. Trotzdem freut sich die Sportschweiz an Medaillen von Schützen, Ruderern oder Fechtern. Und auch im Medaillenspiegel bleibt Gold überall Gold. Doch mancher Spitzensportler steht während seiner Karriere vor der Frage: Leben am finanziellen Existenzminimum oder Suche nach einem Teilzeitjob.

Deshalb hat Swiss Olympic seine Anstrengungen in diesem Bereich verstärkt, im Jahr 2018 das Label «Leistungssportfreundlicher Arbeitgeber» geschaffen und mit dem Stellenvermittler Adecco eine spezielle Anlaufstelle für interessierte Athleten eingerichtet. Inzwischen gibt es 15 gelabelte Firmen sowie rund 25 weitere Unternehmen mit einer Absichtserklärung, ebenfalls ein flexibles Jobmodell anzubieten, das sich ganz auf die Verfügbarkeit der Sportler ausrichtet.

Drei Sommer- und zwei Wintersportler arbeiten für die Swiss

Jost Hammer, Leiter Athleten- und Karrieresupport bei Swiss Olympic, betont die Einzigartigkeit der Partnerschaft mit Swiss. Er sagt, dass sich die Fluggesellschaft sehr bemüht habe, um die Athleten in einem Bereich einzusetzen, wo sie ihre Stärken einbringen können. Im Oktober 2019 traten mit Sportkletterin Petra Klingler und Schwimmer Yannick Käser die ersten beiden Olympiahoffnungen ihren Job bei Swiss an. Klingler arbeitet im Marketing, Käser im Bereich Innovation und Digitalisierung.

Die erste Zwischenbilanz nach einem Drittel der Wegstrecke offenbart einige Turbulenzen. Zum einen ist das Projekt nicht so ins Fliegen gekommen wie angedacht. Heute arbeiten drei Sommersportler und zwei Wintersportler bei Swiss. Neben Klingler und Käser sind dies die Leichtathletin Cornelia Halbheer im Bereich Controlling und die Curler Benôit Schwarz in der Flugnetwerk-Planung und Elena Stern in der Kommunikationsabteilung.

Jost Hammer erklärt, dass nicht etwa die Situation rund um das Coronavirus verantwortlich dafür sei, dass die Auslastung erst bei 50 Prozent liege. «Einerseits waren wir mit dem Projekt in Richtung Tokio zeitlich knapp dran. Zudem ist ein Pensum von 50 Prozent für viele Athleten in der Vorbereitung auf Olympische Spiele halt doch eine ziemlich grosse Belastung», sagt der Solothurner. Die Nachfrage hielt sich in ziemlich engen Grenzen.

Keine neuen Partnerschaften wegen dem Coronavirus

Hammer sagt, dass sich viele Sportler in ihrem persönlichen Umfeld Lösungen suchten. Es zeige sich einmal mehr, dass im Spitzensport das Planen von Trainings und anderen Engagements eine ausgesprochen individuelle Angelegenheit sei. Aktuell forciert man bei Swiss Olympic die Jobpartnerschaften wegen der Covid-Situation nicht. «Die Unternehmen haben derzeit andere Prioritäten», sagt Hammer.

Zum andern hat das Virus auch auf die fünf bei Swiss tätigen Athletinnen und Athleten Einfluss. Niemand konnte ahnen, dass sie ihre berufliche Laufbahn ausgerechnet in jener Branche lancieren, die von Corona mit am stärksten betroffen ist. «Wir sind seit dem Frühjahr in Kurzarbeit», erklärt Yannick Käser. Und das könne durchaus noch eine Weile so bleiben.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation will Swiss an der Zusammenarbeit festhalten, wie Remo Hauser, im Bereich HR für die Talententwicklung verantwortlich, erklärt. «Es ist für uns eine wichtige strategische Partnerschaft und wir sind sehr zufrieden, wie es angelaufen ist», erklärt Hauser.

Swiss will an Partnerschaft festhalten

Das Feedback aus den Abteilungen sei ausnahmslos positiv. «Man spürt die ausgeprägte Persönlichkeit der Sportler und empfindet das Miteinander als grosse Bereicherung.» Zu Beginn habe es Zeit gebraucht, bis man verstanden habe, wie man sich innerhalb der Teams organisieren müsse. «Die Flexibilität ist das Thema Nummer 1, denn für die Athleten ist der Job komplementär zum Training», sagt Hauser. Er sieht einen weiteren Vorteil im Projekt. Die Swiss sammle Erfahrungen, um sich als flexibler Arbeitgeber weiterzuentwickeln.

Selbstverständlich kann sich auch Hauser vor der aktuellen Situation im Unternehmen nicht verschliessen. Derzeit bestehe ein Einstellungsstopp. Eine Ausdehnung der Partnerschaft komme also bis auf weiteres nicht infrage. Ob sie gar grundsätzlich in Gefahr ist?

Flexibel müssen derzeit nicht nur die Swiss und Swiss Olympic sein. Auch für die Sportler verändert sich viel. Nicht primär wegen der Kurzarbeit. Denn wäre mit den Olympischen Spielen in Tokio alles nach Plan verlaufen, hätte die Schweizer Airline heute vielleicht schon eine Medaille im Firmenpalmarès. Schliesslich befand sich Kletterin Petra Klingler zuletzt auch sportlich im Steigflug.

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