Fussball
Schön und stark: Das Gesicht des Schweizer Frauenfussballs

Lara Dickenmann ist die bekannteste Schweizer Nationalspielerin, die gerade dem «100er-Klub» beigetreten ist. Das ist nicht nur ihrer Erscheinung geschuldet, sondern auch dem sportlichen Erfolg der 29-jährigen, künftigen Bundesligaspielerin.

Dean Fuss
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Lara Dickenmann.

Lara Dickenmann.

Keystone

Sie hat je fünf Mal die Schweizer Meisterschaft und den französischen Titel gewonnen. In den Jahren 2011, 2012 bejubelte sie mit Olympique Lyon den Champions-League-Titel.

Seit zwölf Jahren zählt sie zum festen Stamm der Nationalmannschaft. Zudem wurde sie insgesamt fünf Mal als beste Schweizer Fussballspielerin ausgezeichnet.

Beim 0:1 gegen Japan zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Kanada bestritt sie ihre 100. Partie im Trikot des Schweizer A-Nationalteams. Kaum ein Name steht so sehr für den Schweizer Frauenfussball wie ihrer; Lara Dickenmann.

WM-Teilnahme wie CL-Titel

Das Palmarés der 29-Jährigen liest sich eindrücklich. Und trotzdem sprach sie im Vorfeld davon, dass die WM-Teilnahme für sie ein absoluter Karriere-Höhepunkt sei.

«Es steht in etwa auf gleicher Stufe mit dem ersten Champions-League-Titel, der noch etwas Spezieller war, als der zweite», sagt die Offensivspielerin. Dass sie trotz all ihrer Erfolge noch längst nicht genug vom Frauenfussball hat, bewies Dickenmann erst vor wenigen Wochen: Da wurde bekannt, dass sie ihren Arbeitgeber wechselt.

Nach sieben Jahren verlässt sie Lyon, wo sie seit 2008 unter Vertrag stand. Auf Beginn der neuen Saison zieht es die 1,65 Meter grosse Krienserin mit einem Zweijahresvertrag in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg.

Dort wird sie auf ihre Nati-Teamkolleginnen Noëlle Maritz und Vanessa Bernauer treffen. «Mit Lara Dickenmann konnten wir eine absolute Topspielerin für den VfL begeistern», sagte Wolfsburgs Cheftrainer Ralf Kellermann nach der Bekanntgabe des Transfers im April. «Sie wird uns helfen, den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiterzugehen.» Sie selber sagt dazu: «Der Wechsel macht für meine Karriere Sinn. Es ist ein nächster Schritt.»

Schweiz macht vorwärts

Dickenmann stösst damit in diejenige Liga, in der mit Abstand die meisten im Ausland beschäftigten Schweizerinnen spielen. Die Bundesliga gilt als eine der stärksten Frauen-Ligen weltweit.

Dass die Anzahl der dort engagierten Schweizerinnen zunimmt ist Ausdruck für die Qualität der hiesigen Fussballerinnen. «Die Schweiz hat sich den Top-Nationen immer mehr angenähert. Das ist ein laufender Prozess», sagt Dickenmann dazu.

Durch die Teilnahme an der WM dürfte sich das Interesse Deutscher und anderer ausländischer Top-Klubs an den Schweizerinnen noch einmal verstärken.

Zumal sich Dickenmann und Co. keineswegs mit der erstmaligen Teilnahme an einer WM begnügen wollen. «Unser Minimalziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen.

Danach ist im K.o.-Modus alles möglich», sagt sie selbstbewusst und schiebt nach: «Wir müssen jetzt auch von der Situation profitieren. Es soll nicht unsere erste und zugleich letzte WM-Teilnahme werden.»

Stark und attraktiv

Dickenmann ist eine der Schlüsselspielerinnen im Team von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Sie bildet zusammen mit Captain Caroline Abbé und Martina Moser das Trio mit einer dreistelligen Anzahl Länderspiele.

Dickenmann vereint den Traum eines jeden Vermarkters von Frauenfussball: Einerseits ist sie eine starke Mittelfeldspielerin mit Goalgetterqualitäten, andererseits ist die zierliche Blondine mit ihren grünen Augen ein attraktives Aushängeschild.

Dickenmann entspricht so gar nicht dem Stereotyp des fussballspielenden Mannsweibs – wie es übrigens auch sonst kaum eine Spielerin des Schweizer Nationalteams tut.

Nach Daniela Schwarz ist Dickenmann die älteste Spielerin im WM-Kader der Schweiz. In Kombination mit ihrem Status ergibt sich daraus eine Verantwortung als Teamleaderin.

Einen zusätzlichen Druck verspürt sie deshalb nicht: «Mir gefällt diese Rolle. Ich versuche, meine Erfahrungen weiterzugeben», sagt Dickenmann. Gerade in einem jungen Team wie es die Schweiz stellt, kann das ein wichtiger Faktor sein.