Mountainbike
Schurter mit Ansage, Neff mit Zurückhaltung

Nino Schurter und Jolanda Neff gehören an den olympischen Mountainbike-Rennen am Wochenende in Rio de Janeiro zu den Topfavoriten. Sie treten ihre Mission unterschiedlich an: Schurter mit einer Ansage, Neff mit Zurückhaltung.

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Unsere Goldhoffnungen im Mountainbike: Nino Schurter und Jolanda Neff.

Unsere Goldhoffnungen im Mountainbike: Nino Schurter und Jolanda Neff.

Keystone

Bronze 2008 als Neuling, Silber 2012 als Favorit: Zwei Medaillen hat Schurter an seinen ersten beiden Olympischen Spielen bereits gewonnen. Geschlagen wurde er in Peking vom Franzosen Julien Absalon und in London vom Tschechen Jaroslav Kulhavy, der den Bündner vor vier Jahren auf den letzten paar hundert Metern übersprintete.

Absalon, der ewige Rivale, und Kulhavy werden auch in Rio wieder Schurters stärkste Widersacher im Kampf um den Olympiasieg sein. Schurter ist sich dessen bewusst, sagt aber: «Ich schaue primär darauf, mein Rennen zu fahren und nicht zu stark darauf, wer die Gegner sind.» Klar ist für Schurter aber, dass es dieses Mal Gold werden soll. «Eine zweite silberne oder bronzene Medaille brauche ich nicht. Ich will Gold und gehe ganz klar mit dem Ziel in das Rennen, dieses zu gewinnen», machte Schurter kein Geheimnis über seine Ziele.

Schurter und die restlichen Schweizer Biker zogen am Dienstag nach einer Trainingswoche in den Bergen ausserhalb von Rio in das olympische Dorf ein. Sie hätten ein erfolgreiches Camp gehabt, bei guten Bedingungen, sagte Schurter. Das Lager war Schurters letztes Puzzle-Teil in der Vorbereitung, in der er alles getan habe, was möglich sei.

Im Vergleich mit London will Schurter das Rennen gelassener angehen. «Ich durfte seither schon sehr viel erreichen», so der 30-Jährige, der in seiner Karriere fünfmal Weltmeister und viermal Gesamtweltcupsieger geworden ist. «Ich denke, ich habe noch etwas mehr Reife, damit mir dies auch gelingt. In London wollte ich das Rennen zu stark kontrollieren und alles in die Hand nehmen. Ich liess dabei zu viele Körner liegen. Es braucht auch Geduld und Gelassenheit.»

Neff und die Erinnerungen an die WM

Während Schurter offen über seine Ambitionen auf den Olympiasieg sprach, äusserte sich Neff zurückhaltender. Neff, für die in Rio nach dem Strassenrennen (8. Rang) nun der zweite und deutlich wichtigere Einsatz ansteht, trat an den letzten Weltmeisterschaften jeweils als Favoritin an, reüssierte aber nicht. Wegen einer Infektion (2015) respektive Rückenproblemen (2016) musste sie mit den Plätzen 9 und 8 Vorlieb nehmen.

Insofern ist Neffs vorsichtige Herangehensweise verständlich. «Mein Ziel ist es, am Samstag gesund in das Rennen zu starten. Diesbezüglich bin ich auf Kurs. Für mich ist das matchentscheidend, wenn ich an die letzte WM zurückdenke.» Zumindest der Rücken dürfte wieder okay sein; an den letzten Bike-Rennen schmerzte er kaum noch.

Die Rheintalerin weiss: Tritt sie ohne irgendwelche Beschwerden an, dann ist sie nur sehr schwer zu schlagen. Eine konkrete Zielsetzung liess sich Neff dennoch nicht entlocken. Sie gab sich beim Medientreffen aber betont gelöst, sorgte mit lockeren Sprüchen für Gelächter im Raum.

Gefragt, wie denn das Profil der Gewinnerin auf dieser Strecke aussehen müsse, antwortete sie: «Ich hoffe, sie hat blonde Locken.» Oder als sie Auskunft darüber geben musste, wie sie denn mit dem Druck der Favoritin umgehe, meinte sie, das sei kein Problem. «Den Druck bringe ich ohnehin am Liebsten auf die Pedale.»

Weitere heisse Eisen im Feuer

Swiss Cycling schickt in den beiden Rennen aber nicht nur Schurter und Neff ins Rennen, sondern drei weitere Athleten mit Potenzial für Topresultate. Vom im Weltcup so dominanten und breit besetzten Schweizer Männerteam erhielten Mathias Flückiger und Lars Forster den Vorzug gegenüber ihren Teamkollegen, bei den Frauen steht Linda Indergand neben Neff am Start.

Sollten die Favoritinnen und Favoriten aus irgendwelchen Gründen straucheln, gehören auch sie im Optimalfall zu den Kandidaten, die einen Platz auf dem Podest erben könnten. Flückiger, bei der Olympia-Hauptprobe im kanadischen Mount Saint Anne vor zwei Wochen Dritter, glaubt an ein taktisches Rennen. «Die Strecke ist sehr schnell und das Gelände offen. Es kann Wind haben. Dann dürfte auch die Teamtaktik entscheidend sein.»