Schweizer Nationalteam
Er kämpfte zu lange um Anerkennung, jetzt wechselt er wohl nach Frankreich: Ein offener Brief an Vladimir Petkovic

Der Trainer der Schweizer Nati steht vor einem Wechsel in die Ligue 1 in Frankreich. Nach sieben Jahren geht er beim SFV von Bord. Zeit für einen offenen Brief an den Mann, der die Schweiz sieben Jahre lang als betreut und in den EM-Viertelfinal geführt hat.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Ein Abgang für immer? Die Anzeichen verdichten sich, dass Vladimir Petkovic nicht mehr lange Schweizer Nationaltrainer ist.

Ein Abgang für immer? Die Anzeichen verdichten sich, dass Vladimir Petkovic nicht mehr lange Schweizer Nationaltrainer ist.

Urs Lindt / freshfocus

Sehr geehrter Vladimir Petkovic,

Als Sie vor gut zwei Wochen aus St.Petersburg zurück nach Zürich reisten, sind die Schweizer Nati-Fans am Flughafen Kloten gestanden, haben gejubelt, um Autogramme und Selfies gebeten. Menschen haben sich umarmt, gelacht, waren euphorisch, so wie in den Tagen zuvor schon. Alles dank den Auftritten Ihrer Fussballer an dieser EM. Als Chef der Nati haben Sie die Schweiz mitgenommen auf eine besondere Reise. Die Bilder dieser Gesichter voller Emotionen sind vielleicht Ihr schönster Sieg. Niemand wird Ihnen diesen je nehmen.

Sie kennen auch die dunkle Seite des Sports. Wenn im Moment der Niederlagen Schuldige gesucht werden und Zweifel herrschen. Ganz am Anfang Ihrer Ära, im September 2014, sind wir zusammen in Maribor auf einer Holzbank am Waldrand gesessen, zwei Niederlagen aus zwei Spielen zum Start, das war die Bilanz – die Schweiz hatte Fragen. Aber Sie schon damals die Gelassenheit, zu sagen: Es kommt schon gut! Irgendwann, Sie waren so sehr überzeugt davon, würde der nächste Schritt gelingen.

Ich gebe es zu: Manchmal sind die Zweifel daran gewachsen, nie so sehr wie an jenem Mittwochabend in Rom, beim 0:3 gegen Italien. Danach haben Sie sich in einem offenen Brief in unseren Zeitungen einen Appell ans Schweizer Volk gerichtet. «Fussballspieler und Trainer haben Gefühle, Sorgen, Ängste und Freuden wie alle anderen. Wir sind genauso verletzlich.» Und auch: «Nicht immer erfüllen wir, was von uns erwartet wird.» Sie haben um die Solidarität und die Unterstützung der Schweiz gebeten. Kaum jemand hätte in diesen Momenten wohl daran gedacht, welch wunderbare Wende diese EM-Reise noch nehmen wird.

Nun möchten Sie nach Bordeaux. Eines ist klar: Viel zu lange mussten Sie um Anerkennung und Wertschätzung kämpfen. Nun haben Sie sich diese verdient. Und die ganze Fussball-Welt hat dabei zugesehen. Möge dieser letzte Eindruck haften bleiben. Viel Glück in Frankreich!

Herzlich, Etienne Wuillemin

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