Eishockey
Schweizer gehören nun zu den Grossen – an diesem Druck sind sie zerbrochen

Die Schweizer Eishockeyaner scheiden gegen Lettland aus, die sie in den Gruppenspielen noch knapp mit 1:0 geschlagen haben. Wird nun die WM-Silbermedaille vom vergangenen Mai entwertet?

Klaus Zaugg
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Verteidiger Mathias Seger alles andere als glücklich.

Verteidiger Mathias Seger alles andere als glücklich.

Keystone

Die Titanic unseres Hockeys, die nominell beste und teuerste Nationalmannschaft aller Zeiten, ist untergegangen. Ist nun ein schöner Traum zu Ende? Ist das WM-Silber entwertet? Sind wir wieder Mittelmass? Nein. Auch in Sotschi haben wir zweimal (0:1 gegen Schweden, 1:0 gegen Tschechien) auf Weltklasseniveau gespielt. So wie es von einem WM-Finalisten erwartet wird.

Was war anders als in Stockholm? Wir waren bei der WM in keinem Spiel klarer Favorit und vor dem Turnier hatte niemand etwas erwartet. Die WM geriet zum Abenteuer, das eine Eigendynamik entwickelte und als Märchen endete. Sotschi war kein Abenteuer mehr, sondern von allem Anfang an der Alltag der Grossen. In jedem Spiel ist ein Sieg erwartet worden. Selbst die Kanadier stuften uns als mögliche Olympiasieger ein. Aber Lettland hat uns mit totalem Defensivhockey so zermürbt, wie wir jahrelang die nominell besseren Gegner.

Wir haben in Sotschi zum ersten Mal erfahren, welche Bürde es ist, weltklasse zu sein. Zu den Grossen zu gehören. An diesem Druck ist die Mannschaft zerbrochen. Die Defensive funktionierte. Defensiv sind wir weltklasse und wir haben in der NHL Torhüter und Verteidiger mit Star-Status. Aber ganz oben ist die Luft für unsere Offensive nach wie vor zu dünn. Wir haben in der NHL noch keine Stürmer mit Starstatus. Erst wenn wir auch NHL-Offensivspieler der oberen Hubraumklasse haben, sind wir ganz oben etabliert.

Bis dahin sind wir viel zu gut für die Aussenseiterrolle. Aber noch nicht gut genug, um sichere Medaillenanwärter zu sein. Nach oben gibt es, wenn alles stimmt, fast keine Grenzen. Aber nach unten auch nicht, wenn nur ein paar Details nicht passen. Wie jetzt in Sotschi.