Abschiede erzeugen häufig ein Gefühl grosser Trauer. Und es war nicht zu übersehen, dass Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc tief bewegt waren, als sie mit dünnen Lippen und zitternden Stimmen die Trennung von dem Mann bekannt geben mussten, der alles überstrahlt bei Borussia Dortmund. «Wir haben die gemeinsame Entscheidung getroffen, dass der Weg, den wir sieben Jahre lang mit unglaublichem Erfolg gegangen sind, zu Ende ist», sagte Watzke, der Geschäftsführer des Traditionsvereins aus dem Revier.

Einen letzten Traum

Er war den Tränen nahe. Er starrte ins Leere, wirkte ein bisschen wie eine verlassene Ehefrau und Sportdirektor Zorc erklärte an Klopp gewandt: «Du hast dem Klub und mir persönlich viel Energie und Optimismus mitgegeben». Nur der Mann im Mittelpunkt lächelte immer wieder, und wer die drei Herren in diesen Augenblicken beobachte, konnte noch einmal spüren, was für ein besonderer Fussballtrainer Jürgen Klopp ist. Selbst in diesem Moment, in dem ein Gefühl der Wehmut und Trauer die Fussballstadt Dortmund umhüllte, war es Klopp, der Zuversicht ausstrahlte, der Trost spendete.

Bis zum Saisonende wird der 47-Jährige die Mannschaft noch trainieren, «ich habe den einen letzten Traum, noch einmal mit gutem Grund auf einem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren und einen Titel zu feiern», sagte Klopp. Dazu müsste der BVB den DFB-Pokal gewinnen, in dem Ende April das Halbfinale beim FC Bayern ansteht.

Die Gründe für seinen Abschied erklärte Klopp so: «Ich habe immer versprochen, dass ich sagen werde, wenn ich nicht mehr der richtige Trainer für diesen aussergewöhnlichen Verein bin.» Neuerdings könne er «diese Frage nicht mehr eindeutig mit Ja beantworten». Er sei weder müde, noch kokettiere er mit einem Wechsel zu einem anderen Verein, er sei einfach nur überzeugt, dass Borussia Dortmund in der kommenden Saison mit einem neuen Trainer besser funktioniert.

Alles deutet auf Thomas Tuchel

Zwar waren Fragen zu Klopps Nachfolger auf der Pressekonferenz nicht erlaubt, «Sicherheit geht vor Schnelligkeit», sagte Watzke nur, aber der Verlauf dieses Tages deutet recht eindeutig in Richtung Thomas Tuchel. Der ehemalige Mainzer Trainer, der derzeit pausiert, im kommenden Spieljahr aber wieder arbeiten möchte, wurde in den vergangenen Tagen heftig vom Hamburger SV umworben, und sagte dort schliesslich ab. Bruno Labbadia übernimmt den abstiegsbedrohten Traditionsverein. Es gilt als wahrscheinlich, dass Tuchel das Angebot aus Hamburg ablehnte, weil er mit Avancen aus Dortmund konfrontiert wurde.

Und Tuchel hat ein Händchen für den Nachlass von Jürgen Klopp, das hat er schon bei Mainz 05 bewiesen, wo allerdings ein Jahr mit Jörn Andersen zwischen den beiden hoch geschätzten Fussball-Lehrern lag. Und die Aussicht auf Tuchel, der von vielen Experten als talentiertester deutscher Trainer überhaupt gehandelt wird, kann zweifellos als Trost für die trauernden Dortmunder taugen. Dafür war allerdings vorerst noch kein Platz in den Ausführungen von Geschäftsführer Watzke und Sportdirektor Zorc.

Klopp war immer der Unersetzliche unter den drei Machern, aber er ist eben auch der Mann, der an der vordersten Front arbeitet und dort am ehesten verschleisst. «Ich glaube, dass Borussia Dortmund eine Veränderung braucht, und wenn ich gehe, können, viele andere Dinge gleich bleiben», erläuterte Klopp. Vieles deutet darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit der Mannschaft nicht mehr so fruchtbar ist, wie in den Erfolgsjahren.

Überzeugende Ideen

Klopp argumentierte allerdings anders: «Für eine Entwicklung braucht man immer die Möglichkeit, kleine Schritte zu machen», führte er aus, ein BVB in der alten Konstellation werde aber «immer an alten Erfolgen gemessen», das mache kleine Schritte und somit eine Wiederholung der grossen Erfolge unmöglich.

In den sieben Jahren zuvor war es Klopp meisterhaft gelungen, eine Mannschaft mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln, dafür aber mit einer überzeugenden Idee in die europäische Spitze zu führen. Die englische Fussballzeitschrift feierte den BVB vor gut zwei Jahren als «heissesten Klub Europas», der rasante Fussball dieses Trainers war stilprägend. Auch der FC Bayern München hat Elemente der Dortmunder Spielweise übernommen, um so 2013 die Champions League zu gewinnen. Im Finale gegen den BVB.

Dieses Endspiel markiert den Höhepunkt der Ära des gebürtigen Schwaben im Revier. Danach folgten zwei Jahre des Niedergangs, die ihren Tiefpunkt am 19. Spieltag fand, als der BVB auf den letzten Tabellenplatz abrutschte. Im Vorjahr wurde die Mannschaft zwar noch Zweiter in der Bundesliga, aber der Rückstand auf den enteilten FC Bayern betrug am Ende 19 Punkte. Ein grundlegender Umschwung ist Klopp nicht gelungen, und dieses Scheitern hat ganz unterschiedliche Facetten.

Jeder auf seine Art

In der Hinrunde verletzten sich immer neue Spieler zum Teil schwer. Es gab die These, dass dieser Verschleiss eine Folge des intensiven Fussballs sei, was Klopp immer bestritt. Ausserdem kursierte der Gedanke, dass immer mehr Teams funktionierende Gegenstrategien zu Klopps Hochgeschwindigkeitsfussball gefunden haben. Weil sie selbst Aspekte dieser Spielweise übernahmen, täglich trainierten und damit auch bekämpfen lernten.

Klopp bestritt dies stets vehement. Hätte er öffentlich zugegeben, dass die Spielweise nicht mehr funktioniert, wäre es ihm nur noch schwerer gefallen, seine verunsicherten Spieler am Laufen zu halten. Aus dieser Falle konnte er sich nicht befreien. «Jürgen, Du kannst Dir sicher sein, dass Dir der ewige Dank aller Borussen nach dieser unfassbar erfolgreichen Zeit zuteilwird», sagte Watzke noch, und dann machten sie sich wieder an die Arbeit an der Zukunft. Jeder auf seine Art.

Mitteilung Borussia Dortmund

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Beim #BVB wird getuchelt, das #Klopp bald weg ist