Curling
Schweizer Curlerinnen lästern: «Wir hätten Männer-Teams geschlagen»

Die Schweizer Curling-Frauen um Skip Mirjam Ott spielen in Sotschi um die Medaillen. Die Männer um Ski Sven Michel müssen hingegen mit leeren Händen die Heimreise antreten. Die Frage sei erlaubt: Hätte das Team Ott gegen das Team Michel eine Chance?

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Ob die Curling-Frauen gegen die Männer eine Chance hätten?
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Das Männer-Curling-Team in Sotschi Skip Sven Michel (2.v.l.) mit Sandro Trolliet, Claudio Pätz und Sandro Trolliet (v.l.)
Das Schweizer Frauen-Team schlägt die Chinesinnen
Janine Greiner (Mitte) gibt den Stein ab, flankiert von Carmen Schäfer (links) and Carmen Küng
Frauen-Skip Mirjam Ott
Skip Sven Michel
Mirjam Ott brilliert mit taktischer Meisterleistung und ballt die Faust
Die hübsche Carmen Schäfer
Das enttäuschte Schweizer Männer-Team ist frühzeitig ausgeschieden

Ob die Curling-Frauen gegen die Männer eine Chance hätten?

Keystone

Männer gegen Frauen - im Sport ist das so eine Sache. Oft eindeutig, meist unfair, weil die Frauen öfters den Kürzeren ziehen.

Doch in Sotschi spielen die Schweizer Curling-Frauen um Skip Mirjam Ott um die Medaillen, während die Männer um Skip Sven Michel enttäuscht mit leeren Händen die Heimreise antreten können. Die Frage sei daher erlaubt: Hätte das Team Ott gegen das Team Michel eine Siegchance?

Klar ist: Es gibt nicht viele Sportarten, in denen sich Männer und Frauen direkt miteinander messen können. Die klassische Olympia-Sportart, in der sich Männer und Frauen duellieren, ist das Reiten.

Im Springreiten schaffte es noch keine Amazone zur Goldmedaille; in der Dressur hingegen geben die Frauen den Ton an.

Auch im Schach dürfen die Frauen gegen Männer antreten, obwohl der Weltverband FIDE auch eine Frauen-WM organisiert.

Die beste Schachspielerin aller Zeiten, die Ungarin Judit Polgar, nahm in ihrer ganzen Karriere aber nur an geschlechteroffenen Turnieren teil. Als bestes Resultat erreichte sie an der WM 2005 die Viertelfinals.

«Kräftemässig im Vorteil, aber...»

Wie sähe es also im «Schach auf Eis» aus, wenn sich die Frauen mit den Männern messen würden?

«Wir hätten sicher auch bei den Männern mehr als ein Spiel gewonnen», ist Mirjam Ott überzeugt.

«Natürlich sind die Männer kräftemässig im Vorteil. Aber es ist nicht so, dass wir deswegen keine Chance hätten.»

Freundschaftsspiele gegen Männer gewonnen

Ins gleiche Horn stösst Alina Pätz, die Freundin des Männer-Skips Sven Michel, die gemeinsam mit dem Berner Oberländer auch schon die Mixed-WM gewonnen hat.

«Wir führen keine Statistiken. Aber wir haben während der Olympia-Vorbereitung oft Freundschaftsspiele gegen das Team von Sven (Michel) gespielt. Die Bilanz war in etwa ausgeglichen. Wir Frauen haben eher öfter gewonnen.»

Und auch Mirjam Ott bestätigt das: «Die Bilanz dürfte ungefähr ausgeglichen sein. Anfang Saison haben wir öfter gewonnen, zuletzt siegten die Männer etwas häufiger.»

Früher galt es als normal, wenn Männer und Frauen gegeneinander curlten. Bis vor rund 15 Jahren gab es noch drei grosse geschlechteroffene Turniere, nebst anderen eines in Bern.

«An diesem haben wir auch das Team von Andy Schwaller, dem aktuellen Nationaltrainer, geschlagen», erinnert sich Mirjam Ott.

«Andy (Schwaller) hat sich ob dieser Niederlage dermassen aufgeregt, dass er nachher an keinen offenen Turnieren mehr teilnahm», stichelt die 42-jährige Bernerin in Richtung des Nationaltrainers.

Derart schlimm wird es aber kaum gewesen sein. Andy Schwaller heiratete mit Heike Wieländer eine deutsche Curlerin, die mit Andrea Schöpp zusammen dreimal an Europameisterschaften triumphierte und die verschiedentlich auch «interne Mätschlis» (Schwaller) gewann.

Vermutlich wäre es im Curling aber ähnlich wie im Schach. Ganz nach oben würde es den Frauen nicht reichen.

Das belegen am Olympia-Turnier in Sotschi die Statistiken. Nur gerade auf der Lead-Position, wo das Take-out-Spiel verboten ist, kommen die Frauen auf ähnliche Prozentzahlen wie die Männer (84,9:84,8 Prozent).

Auf den übrigen Positionen liegen die Erfolgsquoten der Männer um 5,2 % (Nummer 2), 1,6 % (Nummer 3) und 4,2 % (Skips) über jenen der Frauen.

Mit ihrem Team-Durchschnitt von 78 Prozent hätte das Team von Mirjam Ott bei den Männern aber immerhin Russland (77 %) und Deutschland (75 %) übertroffen.

Aufgrund dieser Zahlen steigen die Schweizerinnen auch in die Medaillenspiele der Frauen lediglich als Aussenseiterinnen.

Die übrigen Halbfinalisten Kanada (86 %), Halbfinalgegner Schweden (80 %) und Grossbritannien (79 %) spielten während der Round Robin erfolgreicher als Janine Greiner (77 %), Carmen Küng (78 %), Carmen Schäfer (79 %) und Mirjam Ott (77 %).