Eishockey

Schweizer helfen Schweizern nicht – die Kanadier machen es schlauer

Larry Hurras steht neu bei Fribourg an der Bande.

Larry Hurras steht neu bei Fribourg an der Bande.

Die phantastischen helvetischen Hockey-Wirklichkeiten übertreffen wieder einmal die Fiktion. Noch bevor die Blätter fallen, haben die arbeitslosen Trainer Heinz Ehlers (50) und Larry Huras (61) wieder einen Job. Die Umstände ihrer Rückkehr ist ein Lehrstück wie unsere Hockeymacher ticken.

Die Sportchefs in Langnau und Fribourg haben ihre Mannschaften überschätzt. Langnaus Sportchef Jörg Reber leistete sich deshalb mit Scott Beattie einen «Billig-Trainer». Gottérons Christian Dubé erlaubte Roman Cervenka, seinem wichtigsten Einzelspieler, die Teilnahme am World Cup, dem Spengler Cup des Internationalen Hockeys.

Obwohl es einen etwas frivolen Grundsatz gibt: Der Ehefrau, dem Torhüter und dem ausländischen Personal darf nicht erlaubt werden, mit anderen zu spielen. Müdigkeit und Formschwäche des tschechischen Weltklassespielers sind wichtige Gründe für die Krise bei Gottéron.

Der kluge Gerd Zenhäusern sah vor seinem Sportchef die Krise heraufziehen. Er hat den Platz an der Bande freiwillig geräumt um künftig in der Windstille der Nachwuchsausbildung zu arbeiten.

Und so sind Heinz Ehlers und Larry Huras zu ihren neuen Arbeitsplätzen in Fribourg beziehungsweise Langnau gekommen. Womit wir beim Lehrstück über unser Hockey sind. Die Kanadier sind die erfolgreichsten Sport-Imperialisten aller Zeiten. Sie haben ihr Spiel nicht nur über die nördliche Heimsphäre verbreitet. Sie haben aus ihrem Spiel «Big Business» gemacht und verdienen damit weltweit Geld.

Wo immer ein Kanadier in einem Chefbüro Platz nimmt, kümmert er sich um seine Landsleute. Christian Dubé ist ein ehemaliger kanadischer Spieler. Als Gerd Zenhäusern seine Demission einreichte, war daher allen klar: der neue Trainer wird Larry Huras, ein kanadischer Kumpel des Sportchefs.

Dieser Zusammenhalt fehlt den Schweizern. Mit der gleichen Philosophie hätte für Langnaus Sportchef Jörg Reber der Nachfolger von Scott Beattie nur Lars Leuenberger heissen können. Schweizer Sportchef holt Schweizer Trainer. Aber Jörg Reber hat inzwischen öffentlich zugeben, dass er seinen Landsmann Lars Leuenberger, immerhin SCB-Meistertrainer, nicht einmal kontaktiert hat. In Langnau steht neu Heinz Ehlers an der Bande. Jörg Reber traut dem Dänen zu, die Tiger wieder auf Kurs zu bringen. Lars Leuenberger traut er nicht über den Weg.

Es gibt noch freie Kanadier

Larry Huras ist der Einstand halbwegs geglückt. Er hat zweimal verloren (2:5 gegen Kloten, 2:4 in Zug) und gestern gegen die ZSC Lions 5:4 n.V. erstmals gewonnen. Heinz Ehlers tauchte gegen Ambri (0:3) – aber gestern hat der taktische Hexenmeister in Davos 3:2 nach Verlängerung gewonnen. Heute Abend kommt es in Langnau zum Duell der neuen Trainer. Verliert Larry Huras, ist er Schlusslicht. Eigentlich unvorstellbar. Dauert die Krise an, ist bei Gottéron ein zweiter Trainerwechsel nicht mehr auszuschliessen. Was kein Problem wäre. Es gibt immer noch kanadische Coaches ohne Job.

Wie kritisch die Situation bereits geworden ist, zeigt sich daran, dass Christian Dubé inzwischen den kanadischen Stürmer Marc-Antoine Pouliot gefeuert hat. Eine Stützungsmassnahme für den Trainer – und sich selbst. Scheitert auch Larry Huras, dann wird der Sportchef infrage gestellt. Wenn ein Trainerwechsel nicht hilft, ist nicht der Trainer das Problem. Sondern der Sportchef, der nicht den richtigen Trainer für seine Spieler oder die richtigen Spieler für seinen Trainer angestellt hat.

Jörg Reber hat es schön gesagt: «Ich bin mir bewusst, dass ich mir nicht mehr viel erlauben kann.» Das gilt noch viel mehr für Christian Dubé und Larry Huras. Für Heinz Ehlers nicht. Er hat Vertrag bis 2018 plus Option.

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