Fussball
Schweizer Fussball: 800 Millionen Umsatz, 3300 Vollzeitstellen

Erstmals gibt es eine Bilanz über die Wirtschaftlichkeit im Schweizer Fussball. Im Auftrag der Swiss Football League zeigt die Studie, welche positiven ökonomischen Auswirkungen der Fussball auf die Schweiz hat.

Cedric Heer
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Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League

Keystone

Wissen Sie, wer den legendären Kopfstoss im WM-Finale 2006 beging? Haben Sie gewusst, weshalb der FC Basel nach dem Spiel gegen Salzburg ein Geisterspiel als Strafe bekommen hat? Wussten Sie, dass die Schweiz und Österreich die einzigen europäischen Länder sind, in denen die Vereine sich an den Sicherheitskosten der öffentlichen Hand beteiligen müssen? Was im Fussball zu reden gibt, sind oftmals Negativschlagzeilen. «Die negativen Begleiterscheinungen des Fussballs werden stark diskutiert – dabei geht das Positive meist unter», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League (SFL).

Deshalb gab die Liga beim Forschungs- und Beratungsunternehmen Rütter Soceco und dem Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern eine Wertschöpfungsanalyse der Raiffeisen Super League in Auftrag. Während der Saison 2013/14 wurden die Lizenzdokumentationen analysiert, 4000 Matchbesucher befragt und sich so ein umfassendes Bild darüber gemacht, welche Auswirkungen der Fussball in und ausserhalb der Stadien hat. Ziel der Studie war die Einschätzung der wirtschaftlichen Bedeutung der Klubs für die Schweiz – mit der positiven Begleiterscheinung, erstmals aussagekräftige Zahlen vorweisen zu können.

Wichtige messbare Daten

Widmet sich die Schweizer Fussball Liga nun zunehmend der Kommerzialisierung? «Nein», sagt Schäfer. «Der Fokus liegt weiterhin auf dem Spielfeld. Aber die Studie liefert wichtige messbare Werte.» Diese Daten sollen einerseits das bisherige «schwarze Loch», wie Oliver Hoff, Projektleiter der Rütter Soceco, dies bezeichnet, im Verständnis der Bevölkerung schliessen, andererseits den Vereinen als sachliche Werkzeuge in Verhandlungen mit Sponsoren und vor allem den Behörden helfen.

800 Millionen Franken Umsatz, ein Arbeitsvolumen von 3300 Vollzeitäquivalenten und 42 Millionen Franken Steuern erzielten die zehn Vereine und die rund 2,2 Millionen Matchbesuchern in der vergangenen Saison. Dadurch wurde eine Bruttowertschöpfung von 455 Millionen Franken generiert, was im Vergleich rund der Hälfte davon entspricht, was die EM 2008 umgesetzt hatte.

«Die Wertschöpfung an und für sich ist ein neutraler Begriff. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Arbeit eines Trainers oder die eines Polizisten handelt», sagt Hoff. Daher war es wichtig, erstmals in einer Studie über den Fussball in der Schweiz sowohl die direkten, als auch die indirekten Aspekte miteinzubeziehen. Ein Zuschauer kauft sich ein Ticket, reist mit dem Zug ans Spiel und isst in der Pause eine Bratwurst – all dies sind direkte Kosten, die verhältnismässig einfach zu messen sind. Von wo die Bratwurst ursprünglich stammt und wie sie verarbeitet wurde, damit befasst sich die indirekte Ebene, die in der Regel national vernetzt ist. «Zwar sind die jeweiligen Vereine stark regionalisiert und generieren den grössten Anteil ihrer Ein- und Ausgaben im Klubkanton, gerade die Gelder der indirekten Ebene verteilen sich aber vermehrt über die ganze Schweiz», erklärt Hoff.

Die Erkenntnis über das genaue Ausmass dieser Zahlen sei enorm wichtig. «Die Sportbranche ist grösser als die Landwirtschaft. Die Kraft und die Wertschätzung des Fussballs wird oftmals unterschätzt», sagt Hippolyt Kempf vom Baspo. «Bisher waren die Externalitäten nur einseitig messbar», ergänzt Kempf. »Während die negativen Effekte wie Sicherheitskosten und Schäden präsent sind, waren die sogenannten «Weicheneffekte» wie die Ausbildung und Förderung von Jugendlichen nicht quantifizierbar.»